07. Februar 2012, 00:00 Uhr

So sieht Helmut Schlees eisiger Sonntagsspaß aus

Der Schönborner Elektroingenieur fühlt sich bei Bibbertemperaturen erst richtig wohl und steigt zum Schwimmen in die Elbe

Finsterwalde Mit dicker Jacke, wollener Mütze, hohen Stiefeln und einem molligen Schal um den Hals schützt sich Ingrid Siebert vor der klirrenden Kälte. Währenddessen steigt ihr Freund mit kurzärmligem Hemd und bloßen Waden aus dem Auto. Gänsehaut bekommt Helmut Schlee nicht mal, als er plötzlich nur noch in Badehose da steht. Der 59-Jährige steigt auch bei sibirischer Kälte ins eisige Elbe-Wasser.

Nach siebeneinhalb Minuten im eiskalten Elbewasser kribbeln Helmut Schlee nur etwas die Finger.
Die Sonne scheint zwar, doch sein Thermometer zeigt fast zehn Grad minus Lufttemperatur an. Ideale Bedingungen für den Extremsportler. „Ich bin schon bei minus zwölf Grad geschwommen“, erzählt der Schönborner, den es jeden Sonntag an die Elbe zieht – Sommer wie Winter – mal in Mühlberg, in Belgern, in Strehla, letzten Sonntag in Torgau an der Elbbrücke. Das Wasser hier ist jetzt 0,5 Grad „warm“. „Zum Problem wird jedoch das viele Treibeis - daran kann man sich verletzen“, ist Helmut Schlee gewarnt. Damit das nicht passiert, hat er diesmal für den Einstieg die Flussseite gewechselt. Kurz vor Torgau macht die Elbe einen Bogen – die Eisschollen schwimmen so an der Stadtseite entlang - auf der anderen Seite verirren sich nur wenige Schollen.

Um ins Wasser zu gelangen und wieder aussteigen zu können, zieht Helmut Schlee zunächst mit Spitzhacke und Spaten los und hackt das zugefrorene Ufer vom Eis frei. Damit er sich an den scharfen Eiskanten nicht schneidet, hat er feste Schuhe angezogen – „sonst habe ich nur Sandaletten an“, erzählt er. Heute will Helmut Schlee eine 600 Meter lange Tour am Fuße von Schloss Hartenfels schwimmen, dem Wahrzeichen von Torgau. Viele Schaulustige kennen das sonntägliche Ritual des Eisbaders schon und verfolgen es mit Respekt.

Knapp eine viertel Stunde braucht Helmut Schlee, um sich herunterzukühlen. Nach und nach zieht er seine Sachen aus, trinkt schon vorher literweise Tee und Kaffee, damit die Nieren bei den eisigen Temperaturen in Funktion bleiben. Dann cremt er seinen ganzen Körper mit Melkfett ein, die Haut verkraftet so die extreme Kälte besser – für den Rücken, wo er mit den Händen nicht rankommt, benutzt er eine Malerrolle. Während Helmut Schlee in die eisigen Fluten steigt, fährt seine Freundin mit dem Auto am Ufer nebenher und wartet an der vereinbarten Stelle. Die starke Strömung treibt den Eisschwimmer zunächst am Zielpunkt vorbei.
 
Nur mit Mühe schwimmt Helmut Schlee zurück und kämpft gegen den Strom vor. „Sieht schlimmer aus, als es ist“, ruft er aus dem Wasser, das er nach siebeneinhalb Minuten putzmunter verlässt – „nur meine Finger kribbeln ein wenig“. Richtig brenzlig wurde es im Winter vor zwei Jahren, als er erst im Wasser merkte, dass er sich die Füße erfroren hatte. „Ich konnte die Haut großflächig abziehen“, erinnert er sich. Inzwischen sei aber wieder alles nachgewachsen.

Ohne zu zittern steigt Helmut Schlee ins Wasser der Elbe. Fotos: Babbe
Helmut Schlee braucht das Bad im Eiswasser. „Ich bin hinterher ausgeglichener und bewältige Probleme besser“, sagt der Elektroingenieur, der als Leiter der Instandhaltung bei Voestalpine einen stressigen Job hat. Und einen Arzt kennt Helmut Schlee, der früher an starken Rückenschmerzen litt, seit Jahren nicht mehr.
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Erstellt am: 07. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Februar 2012, 09:03 Uhr
Autor: Von Dieter Babbe

Von Dieter Babbe

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