16. März 2010, 00:00 Uhr

Der Wolf gehört zum Kulturgut

Fachtagung in Bad Liebenwerda: Zusammenleben mit Wölfen wieder lernen

Bad Liebenwerda „Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab' mich nur versteckt“ – hat Marius Müller-Westernhagen in diesem Song die Wölfe gemeint? Spaß beiseite. Fakt ist: Der Wolf ist wieder da, und der Mensch muss reagieren.

Groß war das Interesse an einer Fachtagung am Freitag in Bad Liebenwerda, die sich mit der Rückkehr des Wolfes und daraus folgenden Kosequenzen befasste. Fotos: Bernd Balzer
Er müsse Voraussetzungen schaffen, dass der Wolf bleibe und sich wieder ausbreiten kann. Es gehe dabei um die friedliche Koexistenz von Mensch und Wolf, wobei der Mensch wieder lernen müsse, mit Wölfen friedlich zusammenzuleben. – So könnte das Resümee einer Fachtagung unter dem Titel „Der Wolf in Brandenburg“ lauten, die am Freitag in Bad Liebenwerda stattfand. 130 Teilnehmer aus ganz Brandenburg – vom Naturfreund über Vertreter von Hegegemeinschaften, Schafzucht- und Naturschutzverbänden, Jagdbehörden bis zu Mitarbeitern des Umweltministeriums – diskutierten über das seltene Wirbeltier Deutschlands. „Wir wissen, dass der Wolf kein Vegetarier ist“, sagte Prof. Dr. Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg. Er zeigte am Beispiel des Yellow Stone Parkes in den USA, wie günstig sich die Anwesenheit des Wolfes auf die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren auswirkt.

Interessante Einblicke und Informationen bietet gegenwärtig die Wolfsausstellung im Kreismuseum Bad Liebenwerda.
„70 Jahre waren dort die Wölfe ausgerottet – seit 15 Jahren gibt es sie wieder, und wir müssen feststellen, dass dort die Artenvielfalt in einem unglaublichen Maß zugenommen hat. Das gilt sowohl für Blütenpflanzen als auch für viele Tiere. Die dort lebenden Hirsche hatten alles weggefressen. Es gab keine Orchideen mehr, 60 Jahre lang keine Jungbäume, keine jungen Pappeln, keine jungen Weiden. Es sind viele Vögel verschwunden, die normalerweise im Gebüsch brüten“, erklärte Freude. Die Biber seien verschwunden bis hin zu den Fischen, die wegen fehlender Beschattung ihre Lebensräume wechselten. Jetzt sei alles wieder da. „Das ist ganz bemerkenswert“, schwärmte der Professor, für den der Wolf zu unserer Landschaft dazugehört. Als ehemals heimische Art trage der Wolf auch bei uns zur Bereicherung der Artenvielfalt bei. Jetzt gelte es, Strukturen zu schaffen und Lösungen zu finden, um die Wölfe wieder sesshaft zu machen.

Wölfe sind menschenscheu, und der Mensch ist nicht Teil des Beutespektrums. Damit aber Haus- und Nutztiere ebenfalls nicht zu Schaden kommen, sei es für den Menschen wichtig, seiner Sorgfaltspflicht nachzukommen. Für die Schafe bedeute das regelmäßige Kontrollen, den Einsatz von speziellen Elektrozäunen und auch von Herdenschutzhunden. Darüber sprach Dr. Eckardt Hoffmann vom Landesumweltamt Brandenburg in seinem Diskussionsbeitrag mit dem Titel „Schadensprävention in der gewerblichen Tierhaltung“. Dass bisher, also seit 1992, die Schafhalter entschädigt wurden, wenn ihnen Wölfe einen Schaden verursachten, freute nicht nur die Redner. In weiteren Vorträgen wurde von Jens Teubner vom Landesumweltamt Brandenburg zum Thema „Wölfe im Anmarsch – aktuelle Situation im Land Brandenburg“, von Yvette Krummheuer zum Einsatz von Herdenschutzhunden und durch Ulrich Wotschikowsky vom Verein Vauna zum Thema „Wölfe und Jäger: zweierlei Wahrheiten?“ informiert. Während der Konferenzpause nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Ausstellung „Wolf & Mensch“ im Kreismuseum zu besuchen.
 
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 16. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 16. März 2010, 09:28 Uhr
Autor: Von Bernd Balzer

Von Bernd Balzer

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren