Nach RUNDSCHAU-Informationen wollten in der Nacht zu Donnerstag etwa 15 Personen aus der rechten Szene in eine Wohnung in der Robert-Schumann-Straße eindringen, in der ein Paar wohnt, das dem linken Spektrum angehört. Die Gruppe verschaffte sich Zugang zum Treppenhaus und versuchte, gewaltsam in die Wohnung zu gelangen. Das scheiterte. Die beiden 33-Jährigen riefen die Polizei zu Hilfe. Bei Eintreffen der Polizei verließ die Gruppe den Wohnblock und begab sich zu einer nahegelegenen Tankstelle. Dort wurden die Personalien festgestellt.

Der Bautzener Staatsanwalt Christopher Gerhardi bestätigt einen politischen Hintergrund. Nicht umsonst würde der Staatsschutz ermitteln. Einige Personen sind der Polizei bekannt. Weitere Spuren zu den Angreifern wurden im Wohnblock gefunden. Die Angreifer hatten, "um im Schutz der Dunkelheit zu agieren", die Glühbirnen im Flur herausgedreht. Dass die Bedrohten die Stadt verlassen haben sollen, sei vorstellbar, bestätigen wollte das Gerhardi aber nicht.

Einen direkten Zusammenhang zu den Angriffen auf das Wahlkreisbüro von Caren Lay (Linke) hat dieses Ereignis offenbar nicht. Fakt ist aber, dass diese Art der Zwischenfälle in jüngster Zeit zugenommen haben. Caren Lay forderte deshalb von Polizei und Staatsschutz, "die Aufmerksamkeit auf den Schutz meines Büros zu erhöhen". Mit Erfolg: Eine verstärkte Kontrolle des Areals um das Parteibüro der Linken werde durch das Revier Hoyerswerda koordiniert, teilt Polizeisprecherin Janet Kloß mit. Mit "unterstützenden Kräften" werde die Präsenz spürbar erhöht.

Lay nimmt das offenbar mit Genugtuung auf: "Ich freue mich, dass die Polizei jetzt endlich handelt und ihre Präsenz erhöht. Noch vor wenigen Monaten wurde ein rechter politischer Hintergrund eines Überfalls auf mein Büro von der Polizei abgestritten."

Im Büro von Caren Lay findet am Montag um 18 Uhr eine Diskussionsrunde zum Thema "Hoyerswerda – richtig gedenken aber wie?" statt. Die Initiative "Pogrom 91" fordert ein Denkmal in der Stadt und die Entschädigung der Betroffenen. Erwartet werden Linke-Politiker Heiderose Gläß, Ralf Haenel, Jens Thöricht und eine Vertreterin von "Pogrom 91".

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Die Staatsanwaltschaft Dresden muss auf die öffentliche Klage gegen Caren Lay warten. Der Bundestag hatte die Aufhebung der Immunität am Donnerstag nicht wie geplant erwirkt. Eine Entscheidung sei vertagt worden, teilt Wahlkreismitarbeiterin Kristin Hofmann mit. Ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen die stellvertretende Parteivorsitzende sei aber bereits geführt worden, sagt Staatsanwalt Alexander Keller. Lay werde vorgeworfen, sich am 19. Februar 2011 "wissentlich und willentlich" an der Blockade der genehmigten Demonstration von Rechten in Dresden "aktiv maßgeblich beteiligt zu haben". Einer Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldstrafe habe Lay nicht zugestimmt.