Hoyerswerda. Der rigorose Abriss von Plattenbauten ist nicht das Allheilmittel beim Stadtumbau Ost. Und Abriss-Schnellschüsse, die von der gegenwärtigen Förderpolitik noch begünstigt werden, sind erst recht keine Lösung für die großen Stadtumbau-Probleme in Ostdeutschland. Das ist das Fazit von Dr. Angelika Mettke, Wissen schaftlerin an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU). Ihre Theorien legte sie am Mittwochabend im Lautech auf Einladung des Vereins «SuB-Versionen – Stadtumbau und Bürgerbeteiligung» dar. Und rannte dabei offene Türen ein.
03.12.2004
Die Leiterin der Fachgruppe Bauliches Recycling an der BTU Cottbus hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Forschungen auf dem Gebiet des Rückbaus von industriell gefertigtem Wohnungsbestand und speziell bei der Wiederverwendung der Platten durchgeführt. Ein Dutzend Beispiele aus ganz Ostdeutschland führte die Dozentin an, die alle eines beweisen: Behutsamer Teilrückbau und Umbau von Plattenwohnungen ist technologisch möglich, bezahlbar und schützt die städtebaulichen Strukturen vor gar zu großen Einschnitten – also vor Brachen, die das Stadtbild stören. Eines dieser Beispiele sind die Ahrensfelder Terrassen, bei denen in Berlin-Marzahn ein ganzes Quartier umgestaltet wurde. Aus vorwiegend Elfgeschossern der Baureihe WBS 70 wurden Drei- und Sechsgeschosser gemacht, «die ein interessantes optisches Bild ergeben und bei den Mietern sehr beliebt sind» , so Angelika Mettke. Das Ungeahnte: Die Umbaukosten bleiben unter denen, die ein Totalabriss und ein entsprechender Neubau ergeben würden. In Dresden-Gorbitz hat eine Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft den mutigen Umbau von Sechsgeschossern in Drei- und Viergeschosser mit großen Balkonen und Mietergärten gewagt. Resultat: zu 100 Prozent vermietet. Auch in Hoyerswerda gibt es ja zwei viel beachtete Exempel auf diesem Gebiet – allerdings aus den frühen Jahren des Stadtumbau-Prozesses. Am Lipezker Platz im WK VIII wurde 1997 ein Elfgeschosser um drei Etagen «gekürzt» und in Bröthen entstand ein Doppelhaus mit wiederverwendeten Wand- und Deckenplatten. Seitdem ist es in Hoyerswerda aber sehr ruhig in punkto wiederverwendeter Bauelemente geworden. An dieser Tatsache will der Verein «SuB-Versionen» unbedingt etwas ändern. «Wir werden weiter gegen den geplanten Abriss der Elfgeschosser an der Straße des Friedens protestieren» , bestätigt «SuB-Versionen» -Chef Frank Niemtz. Die Bürgeraktion hält die Hochhäuser in dieser Lage – an der Grenze zur Altstadt – für städtebaulich so wertvoll, dass für sie nur ein Umbau eine Lösung wäre. «Wir werden mit allen Mitteln dafür kämpfen.» Auch Angelika Mettke ist überzeugt: «Die Platte ist besser als ihr Ruf» . Dass vielerorts unkritisch abgerissen wird, ohne Teilrückbau in Betracht zu ziehen, ist für sie eine Folge der verfehlten Förderpolitik. 2,7 Milliarden Euro stehen im Programm «Stadtumbau Ost» zwischen 2002 und 2009 zur Verfügung, um den enormen Wohnungsleerstand von immerhin 17,6 Prozent zu bekämpfen. Insgesamt stehen in den neuen Ländern 1,3 Millionen Wohnungen leer. Die Handhabung der Förderregeln – nämlich jeden abgerissenen Quadratmeter Wohnungsfläche pauschal mit 60 Euro Abrissgeld zu fördern – müsse dringend überdacht werden. «Solche pauschale Förderung bremst alles Nachdenken über andere Formen des Stadtumbaus aus» , kritisiert die Wissenschaftlerin. Damit dies kein Freifahrtschein zum Plattmachen wird, sollte die Förderung künftig projektbezogener sein. Den Hoyerswerdaer «SuB-Versionen» -Mitgliedern war das regelrecht aus dem Herzen gesprochen. «Wir bleiben dran und werden auch künftig weitere Vorträge zu Themen Stadtumbau herholen» , stellt Frank Niemtz in Aussicht. Von Catrin Würz
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