06. Februar 2012, 00:00 Uhr

Lohsaer trugen viel zur Domowina bei

Sorbischer Verein Handrij Zejler besteht seit 100 Jahren und bewahrt Traditionen

Lohsa Dass sich im Jahre 1912 in Hoyerswerda die Domowina konstituieren konnte, war nicht zuletzt einer Vielzahl sorbischer Vereine zu verdanken, die sich gegründet hatten. Einer von ihnen war der Wendische Verein Handrij Zejler für Lohsa und Umgebung, der am 31.

Die Folkloregruppe Lohsa mit Katrin Goering, Monika Aust und Rosemarie Kloss trat beim sorbischen Abend in Lohsa auf. Foto: Uwe Menschner/ume1 Foto: Uwe Menschner/ume1
Dezember 1911 aus der Taufe gehoben worden war.

Siegmund Musiat, Slawist, Volkskundler und Autor aus Bautzen, hat sich intensiv mit der Geschichte der sorbischen Vereine beschäftigt. Sein 2001 herausgegebenes Buch „Sorbische/Wendische Vereine 1716 bis 1937“ gilt als Standardwerk auf diesem Gebiet. Mehr als 300 Vereine beschreibt er darin ausführlich. Kein Zufall also, dass der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa ihn als Referenten für seinen fünften sorbischen Abend eingeladen hatte, in dem das 100-jährige Gründungsjubiläum des Wendischen Vereins im Mittelpunkt stand.

„Für das Sorbentum einzutreten, war selten einfach“, begann Siegmund Musiat bereits mit einem Resümee. Insbesondere nachdem die Preußen 1815 den nördlichen Teil der Oberlausitz übernommen hatten, setzte eine Zeit der „Feindseligkeit und des Unverständnisses“ ein. Die neuen Machthaber lobten Prämien für Lehrer aus, die das Benutzen der sorbischen Sprache in ihren Klassen unterbanden. In der sorbisch-katholischen Gegend um Kamenz, die sächsisch geblieben war, konnte das Sorbische in einer besseren Atmosphäre gedeihen – sicher ein wesentlicher Grund dafür, dass das sorbische Leben dort noch heute im Alltag präsent ist.

„Doch auch in Lohsa und Umgebung gab es, ebenso wie in vielen anderen Dörfern, einzelne Männer und Frauen, die sich nicht mit der Situation abfinden wollten“, so Siegfried Musiat. Sie gründeten 1848 den Wendischen Bauernverein als Vorläufer des späteren Zejler-Vereins. Als dann Ende 1911 zu dessen Gründung aufgerufen wurde, trugen sich mehr als 200 Bewohner Lohsas und der umliegenden Dörfer in die Mitgliedsliste ein – eine für heutige Verhältnisse kaum vorstellbare Zahl.

Die Erfolge konnten sich sehen lassen: Das Sorbische erlangte neue öffentliche Geltung, im Gottesdienst wurde wieder sorbisch gesungen. Entsprechend gereizt reagierte die lokale deutsche Öffentlichkeit. Ihre Attacken führten dazu, dass der erste Vorsitzende Gustav Wirth – ein Beamter – 1912 seine Funktion niederlegte. An der Gründung der Domowina waren die Lohsaer maßgeblich beteiligt, so stellten sie mit Jan Hajes den ersten Schriftführer.

„Heute geht es in erster Linie darum, die verbliebenen Reste des Sorbentums zu bewahren“, zieht Siegmund Musiat ein eher bitteres Fazit. Was dazu in Lohsa unternommen würde, sei durchaus vorbildlich. Als ein Beispiel für die Aktivitäten in jüngerer Zeit nannte der Vorsitzende des Fördervereins, Reinhardt Schneider, die Sanierung des Zejler-Denkmals, die aus Spendenmitteln in Höhe von 6000 Euro erfolgen konnte. Auch der Aufstellung des Denkmals 1931 war eine Spendenaktion vorangegangen. „Ausgehend von der Jugend, waren die Lohsaer Sorben sehr selbstbewusst, ließen sich nie unterkriegen. Auf diese Tradition, und wie Ihr sie bewahrt, könnt ihr stolz sein“, fand Musiat dann doch optimistische Abschlussworte.
Extras zum Artikel
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 06. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 06. Februar 2012, 02:46 Uhr
Autor: ume1

ume1

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren