09. Februar 2012, 00:00 Uhr

Dem Forster Gründerzeit-Erbe droht der völlige Verfall

Undurchsichtige Besitzverhältnisse, hohe Schutzauflagen und fehlendes Fördergeld setzen den Bau-Denkmalen ordentlich zu

Forst Durch das Stadtentwicklungskonzept (Insek) dreht sich derzeit alles um den Abriss von Blocks im Forster Stadtzentrum. „Doch wie ist es eigentlich um die denkmalgeschützten Gründerzeitvillen und Industrieanlagen bestellt?“, fragen immer wieder Leser. Viele Forster fürchten, dass ein Teil des industriegeschichtlichen Erbes verfällt.

„Es gibt schon immer mal wieder eine Anfrage – aber insgesamt ist die Lage schwierig“, sagt Verwaltungsvorstand Heike Baerwald zu der Entwicklung von denkmalgeschützten Gebäuden in der Stadt. Wie zäh der Kampf um den Erhalt von Altstadtsubstanz sein kann, zeigt das Beispiel Forster Hof. Seit 2004 stand das Gebäude leer. Der damalige Besitzer Gerrit Neuhaus versuchte, das Gebäude loszuwerden. Doch erst im Dezember 2011 ging das Haus an die Firmengruppe Helbeck, die seitdem den Forster Hof Stück für Stück auf Vordermann bringt. „Hier wird unglaublich Geld investiert“, sagt Diana Podlesch, die seit wenigen Tagen als Veranstaltungsmanagerin in dem Haus aktiv ist.

Die Villen in der Planckstraße, in der Jänickestraße und in der Max-Fritz-Hammer-Straße (v.l.) sind in einem schlechten Zustand. Die Lausitzer Rundschau stellt ab kommender Woche in loser Folge die Geschichte einzelner Häuser vor. Fotos: Jan Selmons
Das Geld ist häufig das Problem, wenn es um den Erhalt von Altbausubstanz geht. Denn mit dem Kauf ist es nicht getan. „Wenn die Gebäude unter Denkmalschutz stehen, dann sind die Auflagen grenzenlos“, sagt Heike Baerwald. Das schrecke viele Investoren ab, etwas zu tun. Die Stadt selbst habe im Zusammenhang mit den denkmalgeschützten Gebäuden kaum Aktionsspielraum. „Es ist fast alles in Privatbesitz“, so Baerwald. Lediglich die Pürschel-Fabrik in der Heinrich-Werner-Straße gehört der Stadt. Hintergrund: Gemeinsam mit dem Kreis sollte in dem Gebäude nach einem Umbau ein gemeinsames Archiv und eine Bibliothek angesiedelt werden. Doch der millionenschwere Traum platzte. Damit steht auch das Gebäude am Kreishaus weiter leer.

Der Verfall droht den Stadtvillen in der Max-Fritz-Hammer-Straße, in der Planckstraße und in der Jänickestraße. In der Jänickestraße habe es zuletzt mehrere Eigentümerwechsel gegeben, so Baerwald. Bewegung sei nicht in Sicht. „Beim Anblick vieler Gebäude blutet mir das Herz“, sagt Frank Leopold von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Seiner Meinung nach müssten in der Stadt sogar noch mehr Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden. Er sieht nicht die Auflagen als Problem für die Investoren, sondern die zu geringe Förderung. Außerdem gebe es zwar immer noch Fördermöglichkeiten, so Leopold, „aber wir kommen nicht an die Gebäude ran“. Der Denkmalschützer sieht die Eigentümer in der Pflicht, die Gebäude zu sichern. „Manche tun da zu wenig“, sagt er. Es helfe bereits, Fenster zu vernageln und die Dächer zu sichern, damit keine Feuchtigkeit eindringt, um die Gebäude zu erhalten.

 

Zum Thema:
Das Planungsbüro Herwarth und Holz hat im Auftrag der Stadt den Zustand der geschützten Bebauung in den Fördergebieten „Nordstadt“, „Westliche Innenstadt“ und „Aktive Ortsteilzentren“ untersucht. Insgesamt befinden sich demnach 358 gründerzeitliche Bauwerke innerhalb der Untersuchungsbereiche. Knapp zwei Drittel (62,3 Prozent) der gründerzeitlichen Bebauung ist komplett saniert. Rund ein Viertel der gründerzeitlichen Bebauung in den Bereichen ist unsaniert.
 
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Erstellt am: 09. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 13. Februar 2012, 14:58 Uhr
Autor: Von Jan Selmons

Von Jan Selmons

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