Das letzte Telefonbuch 1941Das letzte Telefonbuch von 1941
Das Gubener Stadthaus vor 1945 (heute Internat); links der frühere Lohmühlenweg. Foto: Sammlung Gunia

Überkommen ist ebenfalls ein «Amtliches Fernsprechbuch für den Bezirk der Reichspostdirektion Frankfurt (Oder)» nach dem Stand vom 1. März 1941. Es umfasst – bezogen auf Guben – nur sieben Seiten mit allerdings 1300 Einzel- und Sammelnummern. Hier handelt es sich um ein aufschlussreiches Zeitdokument aus der Kriegszeit. Es zeigt, dass es bei aller ideologischen Mobilisierung (Führergeburtstag, Heldengedenken, Marsch zur Feldherrnhalle, Winterhilfswerk) auch in einer Diktatur nicht ohne ein gewisses Maß an Alltag und Normalität geht.
Zunächst geht es um die Verwaltung, Mittelpunkt städtischen Gemeinwesens. Das Stadthaus, gelegen am rechten Neißeufer (Foto), nimmt mit 30 Einzelnummern die Spitze aller Eintragungen ein, darunter das Amtszimmer von Oberbürgermeister Schmiedicke, die Polizeiwache, Wasserwerk, Sparkasse, Städtische Schulen. Es folgt die Kreisleitung der NSDAP mit der Anschrift Uferstraße 9 (ehemals Villa des Fabrikanten Brecht). Hier gibt es 25 Einzelanschlüsse zu den NS-Ortsgruppen Altstadt, Crossener Berg, Mitte, West, Pfingstberg und Werder; ferner für SA, Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädel und weiterer angeschlossener Verbände. An dritter Stelle liegt die Reichspost mit 18, gefolgt von der Wehrmacht mit zwölf Einzelanschlüssen. Hier finden sich das Fliegerhorst, das Heeresbauamt, die Kasernern Mückenberg und Moltkekaserne sowie der Infanterie-Kommandeur 3 in der Uferstraße 27 (nach 1945 Kindergarten).
Weitere Telefonanschlüsse ergeben sich bei 63 Gubener Restaurationen, davon 16 im westlichen Stadtteil, wie Busching, Wilkestraße; Feldschlösschen, Kaltenborner Straße; Hohm, Alte Poststraße; Klostermühle, Kupferhammerstraße; Sprucke, Mühlenstraße oder Schwarzer Adler und Wolfsquelle, jeweils Adolf-Hitler-Straße (heute Frankfurter Straße). Sammelnummern weisen Großbetriebe aus, so Rheinmetall-Borsig AG Gubinchen; Lehmann’s Ww. & Sohn, Tuchfabrik, Alte Poststraße oder C. G. Wilke, Hutfabrik, Straße der SA (vorher Gasstraße). Hier ist nicht der Platz, die Vielfalt der Namen zu erläutern. Erwähnt werden sollen Firmen, deren Nachkommen bis heute in Guben wirken. Wir lesen (Stand 1941): S. Altmann, Glasermeister, Adolf-Hitler-Straße; Paul Dreißig, Bäckermeister, Kaltenborner Straße; Adolf Dulitz, Glasermeister, Kirchstraße; Wilhelm During, Fleischermeister, Adolf-Hitler-Straße; Adolf Hoffmann, Raumkunst und Möbelgeschäft, Markt; B. Legler, Buchbinderei und Papierhandlung, Stadtschmiedestraße; C. Roeschmann, Brunnenbauer, Augustastraße; Paul Steckling, Tabakwaren, und Walter Stiller, Bäckerei, jeweils Kurmärkische Straße (heute Berliner Straße). In einem nächsten Beitrag soll auf einige Gubener Persönlichkeiten eingegangen werden.