1989 Eingeschulte leben in Deutschland verstreut / Wiedersehen nach 20 Jahren
Walddrehna
Sie sind die letzten DDR-Jungpioniere aus Walddrehna (Heideblick): Die Kinder, die im Jahr 1989 kurz vor dem Fall der Mauer eingeschult wurden, stehen heute im Berufsleben. Doch kaum einer von ihnen wohnt noch in der alten Heimat. Sie leben verstreut in der gesamten Bundesrepublik – vor allem westlich der Elbe. Nach 20 Jahren trafen sie sich in ihrer ehemaligen Schule.
20 Jahre danach: Walddrehnas Erstklässler von 1989 feiern im Jahr 2009 ein Wiedersehen in ihrer alten Grundschule. Foto: Henry Blumroth Foto: Henry Blumroth
„Ich bin bereits nach der dritten Klasse im Jahr 1992 nach Berlin gezogen, habe aber die Zeit in meiner alten Schule nie vergessen“, erzählt Sören Knuth. Seine Eltern hätten neue Arbeitsplätze in der Hauptstadt gefunden, erklärt er. Der Marineoffizier, der zurzeit vor allem Häfen im Mittelmeer anläuft, studiert nebenbei Wirtschaftsingenieurwesen.
Als sich die ehemaligen Schüler des 1989er-Jahrganges zum Kaffeetrinken in ihrem alten Klassenzimmer in der Walddrehnaer Grundschule treffen, „fühlte ich mich sehr an meine Vergangenheit erinnert“, so Knuth.
Viele Jahre nicht gesehen
„Die meisten Leute habe ich mindestens 13 Jahre lang nicht gesehen“, sagt der 27-Jährige aus Nienburg an der Weser.
„Ich war seit 15 Jahren nicht hier“, erzählt René Schisnowski, der kurz nach seiner Grundschulzeit in Bayern gelandet ist. „Ich fahre durch ganz Europa“, sagt der Fernfahrer. „Es ist alles bunter geworden, die Häuser sehen gut aus“, so der Bad Tölzer über Walddrehna. Nur die Plattenstraße sei noch die gleiche, erinnert er sich. „Es war nicht einfach, damals in den Westen zu ziehen und meine Freunde zurückzulassen.“ Mit der Zeit habe sich der einstige Jungpionier aber in der für ihn neuen Welt behauptet.
„Ich ärgere mich, dass ich mein Pioniertuch weggeschmissen habe“, erinnert sich Katja Lamich, als sie alte Fotos in dem Klassenraum entdeckt. Die 26-jährige Braunschweigerin habe bei einem Rundgang durch das Schulgebäude auch an frühere Besuche der ehemaligen NVA-Kaserne (Nationale Volksarmee) gedacht.
„Ein Höhepunkt waren die jährlichen Faschingsfeiern“, sind sich Bankkauffrau Nicole Maeter (27) aus Hamburg und Bauzeichnerin Juliane Arndt (26) aus Würzburg einig. „Weißt du noch, wie wir damals unseren Märchenfasching gefeiert haben?“, fragt Juliane Arndt ihre frühere Klassenfreundin.
Erinnerungen an Kindheit
„Daran erinnere ich mich, das Beste waren aber die Klassenfahrten“, sind sich die einstigen Walddrehnaer Schülerinnen über Ausflüge an die Ostsee und in die Sächsische Schweiz einig.
Keiner der Jungpioniere des Jahrganges 1989 ist in der näheren Umgebung des Heideblickortes geblieben. „Um etwas zu erreichen, mussten wir wohl alle unser Glück in größeren Städten, vor allem aber im Westen suchen“, sagt David Hilpert (27). Der Soldat, der derzeit in einer Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann steckt, hänge aber sehr an seiner Heimat. „Ich bin weiterhin aktiv in der freiwilligen Wehr in Walddrehna und beim Fußballverein im Einsatz.“ Immer dann, wenn es die Zeit zulasse.
„Moment mal, ich bin wieder hier“, unterbricht ihn Martin Noack.
Zurück in der Heimat
Nach zehn Jahren Tätigkeit als Kraftfahrzeugmechaniker im bayrischern Hof hat der 26-Jährige seinen Lebensmittelpunkt kürzlich wieder nach Walddrehna verlegt. „Meine Freundin wohnt in einem Nachbarort. Einen Arbeitsplatz habe ich in Zossen gefunden.“ Der ehemalige Schüler der Grundschule und spätere Gesamtschüler in Langengrassau pendle täglich zwischen Arbeitsplatz und Heimatort.
„Jeder ist seinen Weg gegangen. Schüler, deren Zukunft nach der Wende noch unklar war, überzeugen mich 20 Jahre nach meinem Unterricht in ihrer Klasse durch ihren Elan, der von damals bis heute angehalten hat“, sagt Brunhild Steude, Biologie- und Englischlehrerin der letzten DDR-Jungpioniere aus Walddrehna.
Rundgang durch die alten Klassenzimmer. Foto: privat Foto: privat
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