21. Januar 2012, 00:00 Uhr

„Hey, warum ist es bei euch eigentlich so laut?“

Friedensrichter David Geier versucht seit sieben Jahren, den Streit anderer Menschen zu schlichten

Hoyerswerda. Der Nachbar ist zu laut, die Hecke zu hoch und der Müll steht einen Meter zu weit rechts. Mit solchen Problemen setzt sich David Geier seit fast sieben Jahren auseinander. Der 38-Jährige ist Friedensrichter in Hoyerswerda – und will es noch lange bleiben.

Der Friedensrichter von Hoyerswerda: David Geier. Foto: Rümcke Foto: Rümcke
Herr Geier, seit sieben Jahren versuchen Sie als Friedensrichter, den Streit anderer Menschen zu schlichten. Warum tun Sie sich das an?

Es macht Spaß. Ich habe viele Erfolgserlebnisse. Mich spornt der Gedanke an Gerechtigkeit an, Harmonie. Und ich möchte der Stadt Hoyerswerda etwas zurückgeben. Deshalb bin ich Friedensrichter geworden.

Ihre Fälle drehen sich meist um Nachbarn, die sich wegen Kleinigkeiten zerstritten haben. Reißt Ihnen da nicht manchmal der Geduldsfaden?

Nein, Geduld ist die wichtigste Voraussetzung für diesen Job. Wir Schlichter müssen außerdem sehr gut zuhören können und zwischen den Zeilen lesen. Manche Leute rücken nur indirekt mit der Sprache raus. Da müssen wir richtig im Urschlamm wühlen.

Belastet Sie das nicht?

Naja, manche Fälle sind schon sehr traurig. Ich hatte zum Beispiel mal einen Unternehmer bei mir, der seine privaten Schulden nicht mehr zurückzahlen konnte. Aber nur, weil sein Auftraggeber ihm wiederum das Geld vorenthalten hat. Das war ein Mann, dem sah man auf den ersten Blick an, dass er hart arbeitet und diese Schulden wirklich abbezahlen will. Es tut weh, wenn man so einen Menschen dann noch mehr unter Druck setzen muss.

Konnten Sie ihm und demjenigen, der sein Geld wiederhaben wollte, trotzdem helfen?

Ja. Das war ein großer Erfolg, vielleicht mein größter. Der Unternehmer hat nach der Schlichtung an den Gläubiger kleinere Raten über einen längeren Zeitraum abbezahlt.

Wie häufig sind Sie mit Ihrer Arbeit so erfolgreich – und was geschieht mit den Parteien, die sich bei Ihnen nicht einigen?

Die Erfolgsquote liegt bundesweit bei über 50 Prozent. Ich selber habe etwa 20 Fälle im Jahr, davon enden zwei Drittel erfolgreich. Wenn sich die Menschen nicht auf eine Lösung verständigen können, können sie vor Gericht ziehen.

Warum machen sie das nicht von vornherein?

Weil es sich meist um Bagatellen handelt. An erster Stelle stehen Nachbarschaftsstreitigkeiten. Lärm, zu hohe Hecken, Baumüberhang. Für die Gerichte ist der Aufwand zu groß, sich um all das zu kümmern. In vielen Bundesländern gibt es deshalb sogar eine Pflicht, bei bestimmten Streitigkeiten zunächst einen Friedensrichter aufzusuchen. In Sachsen ist dieser Zwang aber noch nicht da.

Wenn Nachbarn sich streiten, können auch mal richtig die Fetzen fliegen. Was machen Sie, wenn die Leute plötzlich aufeinander losgehen?

Das ist mir noch nie passiert. Bevor wir mit der Sitzung anfangen, lege ich Regeln fest. Sachlich reden, den anderen aussprechen lassen und die Zimmerlautstärke einhalten. Das klappt immer gut.

Welche Tipps können Sie geben, damit die Menschen erst gar nicht mit Streitigkeiten bei Ihnen landen?

Sie sollen nicht erst warten, bis das Streichholz abgebrannt ist. Statt nichts zu sagen und sich im Stillen zu ärgern, bis es zum großen Streit kommt, muss man das Gespräch suchen. Einfach mal freundlich nachfragen: Hey, warum ist es bei euch eigentlich so laut?



Zum Thema:

Zum Thema Es gibt 336 Friedensrichter in Sachsen. Sie sind ehrenamtlich tätig. Ihre Aufgabe ist es, geringen straf- und nachbarschaftsrechtlichen Streit zu schlichten. Alle Bundesländer außer Sachsen nennen diese Vermittler Schiedsmann oder Schiedsfrau. David Geier bietet jeden ersten Montag im Monat eine Sprechstunde an. Sie findet von 16 Uhr bis 17.30 Uhr im Rathaus Hoyerswerda statt. Die Bezirksvereinigung Görlitz der Bundesvereinigung Deutscher Schiedsmänner und Frauen bietet auf ihrer Internetseite eine Findfunktion für den jeweils zuständigen Schiedsmann im ostsächsichen Raum an: www.bds-goerlitz.de
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Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 21. Januar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 21. Januar 2012, 02:49 Uhr
Autor: Das Gespräch mit David Geier führte Anna Müller-Heidelberg.

Das Gespräch mit David Geier führte Anna Müller-Heidelberg.

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