09. Februar 2010, 00:00 Uhr

Das Sorbische fasst wieder Fuß

Wittichenau: Der Sorbenbeauftragte erstattete dem Stadtrat Bericht

Wittichenau Freilich erstattete Rachel seinen Bericht auf Deutsch – denn die meisten der im Ratssaal des Wittichenauer Rathauses anwesenden Räte sprechen (nur) Deutsch. Zwei Trends hat Stephen Rachel 2009, ausgemacht – einen erfreulichen und einen erstaunlichen.

Ersteren stellte er im Alltagsbewusstsein der deutschen Wittichenauer fest: „Das Sorbische wird jetzt als wichtiger Bestandteil des hiesigen Lebens ausgemacht; es wird nicht mehr auf nur ,Folklore' beschränkt wahrgenommen oder belächelt. Man hat erkannt, dass es wichtig ist, Traditionen und Sprache am Leben zu erhalten, zu pflegen.“ Und da kam er zum zweiten Trend: „In rein deutschen Ehen ist erstaunlicherweise die Bereitschaft höher, die Kinder in ,Witaj'-Projekten beschulen zu lassen, als in sorbisch-deutsch gemischten Ehen.“ Nun, vielleicht wird dort ja das Sorbische im Alltag so gepflegt, dass Zusatz-Schulung unnötig scheint. Wie auch immer. Das Witaj-Projekt, also zweisprachige Erziehung und zweisprachiger Unterricht, haben jetzt auch in Wittichenau (Stadt) Wurzeln gefasst: Mit 17 Kindern konnte 2009 eine Witaj-Gruppe in der Kita gegründet werden, und 78 von 209 Wittichenauer Grundschülern werden derzeit in und auch auf Sorbisch unterrichtet; 31 sogar im Intensiv-Programm.

Auch die Mittelschule unterrichtet auf Wunsch Geografie, katholische Religion und Kunsterziehung auf Sorbisch. Biologie und Geschichte sollen hinzukommen. Die Stadtverwaltung unternimmt ebenfalls das Ihrige, um das Sorbische im Alltag zu verankern: Zweisprachigkeit im Rathaus ist längst verwirklicht; nun hat man auch Computerprogramme angeschafft, um Schriftstücke mit den sorbischen Sonderzeichen anfertigen zu können. Die Wittichenauer Internet-Präsenz gibt sich ebenfalls zweisprachig. In summa könne man sagen, Wittichenau widme sich sehr intensiv dem Themenkreis „Förderung des Sorbischen im Alltag“.
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Erstellt am: 09. Februar 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. Februar 2010, 10:40 Uhr
Autor: Von Uwe Jordan

Von Uwe Jordan

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