Positive Seenland-Bilanz
Rutschung im Jahr 2010 hat Tourismus kaum negativ beeinflusst
Hoyerswerda Abgeschnittene Quad-Routen, ein nicht zugänglicher Terra-Nova-Ponyhof und Sperrschilder – trotzdem zieht TGG-Geschäftsführer Marcus Heberle nicht das vermutet durchwachsene Urteil. Für ihn ist es eine gute Saison im Seenland gewesen. Dennoch muss noch vieles besser werden.
„Die Rutschung hatte keine negativen Auswirkungen auf die Gästezahlen, im Gegenteil“, sagt er. Die Zahlen – ausgewertet wurden die Monate Januar bis August – zeigen im Vergleich zum Vorjahr nach oben, sowohl was Anzahl und Auslastung der Herbergen als auch Gästeankünfte und Übernachtungszahlen betrifft. Bis Juni lief es witterungsbedingt eher schlecht. „August und September haben es rausgerissen“, so Heberle.
Radfahren, Skaten, Industriekultur und das Thema Krabat interessierte die Touristen am häufigsten. Jedoch erfassen die offiziellen Statistiken nur Betriebe mit mehr als neun Betten. Das Gros der Anbieter fällt praktisch durchs Raster; man darf also von mehr als den 66 000 Übernachtungen ausgehen. Laura Schmidt, Mitarbeiterin der Seenland-Touristinformation Hoyerswerda, ergänzt, dass es seitens der Gäste – hauptsächlich kamen Deutsche, aber auch viele Tschechen, weiterhin Engländer, US-Amerikaner und sogar Chinesen und Mongolen – zwar Fragen zur Rutschung gegeben hätte, die meisten davon nichts gehört hatten. „Das Thema Rutschung war überregional nicht übermäßig präsent“, so Marcus Heberle. Die Sperrungen seien für etliche Touristen überraschend gewesen. Und sie haben gerade bei Radfahrern für Ärger gesorgt. „Die Leute fuhren auf Radwegen, standen plötzlich vor den Sperrschildern, und Ausweichrouten waren nirgends angezeigt“, erklärt Marcus Heberle das Problem. Das jetzt fast fertige Wegeleitsystem im sächsischen Seenland existierte bis vor wenigen Wochen noch nicht.
Erschwerend komme hinzu, dass der Bergbausanierer LMBV routenrelevante Flächen an Privateigentümer verkauft hat. Glücklicherweise, so Marcus Heberle, seien die überregionalen Radwege nicht von Sperrungen betroffen gewesen – wohl aber die geplante Seenland-Route, die Radfahrer einmal vorbei an allen 16 Seen führt. „Den brauchen wir ganz dringend.“ Vier Abschnitte können aktuell nicht befahren werden, die Beschilderung führt die Radler praktisch nicht weiter. Über Ausweichrouten diskutiert die TGG derzeit mit der LMBV und dem Oberbergamt.
Einen großen Schub habe es bei den Vermittlungsverträgen zwischen Touristinformation und Tourismusanbietern gegeben. Der erste Vertrag wurde 2009 geschlossen, „bis jetzt haben wir die Anzahl der Partner verdreifacht“, freut sich Laura Schmidt. Mehr als 150 Vermittlungen – Übernachtungen und Führungen – kamen so zustande.
Viel zu tun gibt es für die TGG in puncto Qualifizierung und Zertifizierung von Anbietern. „Das Niveau muss generell steigen, und nur das, was da ist, kann vermarktet werden“, sagt Heberle. Vor allem zertifizierte Häuser seien sehr zufrieden gewesen, auch wenn sie etwas entfernt vom See liegen. Denn Seenähe wird von Touristen als Erstes gewünscht. Auch da gibt es noch Herbergs-Nachholbedarf. „Größere Gruppen können wir nach wie vor nicht direkt an Seen unterbringen.“ Ein neues Gastgeberverzeichnis für 2012/2013 erscheint Ende Januar. Für die Zukunft wünscht sich der TGG-Geschäftsführer, dass vor allem Radler bald mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen können und dass am Geierswalder See die Bebauungsplanverfahren schnell abgeschlossen werden.
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Erstellt am: 02. November 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 02. November 2011, 09:36 Uhr
Autor: Von Anja Wallner

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