08. Februar 2010, 00:00 Uhr

Oberförster a.D. kümmert sich um Waldtiere in Not

Spree-Neiße Ob Fuchs oder Reh – die Tiere im Wald finden unter der Schneedecke nur noch schwer Futter. Deshalb hat der Landkreis Spree-Neiße im Januar die Notzeit für Schalenwild ausgerufen. Jagdausübungsberechtigte müssen Wild zusätzlich füttern. Herbert Kleemann dreht deshalb eine tägliche Waldrunde.

Das Heck des Jeeps bricht immer wieder aus, als der 68-Jährige über vereiste Fahrspuren und durch tiefen Schnee im Wald zwischen Tauer und Bärenklau fährt. Jeden Tag bringt der ehemalige Förster der Oberförsterei Kathlow den Waldtieren etwas Futter. Die dreijährige Jagdterrier-Hündin Gina auf der Rückbank hält mit Mühe ihr Gleichgewicht im wackelnden Gefährt. „Ich würde gar nicht in den Wald kommen, wenn mir nicht ein Bauer aus Drewitz am Wochenende seinen Traktor leiht“, sagt Kleemann. Mit einem Schneepflug beräumt er am Wochenende den Schnee im Wald. Auf der Fahrt zeigt er auf durch die Schneelast abgebrochene Äste. „Die Rinde dient dem Rotwild als Futter“, sagt der Jäger. Das Rehwild nasche lieber Nadeln und Knospen, was jedoch zu Verdauungsstörungen führen könne.



Nach ein paar Minuten ist die erste Futterstelle erreicht. Der Schnee ist von zahlreichen Spuren und Fährten zertreten. Mehrere Futterstellen im Wald gebe es, so der Hobbyjäger, da eine Konzentration der Tiere auf einen Fleck zu vermehrten Krankheiten führen könnte. Aus dem Wagen holt Kleemann einen Eimer mit Weizen, den ihm ein Bauer geschenkt hat. Sofort schaut der Förster a. D. neugierig in den Schnee. „Er ist wie ein Buch“, sagt er. So wisse er, welche Tiere hier gefressen haben – vor allem Rotwild und Rehwild. Eicheln, Kastanien, Möhren und Walnüsse habe er keine mehr zum Füttern. „Auf so einen Winter war ja niemand eingestellt“, sagt der Jäger.



Auf dem Weg zur nächsten Stelle passiert der Jeep mehrere Jagdstände, die alle einen Namen haben. So heißt der eine „Spechtkanzel“, da dort öfters ein Specht herumgepickt hat, erklärt Kleemann. Die freigeschobenen Wege nutzen auch die Tiere. An einem Heuballen ist erneut Halt. Jäger zu sein, ist mehr als nur schießen, sagt der einstige Oberförster. „Wir brauchen noch junge Jäger. Aber keine Schießer!“, wünscht er sich. Um den Wildbestand macht sich der Rentner keine Sorgen. Der Winter sei eine natürliche Auslese. Zudem, so Kleemann, sind Fuchs, Bussard und Seeadler die Nutznießer der verendeten Tiere. Daher sei auch kaum totes Wild im Wald zu finden.

Plötzlich stoppt der Jäger den Jeep. Er zeigt auf drei Rehe im Calpenzmoor. „Im Winter ist das Rehwild vertrauter, da es auf der Flucht zu viel Energie verlieren würde“, erklärt Kleemann.



Immer wieder liegen abgebrochene Äste am Weg, eine Motorsäge im Kofferraum des Jeeps. Nach dem Anfahren der sechsten Stelle ist die morgendliche Fütterung beendet. Am nächsten Tag werde er wieder mit dem Schneepflug durch den Wald fahren, sagt der Jäger. Über Futterspenden wie Möhren, Äpfel, Walnüsse oder Weizen würde er sich freuen. Doch Füttern dürfe nur ein Jäger. Es soll so wenig wie möglich in die natürliche Umwelt der Tiere eingegriffen werden, erklärt Kleemann. Die untere Jagdbehörde des Spree-Neiße-Kreises habe mit der Naturschutzbehörde wegen der andauernden hohen Schneelage eine Notzeit für Schalenwild ausgerufen. Jeder Jagdausübungsberechtigte sei zur Erhaltungsfütterung verpflichtet, allerdings nur im unbedingt notwendigen Umfang zur Überbrückung der Notzeit.

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Erstellt am: 08. Februar 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 08. Februar 2010, 09:21 Uhr
Autor: Von Mathias Klinkmüller

Von Mathias Klinkmüller

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