23. November 2010, 00:00 Uhr

Dahmer Schüler geben Minister Unterricht

Holger Rupprecht erlebt, wie eine tot gesagte Einrichtung durch das Praxislernen zu neuem Leben erwacht

Dahme Beim Besuch von Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) an der Dahmer Otto-Unverdorben-Oberschule sind Schüler die Hauptakteure. Sie lassen den Gast aus Potsdam miterleben, wie bei ihnen das Praxislernen funktioniert.

Elisa Femel fragt Bildungsminister Rupprecht nach seinem beruflichen Weg. Foto: Carmen Berg Foto: Carmen Berg
Vor knapp drei Jahren war der Minister in Dahme, als die Schule vor dem Aus stand. Zweimal in Folge waren keine siebenten Klassen zustande gekommen. »Mit dem neuem Profil des Praxislernens gelang die Wende«, so Schulleiter Henri Kuhl. An der Bildungseinrichtung lernen wieder 152 Mädchen und Jungen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun.

Einige von ihnen empfangen Holger Rupprecht und weitere Gäste aus Politik und Wirtschaft im Schulcafé. Bei Milch shakes und Schnittchen berichtet Casandra Hagedorn aus der achten Klasse, wie begehrt die Mitarbeit ist. »Wer mitmachen will, bewirbt sich wie für einen Job. Zuerst schriftlich und dann in einem Vorstellungsgespräch. Das Team entscheidet, wer die Stelle bekommt.«

Während eines Forums in der Aula zeigen die Schüler weitere Bausteine des Praxislernens. Kevin Lehmann nennt Schnuppertage für die siebenten und achten Klassen beim Qualifizierungsverein »Niederer Fläming«. Dort sind Einblicke in verschiedene Berufsrichtungen möglich. Ihm habe die Holzbearbeitung gut gefallen, sagt er. Für die neunten Klassen folgen zehn Praxistage in Betrieben der Region. Die Schule arbeitet laut Henri Kuhl mit mehr als 60 Kooperationspartnern zusammen.

Zu ihnen gehört Werner Hoffmann, Inhaber eines Autohauses. Er macht deutlich, dass die Schüler von heute als Lehrlinge von morgen dringend gebraucht werden. »Ich gebe mir Mühe, will nicht bei Hartz IV enden«, so Schülerin Vanessa Raschke. Ausbildungsberaterin Friederike Eckhoff von der Arbeitsagentur kommt regelmäßig in die Schule. »In Gesprächen wird ausgelotet, welche Potenziale die Schüler haben, aber auch, wie Marktsituation und Berufswunsch zusammenpassen«, erklärt sie. Einige Oberschüler lernen derzeit bei einer Berufsorientierungstour Metallbauunternehmen in Teltow-Fläming kennen, in denen die Lehrlingssituation besonders prekär ist. Achtklässlerin Elisa Femel will von einigen Gäste wissen, wie deren beruflicher Weg verlief. So erfährt die Runde, dass Minister Rupprecht früher Lehrer war und Dahmes Amtsdirektor Frank Pätzig (parteilos) gelernter Agraringenieur ist.

Elternvertreter Steffen Bleicher nennt das Praxislern-Konzept der Dahmer Schule exportfähig. »Es sollte nicht von Fördermitteln abhängen, sondern im Bildungssystem zum Standard gehören«, fordert er. Holger Rupprecht spricht das Programm Initiative Oberschule an, aus dem derartige Projekte unterstützt werden. Noch stehe nicht fest, wie es mit dem Programm nach 2013 weitergeht. »Aber ich werde mich bemühen, die Schulform der Oberschule weiter zu stärken. Nicht nur durch schöne Worte, sondern auch durch Geld«, verspricht der Minister zum Abschied.

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Dahmer OberschuleSeit diesem Schuljahr hat die Schule erstmals wieder drei siebente Klassen.Zum Programm gehört ein einwöchiges Workcamp, bei dem mit Profi-Trainern soziale Kompetenzen geschult werden. Beim Floßbau oder einem Orientierungslauf müsse sich einer auf den anderen verlassen, berichten die Schüler.
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Erstellt am: 23. November 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. November 2010, 02:31 Uhr
Autor: Von Carmen Berg

Von Carmen Berg

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