27. Mai 2010, 00:00 Uhr

Tanz-Premiere in Knappenrode

In Wochen harten Trainings ist aus 40 Laien-Tänzern ein Ensemble geworden

Hoyerswerda Musik vom Kronus-Quartett donnert durch die Turnhalle an der Kolpingstraße. Es wird geprobt – das große Finale von „Hoyerswerda – eine Stadt tanzt“. Der unbedarfte Beobachter wundert sich: Das sollen Tanz-Laien sein?

Diese vierzig Tänzer zwischen 8 und 73 Jahren sehen ganz eindeutig nach Ensemble aus! Es geht auf und ab, wogt hin und her, fließt und schäumt. Wie ist so etwas möglich? Also: Jeder der Protagonisten möge doch bitte einmal sagen, was ihm hierzu einfällt.

Überraschung! Niemand redet über Kunst. Man bekommt stattdessen zum Beispiel von Beate (45) zu hören: »Ich habe anfangs meine Kinder Salomé und Lawrence zum Training gebracht und bin angesteckt worden.« Torsten (27) erklärt, das Projekt verbinde Spaß am sportlichen Tanz mit neuen Kontakten zu Mitmenschen, und Ute (57) meint: »Ich liebe dieses kollektive Erlebnis.« Wie es scheint, hat die KulturFabrik hier im wahrsten Wortsinn etwas auf die Beine gestellt, bei dem der Prozess wieder einmal wichtiger ist als das Ziel.

Ergo: Über dieses Ziel redet keiner. Es sind drei Aufführungen, morgen um 20 Uhr sowie am Sonnabend um 18 Uhr und um 20 Uhr in der Energiefabrik in Knappenrode. Also fragt der Reporter und die 18-jährige Juliane antwortet, die Vorstellungen seien in den Köpfen der Tänzer vielleicht einfach so dauer-präsent: »Es heißt schon oft: »Stellt euch vor, wie es mit Publikum sein wird.«« Tänzer Dirk Lienig, der hier den Hut aufhat, weiß mit der Erfahrung des ehemaligen Ballett-Profis, dass sich keiner in der Masse verstecken kann: »Man sieht wirklich alles.« Also noch mal das Finale bitte! »Es muss brennen«, feuert Dirk Lienig an.

Natürlich ist das anstrengend. Heike (45) redet von einer »sportlichen Herausforderung« und der 66-jährige Erhard sagt: »Nur Trainingsfleiß und Schweiß bringen die Freude am Tanz.« Dorit, die Ihr Alter nicht verraten möchte, spricht aber auch von mentalen Ansprüchen: »Ein wenig muss man sicher auch das Schamgefühl überwinden.« Denn es werden am Wochenende viele Gäste in Knappenrode erwartet. Und alle werden sich hinterher etwas denken. Erste »Gutachter« sind schon jetzt baff. Linda Muth hat eine Freundin zum Training begleitet und sagt: »Es ist toll, wie hier Persönlichkeiten aufeinandertreffen, die sonst nicht so viel miteinander zu tun haben.«

Und dann ist da ja auch noch das Anliegen. Es gibt im Stück eine Stelle, da werden Jahreszahlen und die jeweiligen Einwohnerdaten von Hoyerswerda genannt. »Unsere Energie soll ein Geschenk an die Stadt Hoyerswerda sein«, sagt folgerichtig der 20-jährige Oliver. Thema der Darbietung sollen jene entstehenden Freiräume für neue Lebensqualität sein, die der Stadtumbau bietet. Und die Tänzer stellen das nicht nur dar. Sie zeigen ganz praktisch, wie das aussieht - wie der einzelne Mensch in einer kleiner werdenden Stadt an Größe und Bedeutung gewinnen kann. »Ich bin begeistert, dass so etwas in Hoyerswerda möglich ist und ich daran teilhaben darf«, sagt Angret (69).

Die Tänzer versammeln sich in einem dichten Kreis. Sie stehen sich ganz nah, sehen selbstbewusst aus. Es folgt ein musikalischer Paukenschlag. Nur der Applaus fehlt. Die Probe ist beendet. Die Premiere kann wohl beginnen.

Die Premiere morgen ist ausverkauft. Karten für die 18-Uhr-Vorstellung am Sonnabend sind unter www.kufa-hoyerswerda.de zu haben, Tickets für 20 Uhr nur noch an der Abendkasse.

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Erstellt am: 27. Mai 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 27. Mai 2010, 11:20 Uhr
Autor: Von Mirko Kolodziej

Von Mirko Kolodziej

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