11. November 2010, 00:00 Uhr

Neuer Rüde für Wolfsrudel gesucht

Sichtungen zumindest wolfsähnlicher Tiere rund um Welzow

Welzow Die Zukunft des Welzower Wolfsrudels ist nach dem Unfalltod des Rüden Ende Oktober unsicher. Expertin Gesa Kluth vom Wildbiologischen Büro Lupus rechnet aber mit einem baldigen Ersatz des überfahrenen Wolfes.

Unterdessen berichten mehrere Menschen von Sichtungen zumindest wolfsähnlicher Tiere um Welzow und möglicherweise sogar in der Stadt.

Völlig unaufgeregt berichtet Gottfried Bodenmüller während des Wolfsvortrages im Welzower Bahnhof von seinem jüngsten Erlebnis: »Es war in der letzten Oktobernacht, so zwischen 24 und 1 Uhr. Ich kam gerade mit dem Auto aus Senftenberg und befand mich in Höhe des Welzower Rewe-Marktes, als ein recht großes, etwa einen halben Meter hohes Tier an mir vorbeihuschte. Es trug einen buschigen Schwanz. Zunächst dachte ich, es wäre ein Fuchs, doch später fiel mir ein, dass es auch ein Wolf gewesen sein könnte«, erzählt der 78-jährige Neupetershainer.

Die Spreewitzer Wolfsexpertin Gesa Kluth will nicht ausschließen, dass es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt haben könnte: »Die Tiere gehen in die Orte hinein, aber nur, wenn keine Menschen in der Nähe sind. Häufiger kann man ihnen aber an den Ortsrändern begegnen. Dort sind Wölfe schon zehn Meter vom nächsten Haus entfernt beobachtet worden.«

Ihre ersten Wölfe hat Viola Kulke vom Bergbautourismusverein »Stadt Welzow« bereits im September gesehen. »Ich war am helllichten Tag mit drei Studenten im Südrandschlauch des Tagebaus Welzow-Süd unterwegs. Plötzlich tauchten zwei Welpen im Kippengelände auf. Mir ist schon ein bisschen anders geworden.« Hans-Joachim Behnke, Chef des Archäotechnischen Zentrums Welzow, ist kürzlich ein Tier, »das durchaus ein Wolf gewesen sein könnte«, ganz in der Nähe von Greifenhain begegnet.

Möglicherweise hat es sich dabei um ein Tier aus dem Welzower Wolfsrudel gehandelt. Bis vor wenigen Tagen bestand dieser Familienverband aus zehn Wölfen, und zwar den beiden Elterntieren, zwei Jährlingen, die im Jahr 2009 das Licht der Welt erblickten, sowie sechs Welpen aus diesem Frühjahr. Seit dem 29. Oktober ist das Welzower Rudel nur noch zu neunt. Untersuchungen haben laut Gesa Kluth bestätigt, dass es sich um den Rüden aus Welzow handelt, der auf der B97 südlich von Groß Oßnig überfahren worden war. Charakteristisch seien seine drei Pfoten gewesen. Die linke Vorderpfote habe gefehlt. Der Rüde stamme ursprünglich aus dem Daubitzer Rudel, sei dort bereits gefilmt worden. Das Welzower Tier sei 2010 der erste überfahrene Wolf in der Lausitz gewesen. Im vergangenen Jahr waren fünf Wölfe nach Zusammenstößen mit Fahrzeugen verendet gefunden worden.

»Es ist natürlich sehr spannend, wie die Entwicklung weitergehen wird. Vielleicht tritt ein neuer Wolf an die Stelle des alten«, vermutet Kluth. Ihren Angaben zufolge leben neben diesem Rudel derzeit zwei Paare in der brandenburgischen Lausitz. Im kommenden Jahr könnte es bei den Spremberger Wölfen erstmals Nachwuchs geben. Der Rüde »Karl« und seine Fähe besiedeln ein mehrere hundert Quadratkilometer großes Gebiet zwischen der Spree im Westen und Weißwasser im Osten. Ein weiteres Wolfspaar lebt in der Zschornoer Heide zwischen Bad Muskau und Forst.

Steffen Butzeck, Wolfsbeauftragter für Südbrandenburg, resümiert, dass es nach den Wolfsübergriffen auf die zwei Kälber der Mutterkuhherde im Bereich der alten Dorfstelle Gosda im Frühjahr 2010 keine weiteren Vorfälle gegeben hat. »Die Zäune wurden dichter«, so Butzeck. Neben den beiden Kälbern seien im gesamten Bundesland in diesem Jahr bislang 21 Schafe sowie 16 Damhirsche von Wölfen gerissen worden. Allerdings hätten gewerbliche Tierhalter in Brandenburg die Möglichkeit, entsprechende Zäune über die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) zu finanzieren. Der Wolfsexperte wolle sich dafür einsetzen, dass zukünftig auch Hobbytierhalter von dieser Förderung profitieren. »Die meisten Risse gehen nämlich auf unzureichend gesicherte Nutztiere zurück«, so Steffen Butzeck. Torsten Richter
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Erstellt am: 11. November 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 11. November 2010, 10:13 Uhr
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