Hoyerswerdaer Himmelsstürmer im Kampfflugzeug
Einmal in einem Kampfjet fliegen! Ein echter Männertraum, der für die meisten aber ein solcher Traum bleiben wird. Nicht für den Hoyerswerdaer Reiner Nestler.
Er war in einem englischen Hunter-Jet der Schweizer Luftwaffe mit Überschallgeschwindigkeit und Luft-Kapriolen am Himmel über dem Bodensee unterwegs.
Nicht, dass Nestler ein Flug-Narr oder ausgesprochener Extrem-Abenteurer wäre. Im Privatleben ist er Schachliebhaber; beruflich betreut er Internetseiten als Webmaster. Und genau dieser Job brachte ihn in den „Hunter”. WorldSoft, ein Provider, für den Nestler arbeitet, hatte einen weltweiten „Top-Gun”-Wettbewerb ausgelobt: Derjenige seiner Partner, der die meisten und zufriedensten Websites-Kunden hat, sollte einen Flug mit dem Düsen-Jet gewinnen. Und der Gewinner hieß: Reiner Nestler aus Hoyerswerda. Keiner der alteingessenen Profis West, kein Computerfreak aus den „Tigerstaaten”, nein: Reiner Nestler aus Hoyerswerda wurde ins schweizerische Altenrhein bei Bregenz eingeladen, um einen Jet der Schweizer Luftwaffe (mit) zu fliegen.
WorldSoft ließ das Ereignis von einem Kamerateam dokumentieren (der Trailer wird im Internet zu sehen sein)– und das war von Nestler zunächst sehr enttäuscht. Als der Hoyerswerdaer seine Einweisung hinter sich hatte, im Kampfanzug vor der Maschine stand, wurde er gefragt, wie ihm denn zumute sei. Der Filmer erwartete Sätze wie „Jetzt ist mir ganz schön mulmig”, oder „Ich werde immer aufgeregter”. Doch Nestler sagte, wahrheitsgemäß: „Ich werde immer ruhiger.” Ja – wenn es kein Zurück mehr gibt, dann stellt sich bei gefestigten Naturen (Schachspielern erst recht) dieses Gefühl, ein bisschen Fatalismus ein.
Wie bei Google EarthWenig später war Nestler in der Luft: „Der Jet geht fast senkrecht hoch. Erst in vier-, fünftausend Metern nimmt er waagerechte Fluglage ein.” Sein „Chauffeur”, Pilot Ueli Leutert, ließ keine Gelegenheit aus, das Nervenkostüm des Hoyerswerdaers zu testen. Etwa, als für den Fall der Fälle der Gebrauch des Schleudersitzes erläutert wurde: „Wenn ich sage ,Aussteigen’, dann meine ich ,Aussteigen’.
Ich warte nicht auf Sie...” So weit kam es denn natürlich nicht. Auch die vermeintlichen Turbulenzen beim Anflug auf ein Felsmassiv, endend mit einem kühnen Aufschwung, waren kein Grund zur Angst. Selbst den Looping, bei dem der Jet von 8000 Höhenmetern auf 1000 Metern „stürzt”, überstand Nestler klaglos. Leuterts Kommentar: „Wir waren ja auch nicht tief. Tief ist bei mir 30 Meter über dem Boden.” Nestler fand faszinierend, „... dass dir da die Erde wie beim Ranzoomen auf Google Earth entgegenstürzt.”
Lediglich die „Fassrolle”, das Umdrehen in Rücklage bei gleichzeitiger Beschleunigung – diese Übung war nicht so amüsant. 25 Minuten später war Nestler wieder am Boden und noch 25 Minuten später wieder bei normaler Gesichtsfarbe und Pulsfrequenz. Da hatte ihm Leutert am Boden aber schon gratuliert und das Ehren-Flieger-Abzeichen überreicht. Das erhält jeder Jet-Pilot, und jedes hat eine, seine Nummer: „Wenn ich damit in eine Flieger-Kneipe komme und die Nummer nicht auswendig weiß, ist eine Runde fällig.
Aber die 654 ist ja leicht zu merken ...”
Heute ist eine Runde fälligUm eine Runde herum kommen wird Reiner Nestler aber wohl doch nicht. Heute. Da feiert er nämlich 50. Geburtstag. Wir gratulieren!
P.S.: Das nächste, irdische Abenteuer bereitet er gerade vor: Ein Schachturnier, im Juni 2009 im Lausitz-Center mit über 100 Teilnehmern. Auch Punkte für den neuen TopGun-Wettbewerb sammelt er bereits fleißig: „Wenn ich’s wieder in den Jet schaffe, übernehme ich auch mal den Steuerknüppel. Geradeaus fliegen, hat Leutert versichert, ist nicht schwieriger als eine Straßenbahn zu lenken.”
Erstellt am: 24. September 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. November 2008, 08:41 Uhr
Autor: Uwe Jordan

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