Fast drei Kilometer führte Uwe Dannhauer Gäste durch den Schlieben-Bergaer Wald, vorbei an Ruinen des ehemaligen Außenlagers des KZ Buchenwald. Foto: sn Foto: sn
Die Runde führte zu den alten Bunkeranlagen sowie zu den Überresten vom ehemaligen Panzerfaustwerk. „Unsere Stadt ist durch die Außenstelle des KZ-Buchenwald von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs in besonderem Maße betroffen. Wir wollen erinnern und diesen Teil der Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen. Erst recht, weil hier im Wald noch genügend Überreste an das Elend und den Tod vieler Menschen erinnern“, so Vereinsvorsitzender Uwe Dannhauer, der sich über den großen Zuspruch zur Führung sehr freute.

Mehr als 50 Teilnehmer konnte er am Ausgangspunkt der Tour, nahe der einstigen Unterkünfte für die Bewacher, die heute Wohngebäude sind, begrüßen. Mit einer alten Lagerkarte in der Hand startete Dannhauer die reichlich zwei Kilometer lange Führung.  Sie führte vorbei an den Steinbaracken, in denen einst die Hasag-Küche untergebracht war, am ehemaligen Flugplatz und an den Holzbaracken für die Chemikalienaufbewahrung. In der sogenannten blauen Baracke mit dem heute noch originalem Anstrich möchte der Verein ein Informationszentrum zur Lagergeschichte einrichten. 

Sehr interessiert zeigten sich viele Besucher am einst von der Bundeswehr nachgenutzten Gelände, auf dem das große Tanklager inzwischen zurückgebaut ist. Der Weg führte zu den Überresten der dreireihigen Bunkeranlagen. Dorothea Franke erzählte: „Meine Eltern kamen als Umsiedler aus Polen nach Berga, und ich bin hier 1947 geboren. Nach dem Krieg haben in den Bunkern die Umsiedler gewohnt, da hatten sie zumindest ein Dach über dem Kopf.“ Und auch Günter Heyde (75) blickt zurück: „Ich erinnere mich noch an die Zeit Anfang der 40er Jahre, in der wir als Kinder auf dem Bahnhof Kartoffeln ausgeladen haben und neben uns Munition in Ponywagen verpackt und zum  Lager gebracht wurde.“

Am Standort mit den Überresten der Schießanlage erinnerte Uwe Dannhauer, dass vor Ort die Panzerfaust „Gretchen“ und deren Nachfolger getestet wurden. Dass die Überreste des Panzerfaustwerkes im Wald noch so gut erhalten sind, erstaunte viele sehr. Bewegt standen die Teilnehmer der Führung inmitten der Gebäuderuinen, in denen während des Krieges jeden Monat 1,5 Millionen Panzerfäuste mit Sprengstoff gefüllt wurden. „Es war einer der gefährlichsten Arbeitsplätze. Wer dorthin abkommandiert war, hatte eine durchschnittliche verbleibende Lebenserwartung von zwei Monaten. Das Leben der Häftlinge wurde als menschliche Ware gehandelt“, so Dannhauer. Er erzählte auch von der Explosion in der Nacht vom 11. bis 12. Oktober 1944 in der Gießerei, bei der 96 Häftlinge den Tod fanden. 

Den Abschluss fand die Tour mitten im Wald bei den Lagerbaracken, in denen von 1943 bis April 1945 bis zu 3500 Häftlinge, vorwiegend Frauen, untergebracht waren. Die Teilnehmer der Führung waren dankbar für die vielen Informationen und zollten Uwe Dannhauer Respekt, dass er sich an die Aufarbeitung der Schlieben-Bergaer Kriegsgeschichte gewagt hat. sn