Der Ortschronist von Massen und Experte für Brauereigeschichte, Manfred Platz, hat im Jeverstübchen den Ausführungen gelauscht. Foto: Mario Sanders / mas1 Foto: Mario Sanders / mas1
Das Jeverstübchen von Lutz Lothar ist das Vereinslokal der Finsterwalder Heimatfreunde. Der Wirt staunte nicht schlecht, was alles zur Geschichte allein des Stübchens ans Tageslicht befördert wurde. Um 1850 soll es bereits als „Kniesches Fabrik-Local“ aktenkundig sein. Laut Adressbuch von 1927 ist Karl Kitter der Gastwirt und im Adressbuch von 1935 heißt er Karl Kütter. Auf der Ansichtskarte aus der Sammlung Unkenstein steht bereits „zum Schlachthof“ vor der Namensnennung Karl Kitter. Auf der späteren Ansichtskarte ist der Namenszusatz verschwunden und als Inhaber wird Hermann Woraschk erwähnt, welcher die Gaststätte in dem Privathaus bis nach dem 2. Weltkrieg geführt haben soll. Später wurden die Räume durch die Bauhandwerker des VEB „Draht- und Schraubenwerke“ modernisiert, berichtete Rothe. Als wieder eingerichtete Kneipe hieß sie im Volksmund „Schlitz“.

Der Start zur historischen Kneipentour fand dann am Markt statt, wo 14 Gaststätten Erwähnung fanden. Auf einer Ansichtskarte wurde der Ratskeller im alten Rathaus mit Vereins- und Gastzimmer sowie Sommerveranda der Vergessenheit entrissen. 1850 soll Carl Lange der Kellerwirt gewesen sein. Für 1865 wurde C. F. Krappe und für 1876 Reinhold Richter, der Mitbegründer der Finsterwalde Turnerfeuerwehr, als Betreiber erwähnt.

Der Gasthof zur Bärenschenke am Markt 8 hat eine interessante Baugeschichte. Altmalermeister Kösling erzählte eine Anekdote: „Besitzer des Hauses und Vermieter der Schenke war Fleischermeister Robert Profe. Der hatte zugleich in der Grabenstraße eine Waschbärenzucht und trug im Volksmund den Beinamen der Bär. Deshalb soll die Gaststätte den Namen zur Bärenschenke erhalten haben.“

Für Manfred Rothe war es der Musterungsstützpunkt der NVA. Hier hatte er zu DDR-Zeiten mal mehrere Stunden warten müssen, um dann zu erfahren: „Sie sind ausgemustert. Doch wir mussten die Urkunden erst in Cottbus drucken lassen“, erzählte er.

Ein Haus vor dem bekannten „Gasthof zum Stern“ am Markt 18 soll 1844/45 noch eine alte Braugerechtigkeit besessen haben. Hier am Markt 17 führte Artur Schröter 1904 die Schenke zur guten Quelle. Als Adolf Fleischhacker Inhaber war, nannte der Volksmund diese Restaurant „Ferkelschenke“.

Gegenüber dem Hotel zum deutschen Kaiser stand einst Krappes Hotel. Dieses Objekt gehört als Nr.1 zur Langen Straße. Später saß hier die ADCA und nach dem zweiten Weltkrieg betrieb die Gewerkschaft hier kurzzeitig eine Volksgaststätte, die der Volksmund „Möhrenschenke“ taufte. Nach Schließung zog 1952 hier erst das Volkspolizeikreisamt ein, später dann die SED-Kreisleitung, im Volksmund „Kreml“ genannt.

So gab es zu fast 70 Gaststätten im alten Stadtkern von Finsterwalde Anekdoten und Ansichtskarten. Das Heft zum Vortrag mit über 30 Seiten und zahlreichen Abbildungen kann zum Preis von 3,50 Euro bei Manfred Rothe in Nehesdorf, Hertastraße Nr. 6, erworben werden.