Eigeninitiative beschert dem Dorf sehnlichst erhofften Zugriff aufs World Wide Web
Jeßnigk
Internet für alle ist derzeit Wunschdenken. Die Realität sieht anders aus. Noch immer müssen ganze Ortschaften auf die Verbindung in das World Wide Web verzichten. Doch es gibt Alternativen. Eine sorgt in Jeßnigk für Furore.
Oliver Höhne, Geschäftskundenbetreuer, Steffen Schießler und Raphael Meyer (v.l.) freuen sich, dass Jeßnigk endlich einen vollwertigen Internetzugang hat. Foto: Sven Gückel/svg1 Foto: Sven Gückel/svg1
Es gab Momente, da war Steffen Schießler am Verzweifeln. Der Gang ins Internet gestaltete sich für den Jeßnigker zur Geduldsprobe. Seine Modem-Verbindung benötigte unzählige Minuten, um gewünschte Seiten zu öffnen; Videoclips oder andere anspruchsvollere Inhalte bleiben für ihn Wunschträume. Dass Schießler mit diesem Problem im Dorf nicht allein war, dürfte seinen Frust kaum geschmälert haben. Immerhin führte er dazu, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun und vor vier Jahren die Initiative »DSL für Jeßnigk« zu gründen. Weitergebracht hat das die verhinderte Internetgemeinde aber nicht. Eine Breitbandanbindung durch die Telekom wurde aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt, die mögliche Errichtung eines Richtfunkmastes aus praktischen Gründen verworfen. Dass sich das Internetverhalten in Jeßnigk nun zum Besseren wandelt, verdankt das Dorf einem Zufall. Bekannte machten Steffen Schießler auf ein Angebot aufmerksam, das ein Telekommunikationsanbieter gegenwärtig seinen Kunden offeriert. Internet für jedermann - mit einfachen Mitteln, bei geringen Kosten. Um das zu erreichen, muss auf dem betreffenden Grundstück lediglich eine Antenne auf dem Dach montiert werden. Diese sowie ein dazugehöriger UMTS-Router lassen sich für geringes Entgelt erwerben und bilden nach nur zwei Stunden Installationszeit zuzüglich kleinerer Materialkosten die Basis der künftigen Reise ins weltweite Netz. Mehrere Haushalte hatten sich bereiterklärt, das Vorhaben in die Realität umzusetzen. Mit verblüffendem Erfolg. »Jeder hat die volle Bandbreite anliegen. Mitunter noch besser als bei einem handelsüblichen Festanschluss«, erläutert Raphael Meyer, Hard- und Softwareexperte aus Doberlug-Kirchhain. Mittlerweile verfügen in Jeßnigk 30 Haushalte über eine vollwertige Internetverbindung. Doch der Erfolg strahlt auch in die Nachbardörfer aus. Einwohner aus Dubro, Kolochau, Bernsdorf, Polzen und Grassau haben bereits aufgerüstet oder ernstes Interesse bekundet. Für Steffen Schießler ist die Welt nach langem Kampf nun wieder in Ordnung. Vier Rechner liegen an seinem Router an, jeder mit perfekter Verbindung ins Netz. »Hilfe von der Stadt Schönewalde gab es zu keinem Zeitpunkt«, betont er abschließend. Um so stolzer macht es ihn und alle anderen Jeßnigker, dank Eigeninitiative zu einem Ergebnis gekommen zu sein, das offiziell eigentlich unmöglich schien.
Zum Thema: Schönewalde erwägt für eine schnelle Internet-Verbindung in ihren noch nicht versorgten Stadtteilen die Zusammenarbeit mit einer Firma aus Dahme, so Bauamtsleiter Thomas Kräuter. Diese plant Lichtwellenleiter-Trassen, an die mit schnellem DSL unterversorgte Orte angschlossen werden können.
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