Auch im Norden des Landkreises Bergbau-Folgeschäden
Peter Nestler von der Bergbaubehörde zeigt die alten Pläne der Grube in der Region um Schenkendorf und Mittenwalde. Foto: Uta Schmidt


Reiche Kohlevorkommen
Mit dem Bergmannsgruß «Glück auf» empfängt noch immer das ehemalige Verwaltungsgebäude der Grube «Centrum» Einwohner und Gäste in Schenkendorf. Es ist eines der wenigen Zeugnisse Bergbaugeschichte rund um Mittenwalde, wo noch immer 8,7 Milliarden Tonnen Kohle unter der Erde liegen sollen. Von 1877 bis 1899 förderten Bergleute 1,2 Millionen Tonnen Braunkohle im Ort. Für die Schenkendorfer ist dieses Erbe auch heute noch mit Gefahren verbunden.
Vor wenigen Monaten rutschte ein Stück Feld der Märkischen Agrargenossenschaft acht Meter in die Tiefe. Auch Straßenabschnitte senkten sich. Die Einwohner fragen sich: Sind jetzt auch Wohngrundstücke, öffentliche Einrichtungen und Wege gefährdet? Wer kommt für mögliche Schäden auf? «Glück auf» hat hier nichts von seiner Aktualität verloren.
Peter Nestler, Dezernent für Altbergbau beim Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Cottbus informiert über die Ausmaße. «Es ist wirklich keine Panik angebracht. Bei den Bohrungen werden Wasser und Tonmehl eingesetzt» , so Nestler zu den Befürchtungen, es handle sich um kontaminierten Boden. Anhand einer geologischen Karte erläutert er, welche Gemarkungsfläche rund um Schenkendorf vom Bergbau betroffen war. «Die Grube war für damals eine der größten und modernsten in Brandenburg.» Das noch vorhandene Karten- und Archivmaterial werde zurzeit in Sachsen-Anhalt aufbewahrt, da alle Gruben zwischen Mittenwalde und Rüdersdorf vor rund 100 Jahren zum Bergbaugebiet Halle gehörten. «Für den südlichen Teil der Abbaufläche liegen allerdings keine Pläne vor. Der Braunkohlebergbau wurde eingestellt, nachdem 1899 ein massiver Wassereinbruch in den Schächten erfolgt war.» Zu dieser Zeit seien aber bereits weitere Gebiete für den Abbau vorbereitet gewesen, so Nestler. Tatsachen, die heute den genauen Verlauf von Bergbauschächten erschweren würden. Bekannt sei, dass der Abbau in etwa 100 Kubikmeter großen Kammern erfolgt sei. «In diesen Bruchfeldern hat man die spätere Verformung der Oberfläche bewusst in Kauf genommen. Jedoch sind nicht alle Abbaukammern zusammengefallen. Diese Hohlräume können wir nicht durch Messungen nachweisen. Das ist der schlimmste Baugrund, den man sich denken kann» , sagt Nestler. Rund 8500 Kubikmeter Hohlraum würden unter den Wiesen und Feldern von Schenkendorf vermutet. «Von weiteren Absenkungen werden aber keine Wohngrundstücke betroffen sein» , erklärt der Fachmann.

Sanierung angekündigt
Dennoch wolle das Land Brandenburg einen «kleineren sechsstelligen Betrag» in die Sanierung der Schenkendorfer Bergbaufolgelandschaft investieren. Die Bohrungen seien eine freiwillige Aufgabe des Landes und würden den Wert der Grundstücke erhöhen. Im nächsten Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. «Vieles wird aber so bleiben müssen wie es ist» , sagt der Dezernent. Hoffnungen der Anwohner auf Schadensbegleichung bei Gebäudeschäden werden sich nicht erfüllen.
Da der einstige Bergwerkseigentümer nach 1945 enteignet wurde, entließ man ihn damit auch aus allen Pflichten. «Das war eine große Dummheit per Besatzungsrecht» , sagt Nestler. «Wer vom Altbergbau betroffen ist, hat nach aktueller Gesetzeslage einfach Pech gehabt» , so Peter Nestler.