13. März 2010, 00:00 Uhr

Sorbische Trachten sollen das Singen lernen

Benoit Maubrey stellt Projekt „Sorben 3000“ vor

Saskia hat ein neues Kleid. Es besteht aus einer Ansammlung von Lautsprechern und Kabeln, die wie ein Gürtel um ihre Taille geschlungen sind. Aus einer der Boxen dringt ein hoher, vibrierender Ton. Jetzt hebt Saskia den Arm. Auch der Ton wird höher. Saskia lässt den Arm sinken, und der Ton geht in den Keller.

Was Saskia Oitttmann hier noch offen präsentiert, soll sich bald hinter dem „Vorhang“ einer sorbischen Tracht verstecken. Foto: Uwe Menschner Foto: Uwe Menschner
Benoit Maubrey wechselt an seinem Pult einen Stecker. Sofort geht der bislang kontinuierliche Pfeifton aus Saskias Lautsprechern in ein stakkatoartiges Getrommel über. Noch ein paar Manipulationen nimmt der in Kanada geborene Aktionskünstler vor, und jedesmal entsteht, stets in Verbindung mit den Bewegungen seiner jungen Kollegin, ein neues Klanggebilde.

„So etwas lässt sich auch problemlos in normale Kleidung integrieren“, erklärt Benoit Maubrey. Er gilt als Erfinder der „elektroakustischen Kleider“ - Kostüme, in die Lautsprecher und Chips eingearbeitet sind, die Klänge aus der Umgebung aufnehmen und wiedergeben können. Maubrey feierte bereits große Erfolge mit japanischen Kimonos und Röcken der australischen Ureinwohner. Sein neuestes Projekt führt ihn in die Oberlausitz. Sein Objekt der Begierde: Die traditionellen sorbischen Trachten.

„Ich hatte zunächst von dem Projekt abgeraten“, erklärt Juri Wuschansky. Zu sensibel erschien dem Kulturreferenten des sorbischen Dachverbandes Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V. das Verhältnis der Sorben zu ihrer Tracht. „Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr tendiere ich allerdings zu der Ansicht, dass man das Vorhaben durchführen sollte“, fügt er hinzu. Allerdings, so Wuschansky, solle man eher eine so genannte „Truhentracht“ - also eine Tracht, die im Alltag nicht mehr getragen wird, verwenden.

Dies allerdings schmeckt Benoit Maubrey nicht so recht. „Es sollte etwas authentisches sein, das auch heute im Leben der Menschen noch eine Rolle spielt“, meint er. Bei den Niedersorben im Spreewald sei er auf viel Interesse und Zustimmung gestoßen. Selbiges erhofft er sich nun auch von den in Bautzen und Umgebung ansässigen Sorben. „Schließlich handelt es sich um eine sehr reizvolle Verbindung zwischen Tradition und Moderne“, ergänzt Mike Salomon, der Vorsitzende der Künstlerinitiative „ObArt“, die das Projekt, das unter dem Motto „Sorben 3000“ steht, unterstützt.

Einen Förderer haben die Initiatoren im Intendanten des Sorbischen Nationalensembles, Wolfgang Rögner, gefunden. Er will die Werkstätten seines Hauses für die erforderlichen technischen Arbeiten zur Verfügung stellen. An die Mitarbeiter appelliert er, das Projekt „auf freiwilliger Basis“ zu unterstützen – schließlich fallen die ersten geplanten Präsentationstermine genau in die Urlaubszeit. Benoit Maubrey will auch Laienensembles in die Projektarbeit einbeziehen – so hätten die Tanzgruppen Schmerlitz und Höflein bereits ihr Interesse bekundet.

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Erstellt am: 13. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 13. März 2010, 01:35 Uhr
Autor: Von Uwe Menschner

Von Uwe Menschner

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