Praxis-Projekt an der Gubener Europaschule / Erfolg durchwachsen
Guben
Statt Unterricht arbeiten Gubener Europaschüler seit einmal in der Woche in Unternehmen der Region. Praxislernen heißt das Projekt, das vor einem Jahr aus der Taufe gehoben wurde. Noch läuft nicht alles reibungslos.
Neben der Betreuung von Jugendlichen packt Europaschüler Florian Wilbrecht im Jugendklub Comet auch mal handwerklich mit an. Jeden Mittwoch arbeitet er in der Einrichtung. Foto: privat Foto: privat
Ein klein wenig nervös ist Florian Wilbrecht schon, als er seinen Vortrag über den Jugendklub »Comet« vor Lehrern, Eltern und Unternehmern hält. Sie haben sich in der Aula der Europaschule getroffen, um ein erstes Fazit nach einem Projektjahr Praxislernen zu ziehen. Ziel des Projekts ist es, die Schüler frühzeitig mit Unternehmen in Kontakt zu bringen, damit sie so die Realität kennenlernen und sich selbst beruflich vororientieren.
Florian Wilbrecht arbeitet jeden Mittwoch in der Jugendeinrichtung. Dort hilft der 16-jährige Schüler Jugendlichen oder dem Hausmeister - je nachdem, was anfällt. »Die Arbeit macht mir Spaß«, sagt er. Ob er später einen pädagogischen Beruf erlernen wird, wisse er noch nicht. Derzeit ist sein Traumjob Tischler.
Sein Vater Reiner Wilbrecht findet das Projekt eine gute Sache. Die Unternehmen brächten den Jugendlichen so zum Beispiel Pünktlichkeit und Verantwortungsgefühl bei.
Das jedoch scheint noch nicht bei allen Europaschülern angekommen zu sein. Anfangs sei so manch einer mit Abneigung an die Sache herangegangen, sagt Cordula Müller, die Projektverantwortliche an der Schule. Noch hat nicht jeder den Ernst der Situation begriffen. Das kann Yvonne Hiob vom Naemi-Wilke-Stift bestätigen. Sechs Schüler hatten vor einem Jahr in dem Krankenhaus angefangen - nur zwei haben letztlich bis zum Ende durchgehalten. Die aber hätten sich sehr gut gemacht.
Insgesamt decken die Bewertungen der Unternehmen die gesamte Bandbreite ab - von ungenügend bis hin zu sehr gut. Wie sich herausstellt, ist es für die Firmen nicht immer leicht, für einen Tag einen Schüler zu nehmen und diesen entsprechend zu beaufsichtigen und mit Arbeit zu versorgen.
All dies sind Erfahrungswerte, die dabei helfen können, das Projekt noch zu verbessern. Das sei eine spannende Geschichte, ein Feld, das auch Rückschläge bekommt, sagt Christiane Fritzschka vom evangelischen Seniorenzentrum »Herberge zur Heimat«. Dafür brauche man einen langen Atem. Es sei aber auf jeden Fall der richtige Ansatz. Darin sind sich alle Beteiligten einig. »Wir haben die meisten Schüler mit unserem Weg erreicht«, resümiert Cordula Müller.
Zum Thema:
In diesem Schuljahr werden den Schülern insgesamt 54 Praxisplätze angeboten. Die mit der Europaschule kooperierenden Unternehmen kommen aus unterschiedlichen Branchen wie Einzelhandel, Altenpflege, Handwerk und pädagogischen Einrichtungen. Die Plätze müssen sich die Schüler selbst organisieren.
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