04. November 2011, 00:00 Uhr

Mit voller Kraft Richtung London

PARACYCLING BPRSV Cottbus geht mit großen Ambitionen in Paralympics-Vorbereitung

Cottbus Der in Cottbus angesiedelte Brandenburgische Präventions- und Rehabilitationssportverein will im nächsten Jahr möglichst mit einem Quartett im Paracycling bei den Paralympics in London am Start stehen. Dazu wurde das Team um die Cottbuserin Jana Majunke optimiert und verstärkt. Mit Kerstin Brachtendorf hat sich eine Spitzen-Athletin dem BPRSV angeschlossen. Die Sportliche Leitung liegt jetzt bei Christof Weiß.

Laktatstufentests, Training in der Höhenkammer in Frankfurt (Oder) oder ein intensiver Materialcheck – der BPRSV Cottbus ist mit einem intensiven Programm für sein „Top-Team London 2012“ in der vergangenen Woche in Cottbus in die Vorbereitung auf die Paralympics in London (29. August bis 9. September 2012) gestartet.

Geleitet wurde die Maßnahme erstmals von Christof Weiß. Der 46-jährige Diplom-Sportwissenschaftler aus der Nähe von München hat große Erfahrung als Trainer, sowohl im Radsport als auch im Behindertensport. Neben Profis wie Fabian Wegmann oder Michael Rich betreut er auch seit einigen Jahren die Paracycler Stefan Bäumann (Gifhorn) und Norbert Mosandl (Holzkirchen), die seit Jahresbeginn ebenfalls für den BPRSV starten. Als Nachfolger von Hans-Joachim Lehmann, von dem sich der BPRSV getrennt hat, wird Weiß auch die Cottbuserin Jana Majunke künftig auf ihrem sportlichen Weg begleiten.

Ziel des BPRSV und von Weiß ist es, in London vier Sportler am Start stehen zu haben. Die größte Herausforderung liegt dabei vor Jana Majunke. Die Tribikerin aus Cottbus, im vergangenen Jahr Doppel-Weltmeisterin und in dieser Saison Dritte in Straßenrennen und Zeitfahren T2 bei der WM in Roskilde (Dänemark), wird bei den Paralympics in einer gemeinsamen Klasse mit Handicap-Männern starten. Schon die Qualifikation wird wohl eine Hürde, da auch der DBS als Verband die Medaillenchance als Nominierungskriterium anwenden wird. „Da werden wir hart arbeiten müssen“, sagte Weiß über die seit Geburt spastisch behinderte Majunke, die vor einigen Wochen ein Studium in Potsdam aufgenommen hat.

Fast keine Bedenken hat Weiß dagegen bei Norbert Mosandl (Holzkirchen), Stefan Bäumann (Gifhorn) und Kerstin Brachtendorf (München). Mosandl und Bäumann waren bereits bei den Paralympics 2008 in Peking dabei. Mosandl hat in seiner Schadenklasse H4 als WM-Zweiter hinter dem früheren Rennfahrer Alesssandro Zanardi (Italien) bereits seine Nominierung so gut wie sicher. Bäumann (H2) hatte lange Schulterprobleme, lieferte nicht die gewohnten Ergebnisse ab und wurde bei der WM Neunter. „Daran wollen wir arbeiten und müssen noch aufholen. Norbert und Stefan sind aber erfahrene Athleten, die das Prozedere kennen“, ist Weiß zuversichtlich.

Kerstin Brachtendorf ist für Weiß in London sogar eine Medaillenkandidatin. Die 39-Jährige ist bisher vor allem auf dem Mountainbike zu Hause gewesen, feierte aber einen glänzenden Einstand auf dem Straßenrad in der Schadenklasse C5, gewann beim Weltcup im Mai in Spanien auf Anhieb das Straßenrennen und wurde bei der WM in Dänemark Fünfte. „Sie ist 100-prozentig dabei und hat Chancen über 500 und 3000 Meter auf der Bahn als auch auf Straße und im Einzelzeitfahren“, glaubt Weiß.

Für den BPRSV sei der Leistungssport immer eine wichtige Säule gewesen und soll es bleiben, betonte Pressesprecherin Christa Lemmé im Sportzentrum. „Unser guter Ruf hat sich inzwischen herumgesprochen, sodass die Athleten den Weg nach Cottbus finden“, so Lemmé. Grund dafür ist auch die hervorragende Infrastruktur. „Es gibt hier glänzende Bedingungen und wäre dumm, diese nicht zu nutzen“, sagt Weiß. So bot das Trainingslager dem „Top-Team“ laut Weiß „einen absolut professionellen Einstieg“. Weitere Maßnahmen sollen folgen – mit dem klaren Ziel London 2012.

Zum Thema:

Zum ThemaZum 1. Januar 2013 soll am Standort Cottbus ein paralympisches Zentrum in der Sportart Paracycling angesiedelt werden. Entsprechende Anträge beim Deutschen Behinderten-Sportverband (DBS) wurden bereits gestellt, sagte Landestrainer Ralf Paulo. Mit einer Entscheidung sei erst nach den Paralympics 2012 zu rechnen, hieß es. Hierzu werden unter anderem die Ergebnisse von London im Behindertenradsport und die Zahl der in Cottbus trainierenden Bundeskader – drei Bundes- und sechs Landeskader sind notwendig – herangezogen. Stützpunkt tragender Vereine soll der BPRSV werden. Neben Cottbus macht sich Freiburg Hoffnungen als Stützpunkt. tus
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Erstellt am: 04. November 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. November 2011, 03:09 Uhr
Autor: Von Thomas Juschus

Von Thomas Juschus

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