28. Januar 2012, 00:00 Uhr

Oliva Kahn wechselt nach Frankreich

Hoyerswerdaer Handaufzucht verlässt den Tierpark

Hoyerswerda Ob Sonntagsspaziergang mit der Oma oder ein Safari-Nachmittag mit den Kindern direkt im Stadtzentrum: Der Zoo Hoyerswerda ist für viele aus der Region einen Besuch wert. Die RUNDSCHAU schaut wöchentlich hinter die Kulissen, stellt die interessantesten Tiere und schönsten Geschichten vor und begleitet die Mitarbeiter des Zoos bei ihrem Arbeitsalltag.

Nein, Ähnlichkeiten sind wirklich nicht auszumachen zwischen Fußballer Oliver Kahn und seiner Namensvetterin Olivia Kahn. Das junge Kahnschnabel-Weibchen hat seinen Namen lediglich dem „Kahn“ in seiner Artenbezeichnung zu verdanken. „Wir dachten erst, es wäre ein Männchen und haben ihn deswegen Oliver Kahn getauft. Aber bei der Federnprobe stellten wir dann fest, dass es ein Weibchen war“, erzählt Tierpflegerin Kerstin Vollrath. Sie hat sich in den vergangenen Monaten ganz intensiv um Olli gekümmert, denn sie war Ersatz-Mami und Ersatz-Papi in einer Person. Als der Kahnschnabel am 21. Mai 2011 schlüpfte, habe zunächst alles super ausgesehen, erinnert sich die Pflegerin. Aber am dritten Tag habe das Vogeljunge plötzlich nicht mehr im Nest, sondern unten auf dem Boden gelegen. Sie habe den kleinen Kerl, der damals gerade einmal 24 Gramm wog, zurück ins Nest gesetzt – aber ohne Erfolg. „Kahnschnäbel bauen ihre Nester sehr wackelig. Da gehen viele Gehege zu Bruch“, erklärt die 43-Jährige.

„Wir haben überlegt, was wir mit ihm machen“, sagt Kerstin Vollrath – und dann tat sie, was sie schon mit so manchen tierischen Babys getan hatte: Sie wagte die Aufzucht per Hand. „Am Anfang passte sie in einen Eierbecher“, erzählt die Tierexpertin. Beim Tierarzt des Berliner Zoos habe sie sich Tipps geholt, wie sie den Winzling groß kriegt. Nachdem die ersten Tage sehr schwierig gewesen seien, ging es ab dem zehnten Tag im Heim von Kerstin Vollrath im Oßlinger Ortsteil Döbra endlich bergauf. In den ersten Wochen habe das Vogelkind auch nachts alle zwei Stunden Futter gebraucht. Olli futterte, nahm zu und wurde immer agiler. In ihr erstes Nestchen, eine Kompottschüssel, passte sie bald nicht mehr rein. Inzwischen ist Olli ausgewachsen und wiegt stolze 530 Gramm.

Weil der Nachwuchs zur Familie der Nachtreiher gehört, sorgte er auch bei der Tierpflegerin für nächtliche Unterhaltung. „Ab halb neun war Aktion bei mir“, erinnert sich die 43-Jährige, die im Laufe der Monate einige lustige Schnappschüsse mit Olli auf ihrer Kamera festgehalten hat. Olli sorgte für reichlich Spaß in Döbra, hat den Igelkindern, die bei Kerstin Vollrath überwintern, das Katzenfutter weggefressen, sich Kämpfe mit einem kleinen Gummi-Krokodil geliefert oder ist eine Runde auf einer der zwei Schildkröten geritten, die bei der Pflegerin leben. Am Freitag nun hieß es Abschied nehmen, denn Olivia Kahn zieht nach Frankreich um. Im Zoo La Bourbansais in Pleugueneuc (Westfrankreich) soll der Vogelnachwuchs ein neues Zuhause finden. Das Tier komme zu einem erfahrenen Halter und sie wolle Kontakt halten, sagt Kerstin Vollrath, die für den neuen Besitzer ein paar schöne Fotos aus Ollis Kindertagen zusammengestellt hat. „Es ist das Beste, dass sie ein neues, schönes Zuhause bekommt“, freut sich die Tierpflegerin. Zum Abschied haben beide nochmal gemeinsam Fernsehen geschaut, „ihren Lieblingsfilm über Kahnschnäbel“.

Kerstin Vollrath hat Kahnschnabel Olivia in den vergangenen Monaten aufgezogen. Nun zieht das Tier nach Frankreich um. Die Eltern des Jungtieres bleiben im Hoyerswerdaer Zoo wohnen. Foto: Christiane Klein/chk1 Foto: Christiane Klein/chk1
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Erstellt am: 28. Januar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 30. Januar 2012, 11:20 Uhr
Autor: chk1

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