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Cottbus erhält Gedenkstätte gegen SED- und Nazi-Diktatur

Der Plan ehemaliger politische Häftlinge, im einstigen Cottbuser Gefängnis an der Bautzener Straße eine Dokumentations-, Begegnungs- und Bildungsstätte zur Erinnerung an die SED- und die Nazi-Diktatur zu errichten, nimmt Gestalt an. Gestern haben der Vorsitzende des Vereins Menschenrechtszentrum Cottbus, Dieter Dombrowski, und der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) eine Nutzungsvereinbarung für den städtischen Grundstücksanteil unterzeichnet.
30.01.2008
Das einstige Cottbuser Gefängnis in der Bautzener Straße – für Tausende politischer DDR-Häftlinge war es die letzte Station vor dem Freikauf in den Westen Deutschlands. Derzeit stehen die Gebäude leer.Dieter Dombrowski (l.) , der Vorsitzende des Vereins Menschenrechtszentrum, und der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) haben gestern eine Nutzungsvereinbarung für die ehemalige JVA an der Bautzener Straße in Cottbus unterzeichnet.
Danach darf der Verein ab dem 1. Fe bruar auf den rund 4500 Quadratmetern der Fläche, die der Stadt gehören, seine Pläne realisieren. Auf dem Teilgrundstück befinden sich ein Klinkerbau mit etwa 400 bis 500 Quadratmetern Nutzfläche, Garagen und Nebengelasse.

Gitter sollen gesichert werden
Ziel des Zentrums sei es, die JVA-Geschichte insbesondere während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und während der DDR-Diktatur aufzuarbeiten und zu dokumentieren, sagte Dombrowski gestern. Zudem sollen Gegenstände wie die Gefängnisgitter aus anderen Gebäuden für eine Museumsausstellung ausgebaut und gesichert werden. «Wir wollen das Leben in dem Gefängnis möglichst authentisch darstellen» , sagte Dombrowski. Dazu gehöre auch, dass der Verein dokumentieren werde, wie die Gefangenen als Teil der DDR-Wirtschaft systematisch ausgebeutet worden seien. «Alle, die etwas über die Unrechtsgeschichte des Gefängnisses wissen, sind eingeladen, mitzuwirken» , sagte Dombrowski.
Zunächst will der Verein zügig ein Konzept erarbeiten. Die künftige Gedenkstätte soll zudem der Bildungsarbeit und der Beschäftigung mit aktuellen Beispielen von Menschenrechtsverletzungen weltweit dienen. Umgesetzt werden soll das Konzept, das bis Juni abgestimmt sein soll, in den nächsten drei Jahren, kündigte Dombrowski an. Zurzeit erfasse bereits das Cottbuser Architekturbüro Wanta unentgeltlich die baulichen Grundlagen.
Am 11. Februar finde ein Gespräch mit Brandenburgs Kulturministerin Prof. Johanna Wanka (CDU) statt, ein weiteres mit dem Bund werde folgen. «Dieses Zentrum ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe» , sagte Dombrowski. «Wir werden besprechen, wer was schrittweise dazu beisteuern kann. Wir gehen davon aus, dass wir für den Betrieb des Zentrums öffentliche Mittel erhalten werden» , erläuterte Dombrowski.
Geplant sei, das städtische Grundstück einmal an den Verein des Zentrums zu übertragen, sagte Oberbürgermeister Frank Szymanski. Einen Termin dafür nannte er nicht. Mit dem Ex-Lausitzer Unternehmer Uwe Hartz dorf, der für rund 310 000 Euro die anderen rund fünf Hektar der Liegenschaft ersteigert hatte, liefen Abstimmungsgespräche. Der Investor werde selbst zu gegebener Zeit seine Pläne der Öffentlichkeit vorstellen.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Dombrowski war zu DDR-Zeiten zu vier Jahren Gefängnis wegen «versuchter Republikflucht und wegen staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme» verurteilt worden. «20 Monate davon habe ich verbüßt – 16 Monate davon in Cottbus» , sagte Dombrowski. «Unser Anliegen bei dem Zentrum ist nicht, unser Schicksal zu betrauen, sondern wir wollen andere, vor allem junge Menschen dazu auffordern und dafür sensibilisieren, sich bei Unrecht einzumischen und Courage zu zeigen.»

Zwei Drittel Ex-Gefangene
Der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus hat laut Dombrowski derzeit 42 Mitglieder bundesweit. Zwei Drittel der Mitglieder seien Ex-Häftlinge. Hervorgegangen war der Verein aus einem Treffen ehemaliger Gefangener am 7. Oktober, bei dem die «Cottbuser Erklärung» in der seit Jahren leer stehenden alten Cottbuser Haftanstalt in der Bautzener Straße verabschiedet wurde. Es war das zweitgrößte Gefängnis für politische Häftlinge in der DDR. Daran solle erinnert werden, lautete der Kern der damaligen Erklärung. «Unser Verein arbeitet vorurteilsfrei und ist politisch unabhängig» , sagte Dombrowski.
Von Jürgen Becker
 
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