Einen solchen Ausweis erhält jedoch niemand ad hoc. Es gibt eine Warteliste. "Zurzeit stehen auf dieser zwölf Namen", erklärt "Tafel"-Chef Horst Pink nach einem kurzen Blick in seine Unterlagen.

Die „Hoyerswerdaer Tafel” ist an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Dabei könnte sie mehr als die derzeit gelisteten 125 Kunden, hinter denen sich rund 550 Personen verbergen, mit Lebensmitteln versorgen. Das Personal und die Räumlichkeiten in der Begegnungsstätte „Lichtblick” im WKVI würden das hergeben. Nicht jedoch das Aufkommen an Lebensmitteln.
Etwa seit dem Frühjahr beobachtet Horst Pink mit Sorge, dass die Waren-Spenden der meisten hiesigen Einkaufsmärkte immer geringer werden. „Auch das Sortiment wurde stark reduziert. Zum Beispiel gibt es kaum noch Milchprodukte.”
Wie der „Tafel”-Chef sagt, sei vielen Discountern der wirtschaftliche Druck anzumerken, unter dem sie stehen. Wurden früher bestimmte Waren ein paar Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums an die „Tafel” abgegeben, so werden inzwischen große Rabattaktionen bis an diesen Termin heran durchgeführt. Für die Tafel sind diese Produkte damit verloren.
„Waren, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, dürfen wir nicht herausgeben. Das wird von der Hygiene überwacht”, erläutert Gudrun Voß, Projektleiterin beim Verein zur beruflichen Förderung von Frauen in Sachsen (VbFF), der die „Hoyerswerdaer Tafel” betreibt.
Der Verein musste notgedrungen darauf reagieren. „Wir haben einen Aushang gemacht, dass keine weiteren Kunden mehr angenommen werden können”, blickt Horst Pink zurück. „Wer als Neukunde aufgenommen werden möchte, der hinterlässt uns Namen und Telefonnummer und bekommt Bescheid, wenn es so weit ist.” Das passiert erst, wenn ein Kunden-Platz frei geworden ist. Etwa weil der Ausweis-Inhaber an zehn Ausgabetagen hintereinander nicht erschienen oder wenn ein Hartz-IV-Antrag abgelaufen ist und nicht verlängert wurde, so der „Tafel”-Chef.
Selbstverständlich gibt es in Notsituationen auch für Bedürftige, die keinen Ausweis besitzen, Hilfe. Der Betreffende müsse aber zuvor zum Sozialamt gehen und dort seine Situation darlegen. „Das Amt nimmt dann zu uns Kontakt auf. Wir machen eine Sonderration fertig, damit derjenige erst mal über die Woche kommt”, schildert Horst Pink das Prozedere. Und es werde versucht, die Person möglichst schnell auf die Kundenliste zu setzen.
„Wenn wir mehr Ware erhalten würden, könnten wir mehr Leute nehmen”, bringt Gudrun Voß das Dilemma auf den Punkt. Es sei aber schwer, genug Lebensmittel für die derzeitigen Kunden aufzutreiben.
Ausgeholfen wird den Hoyerswerdaern wie auch anderen „Tafeln” von der Landestafel Dresden. Dort wird aller zwei Wochen Ware geholt. „Ohne die Landestafel würden wir wohl nicht mal mehr die 125 Kunden hier bedienen können.”
Wie Hilfe aussehen könnte? Mit der Ernte in den seit diesem Jahr bewirtschafteten „Tafel-Gärten” in Hoyerswerda hilft sich der Verein selbst. Obst und Gemüse gibt es reichlich. Ansonsten sind private Lebensmittelspenden möglich. Auch Geldspenden. „Davon” so Gudrun Voß, „könnte das gekauft werden, was wir nicht haben.”
Hintergrund Einladung zum Tag der offenen Tür
Wo? In der Begegnungsstätte Lichtblick in der Huttenstraße 31 (WKVI) in Hoyerswerda findet ein Tag der offenen Tür statt.
Wann? Die Einrichtung steht für neugierige Besucher am Samstag, dem 13.September, zwischen 14 und 17 Uhr offen.
Was? In der Begegnungsstätte sind verschiedene Projekte angesiedelt. Dazu gehört unter anderem die „Tafel”, die Suppenküche, die Umweltwerkstatt und der Kreativzirkel mit Kleiderkammer. Diese können ebenso wie die Räume kennengelernt werden.
Wer? Betreiber der Begegnungsstätte ist der Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF).