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Guben

Gubener Laufaron-Mitarbeiter tragen Betrieb zu Grabe

Guben Bei frostigen Temperaturen haben am Montag rund 100 Gubener für die Bildung einer Transfergesellschaft für die Laufaron-Beschäftigten demonstriert. Ein letzter Versuch, öffentlich Druck zu machen.

09.02.2010
Einen Hoffnungsschimmer ließ die Vize-Chefin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie Energie noch durchblicken. „Um 17 Uhr hat der Insolvenzverwalter ein Gespräch im Wirtschaftsministerium wegen der Transfergesellschaft“, gab Ute Liebsch am Nachmittag bekannt. Davon hänge ab, ob die Laufaron-Mitarbeiter Dienstag freigestellt würden und sich bei der Arbeitsagentur melden müssten. Etwa 70 Mitarbeiter waren gekommen, schätzte Betriebsratsvorsitzende Manuela Wirth. Dazu kämen ehemalige Mitarbeiter sowie Vertreter aus dem Betriebsrat von Trevira. Bei Minusgraden fand die Kundgebung am Dreieck statt, nicht vor dem Rathaus, wie ursprünglich angekündigt. Auf Bitten des Ordnungsamtes, weil sonst der Parkplatz komplett hätte gesperrt werden müssen, wie Monika Wirth erklärte.  „Wir wollen hier und heute für 92 Beschäftigte und ihre Familien einstehen und damit auf keinen Fall Verhandlungsschritte sabotieren“, sagte sie und bedankte sich bei Insolvenzverwalter, Gewerkschaft und Bürgermeister für die Unterstützung zur Bildung der Transfergesellschaft. „Es geht nicht mehr um die Rettung von Arbeitsplätzen. Sonst wären vielleicht mehr gekommen“, sagt Gewerkschaftsfunktionärin Ute Liebsch. „Aber mit einer Transfergesellschaft können wenige etwas anfangen.“

Die 85 Laufaron-Mitarbeiter, die den Schritt mitgehen wollen, sehen es als eine Chance an, vielleicht doch noch eine andere Stelle zu erwischen. Denn in der Beschäftigungsgesellschaft würden sie nicht nur für Bewerbungen fit gemacht, sondern erhielten vier Monate länger Lohn. „Das können vier Monate mehr sein, die sie nicht unter Hartz IV fallen“, erklärt Ute Liebsch.  Falls die Bildung der Transfergesellschaft gescheitert wäre, hätte der Insolvenzverwalter die Mitarbeiter am heutigen Dienstag freistellen und diese sich bei der Arbeitsagentur melden müssen, so Ute Liebsch. Das erste Gespräche hätten alle bereits mit Beratern gehabt, als arbeitssuchend seien die Laufaron-Mitarbeiter schon gemeldet.

Ein letztes Mal appellierte die Laufaron-Betriebsratsvorsitzende Manuela Wirth an die Pongs und Zahn AG, für die Transfergesellschaft zu bürgen. Das Land Brandenburg hatte bereits einen Massekredit über 495 000 Euro in Aussicht gestellt, die Banken forderten Bürgen. Im besten Fall käme die Summe über Restaufträge wieder herein.

Doch vom einstigen Arbeitgeber erwarten die Mitarbeiter nicht mehr allzu viel nach Verzicht auf Urlaub und Urlaubsgeld sowie weitere Leistungen seit dem Jahr 2004. Kurz nach 18 Uhr erhielt Ute Liebsch von Mitarbeitern des Insolvenzverwalters die Information, dass der Massekredit bewilligt sei.

So reagieren die Laufaron-Mitarbeiter darauf:

„Ich habe selbst kaum noch daran geglaubt“, räumte sie ein, „da es ein relativ kleines Unternehmen ist“.Die 58-jährige Textillaborantin Monika Ladewig ist seit sieben Jahren bei Laufaron gewesen. Für die Gubenerin ist die Transfergesellschaft so etwas wie ein Strohhalm, wie sie einräumt. „Dadurch hoffe ich eher auf eine Perspektive, um noch einmal Arbeit zu finden und in der Region zu bleiben.“ Seit dem Jahr 1965 lebt sie in Guben.

Gleich doppelt trifft es Familie Pusch. Ronald Pusch (48) war elf Jahre bei Laufaron, wo auch seine Frau beschäftigt ist. Transport- und Lagerwesen war sein Bereich, dort hofft Ronald Pusch über das Training in der Transfergesellschaft auch auf eine neue Chance. Notfalls woanders. „Ich würde auch Guben verlassen“, sagt Pusch, der gleichzeitig erwähnt, dass er in Guben geboren und aufgewachsen, ein „echter Gubener Junge“, ist.  Die Transfergesellschaft würde auch die Ansprüche etwas verlängern, so Pusch.

Eberhard Jurk ist 57 Jahre, hat 30 Jahre als Anlagenfahrer in der textilen Veredelung gearbeitet und hofft noch auf eine neue Chance in der Textilindustrie. Die Transfergesellschaft wäre aus seiner Sicht noch eine Gelegenheit, sich auf Bewerbungen, Anforderungen und Gespräche vorzubereiten. Er hofft auf eine Chance im Umkreis von etwa 50 Kilometern, so Jurk. „Die ganze Familie, Eltern und Kinder, sind doch hier.“
  

Von Jürgen Scholz
 
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