11. Juni 2011, 00:00 Uhr

Wenig Zeit: Facebook-Kandidat macht sich rar

Gerald Heisig aus Eberswalde will trotz Entfernung, Studium und Job Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister werden

Uebigau-Wahrenbrück Nur noch eine Woche bis zur Wahl des Bürgermeisters in Uebigau-Wahrenbrück. Während andere Parteien den Schlussspurt einläuten, suchen die Grünen für ihren Facebook-Kandidaten noch nach einer Strategie.

Würde alles wieder so machen: Gerald Heisig aus Eberswalde ist Deutschlands erster Bürgermeisterkandidat, der über die Internetplattform Facebook ausgewählt wurde. Fotos (2): Dinger
Gerald Heisig hat ein Problem. Er wohnt in Eberswalde – 142 Kilometer entfernt von Uebigau-Wahrenbrück. Der Stadt, in der Heisig Bürgermeister werden möchte. Weil er kein Auto hat, die Zugfahrt in den Elbe-Elster-Kreis drei Stunden dauert und Heisig parallel zu seinem Studium noch einen Nebenjob hat, war er bis jetzt seltener vor Ort als eigentlich geplant. Während sich der Sprecher der Elbe-Elster-Grünen, Christoph Wunnicke, über das mediale Echo freut, das die Kandidatenkür ausgelöst hat, ist Grünenverbandschef Klaus Peschel enttäuscht. Er habe sich von Heisig mehr Bürgernähe gewünscht.

Zur Vorgeschichte: Der 46-Jährige Ökolandbau-Student ist der bundesweit erste Bürgermeisterkandidat, der über die Internetplattform Facebook ausgewählt wurde. Weil der Kreisverband (neun Mitglieder) selbst keinen geeigneten Kandidaten aufstellen konnte, hatte Verbands-Chef Peschel den vakanten Posten auf Facebook ausgeschrieben. Elf ernsthafte Bewerbungen aus der ganzen Republik waren beim Kreisverband eingegangen. Den Zuschlag hatte Öko-Landbauer Heisig erhalten – trotz Entfernung.

„Diesmal reden wir ein Wörtchen mit“, sagte Verbands-Chef Klaus Peschel damals. Der Aufwand schien sich gelohnt zu haben: Nach der RUNDSCHAU hatten deutschlandweit mehr als 80 Zeitungen, darunter auch der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung, über die Grünen und die kuriose Wahlkampf-Idee berichtet. Nun ist das mediale Interesse abgeflaut, die Grünen scheinbar auf dem Boden der Realität gelandet. „Ich habe gedacht, dass Gerald Heisig öfter herkommen würde“, sagt Peschel der RUNDSCHAU.

Dreimal sei Heisig bisher in Uebigau-Wahrenbrück gewesen. Diesen Pessimismus kann Grünen-Sprecher Christoph Wunnicke nicht verstehen. „So ein großes Medieninteresse hat uns überrascht. So oft war der Elbe-Elster-Kreis noch nie in den Medien“, sagt er. „Nach wie vor sind wir der Außenseiter. Aber das wussten wir vorher.“

Die Statistik gibt Wunnicke recht: Bei der vergangenen Kreistagswahl 2008 hatten die Grünen 1,3 Prozent erhalten. Bei der Bundestagswahl 2009 waren 3,5 Prozent der Zweitstimmen drin. Grüne Wählerschichten? In Elbe-Elster offenbar Fehlanzeige. Obwohl der Medienrummel enorm war, hat es den Grünen außer Aufmerksamkeit kaum etwas gebracht. „Der Kreisverband hat leider immer noch neun Mitglieder“, sagt Wunnicke. Doch Heisig stört das nicht. „Ich wäre wirklich gern öfter vor Ort, denn ich mag Uebigau-Wahrenbrück und den Landkreis“, sagt er.

Studium und der Nebenjob in einem Altenpflegeheim lassen regelmäßige Besuche aber noch nicht zu. Doch kommende Woche will Heisig noch einmal alles in Sachen Wahlkampf geben. Höhepunkt: Das von der RUNDSCHAU organisierte Wahlforum am Dienstagabend in der Gaststätte „Zu den drei Rosen“ in Winkel. Die vier Kandidaten treffen dort erstmalig aufeinander. Heisig: „Ich hoffe, dass viele Bürger zum Forum kommen.“

Entgegen den Einschätzungen seines Sprechers sieht Heisig sich noch im Rennen. „Ich möchte Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück werden“, sagt er. Auf die Frage, ob er sich erneut bewerben würde, sagt er: „Ich würde es genauso wieder machen.“

Zur Bürgermeisterwahl in Uebigau-Wahrenbrück am 19 Juni treten an: Mario Sandmann (41 Jahre, aus Uebigau, FDP), Andreas Claus (48 Jahre, aus Wildgrube, parteilos), Dittgard Hapich (54 Jahre, aus Beiersdorf, Linke) und Gerald Heisig (46 Jahre, aus Eberswalde, Bündnis 90/Die Grünen).
Strategieberatung: Der Kreisverband der Elbe-Elster-Grünen.
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Erstellt am: 11. Juni 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 11. Juni 2011, 10:42 Uhr
Autor: Von Alexander Dinger

Von Alexander Dinger

Jüngste Kommentare (9)

"..reden wir ein Wörtchen mit..."

von FLM_Vogel

..ja genau, wenn man schon nicht viel auf die Beine bringt, soll man wenigstens über uns lachen, oder wie...? Das beste Beispiel dafür, wieviel Parteipolitik auf dem Lande wert ist. Liebe Grüne des Kreises, wenn ihr machen wollt, dann macht es mit uns, den Bürgern, und nicht nach den Vorgaben der Bundespartei. Und wenn denen das nicht paßt, sagt leise: "Goodbye"...

Wo wären

von AGM

die Grünen, wenn es Fukushima nicht gegeben hätte. Kaum zu glauben, dass ein nicht von Menschenhand gemachter Unglücksfall einer zerstrittenen Truppe von Verhinderern solchen Zulauf verschaffen. Wenn ich dieses Gekasper hier sehe, dann wünsche ich dieser Partei, dass sie die Wahl zum Bürgermeister gewinnt und dann grandios beweist, dass sie so gar nichts taugt

im endeffekt....

von rapunzel79

.....ist doch egal, wer es wird. vor der wahl viel palaber und danach doch wieder das gleiche......da wird vor der wahl nochmal druck gemacht wegen dem hochwasserschutz und wie sehr man doch von der "höheren" regierung enttäuscht ist......dabei tun die hier doch nix anderes.....
wir brauchen einen, der sich nicht hinter anzug und krawatte versteckt, sondern einen von uns - aus unserer mitte und der auch mal sagt, was andere nicht hören wollen. keinen mitläufer oder einen, der sich mit irgendwelchen "wichtigen" kontakten rühmt!

Lachnummer! Heisig mag ...

von Dusterbusch

Heisig mag den Landkreis ...! Immer wieder grünes Geschwätz um Stimmen zu erhaschen! Soll er doch die Welt in Eberswalde verändern! Die Partei der Nichtwähler wird immer mehr Zulauf erhalten! Absolut peinlich, diese grüne Nummer, aber typisch für eine Turnschuhpartei! Wie wäre es mit einem Lauf nach Uebigau, kostet auch kein teures Benzin und keine weitere "Strategieberatung"!

MfG

Grüne Klischees zuhauf

von Thomas_M

Aha. Ein 46-jähriger Ökolandbaustudent mit Nebenjob im Altenheim, fernab der Gemeinde, die ihren neuen Bürgermeister sucht, weil Grün ohne Auto und derartig klamm, dass weder er noch die ihn tragende Partei ihm eine Bahnfahrkarte bezahlen können. (Ok, der Schatzmeister war ja gerade erst mit viel Geld auf der Flucht.) Keine Ahnung von Land und Leuten, keine Verankerung im bürgerlichen Leben. Der wird natürlich die Stimmen nur so abräumen. Ich glaube, mancher Grüne sollte aus seinen bundesweiten Umfrage-Höhenflügen mal aufwachen. Mit solchen Kandidaten ist nichts zu gewinnen. Zu Recht.

Einfach nur traurig!

von spree-neißler

Es sind diese Geschichten die einem zeigen, dass Parteien unnütz sind. Da fühlt sich doch jeder engagierte Bürger vor Ort verarscht, wenn ein Häufchen unfähige Grünlinge irgendeinen Vollpfosten per facebook suchen nur weil sie keinen eigenen Kandidaten haben. Und das ist der eigentliche Skandal, nur um einen eigenen Kandidat zu haben sucht man jemanden, auch wenn der weder die Stadt kennt, noch überhaupt zeit und Mittel hat dort zu sein. Löst euch als Kreisverband auf und verschont die Bürger mit eurem Blödsinn!

Sinnlose Aktion? Eher schlechte Durchführung...

von RicoB

Ich verweise auf unsere Einschätzung dieser Bürgermeister-Kandidaten-Suche:
http://cottbus.piratenbrandenburg.de/2011/06/10/kandidatensuche-per-internet-lernen-von-der-piratenpartei/

Freundliche Grüße,
Rico Bogacz, Piratenpartei

Sinnlose Aktion

von JMaresch

Ich habe es bereits vorher gesagt, eine völlig sinnlose Aktion, die die Politikverdrossenheit eher stärken wird. Ein Bürgermeister muss mit den Bürgern und den Problemen vor Ort verankert sein Was sich die Grünen dabei gedacht haben , wissen sie selber nicht. Ein absolutes Trauerspiel.
Jürgen Maresch, MdL

Ist die Kandidatur überhaupt ernst gemeint?

von PeterM

Ich würde mich wundern, wenn Herr Heisig mehr als 50 Stimmen bekäme. Man sollte seine Kandidatur als Mediengag abtun.

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