Vom Rollstuhl aufs Quad umgestiegen
Menschen mit Behinderung können problemlos zu Touren ins Seenland starten
Klein Partwitz Mit ordentlich Karacho auf einem Quad durch die Tagebaufolgelandschaft düsen – darauf müssen Menschen mit Handicap nicht verzichten. Andreas Ittmann, Inhaber des Quadcenters Klein Partwitz, hatte einen jungen Mann im Rollstuhl zu Gast, der fasziniert von seinem ersten Eineinhalbstunden-Trip auf dem „vierräderigen Motorrad“ gewesen ist.
In Klein Partwitz bekam er ein Automatik-Quad, das sonst die Tourguides benutzen und das per Hand zu bedienen ist. „Wir sind in einer Fünfer-Gruppe zum Blunoer Südsee gefahren“, erzählt Christian Undeutsch. Nach einer Pause, in der die Teilnehmer noch einiges über das entstehende Seenland erfuhren, sei es zurückgegangen. „Es war toll, eine Riesengaudi bei Superwetter“, schwärmt der Hoyerswerdaer. Wirklich „gedüst“ sei die Gruppe freilich nicht: „Ich schätze mal, 15 bis 20 km/h sind wir gefahren“, meint der 28-Jährige, der seit seiner Kindheit an im Rollstuhl sitzt. „Aber man will auch etwas sehen und muss aufs Gelände achten – die Fahrt geht ja querfeldein.“ Voraussetzung für den Trip: ein Führerschein. Christian Undeutsch fährt selbst problemlos Auto, hat ein rollstuhlgerecht umgebautes Automatikfahrzeug. Für Andreas Ittmann ist es selbstverständlich, seine Touren auch für Menschen mit Behinderung anzubieten. „Ich habe allerdings schon von Gästen gehört, dass sie von anderen Quad-Anbietern in Deutschland aufgrund ihrer Behinderung abgelehnt wurden“, sagt er.
Sein Betrieb ist nach eigenen Angaben von der Touristischen Gebietsgemeinschaft „Lausitzer Seenland“ als behindertenfreundlich eingestuft worden. Das heißt beispielsweise, dass Rollstuhlfahrer das Quadcenter problemlos erreichen, ihnen selbstverständlich beim Draufsetzen auf das Fahrzeug geholfen wird oder dass ein Betreuer, entweder der des Gastes oder ein Mitarbeiter des Quadcenters, bei Bedarf mit auf Tour geht. Das kostet nichts zusätzlich, auch wenn extra in kleineren Gruppen gefahren wird. Dies sei nach Andreas Ittmanns Erfahrung manchmal ein Wunsch der Quadfahrer mit Handicap.
Der Klein Partwitzer hatte schon Gäste mit Fußprothese – auch hier kommt dann das Automatik-Quad zum Einsatz – und sogar blinde Teilnehmer, die als Beifahrer auf dem Quad saßen. „Auch wenn man nichts von der Landschaft sieht, es geht um das Fahrgefühl, das Durchgerütteltwerden, das Gefühl, frei zu sein“, meint er. Ein blinder Mitfahrer habe das so empfunden, erinnert er sich. Seine Betreuerin hatte dem Mann, der aufgrund eines Unfalls erblindet war und schwer mit dieser Situation zurechtkam, das Quadfahren als eine Art Therapiemaßnahme empfohlen. „Am Ende ist der Mann richtig aufgeblüht und hat sogar gelacht.“
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Erstellt am: 09. Juni 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. Juni 2011, 01:53 Uhr
Autor: Von Anja Wallner

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