Selbstverteidigung basiert auf der Kunst der Vernunft
Aikido-Lehrer Daniel Schneider bringt Jugendlichen im Schülerfreizeitzentrum näher, dass Technik und Verstand über Kraft gehen
Forst Die Ferienprogramme der Forster Jugendeinrichtungen haben mitunter interessante Inhalte zu bieten. Im Schülerfreizeitzentrum (SFZ) gab ein Aikido-Lehrer aus Cottbus am gestrigen Donnerstag einen Selbstverteidigungskurs.
Genau das versucht der 32-jährige Daniel Schneider seinen Schülern beizubringen. „Es reicht schon, die Schläge des Gegners wegzuwischen, sodass er irgendwann keine Lust mehr hat“, predigt der Cottbuser. Es gehe darum, den Angreifer mit bestimmten Griffen in eine Situation zu führen, in der er sich beruhigen kann. „Man muss dem Gegenüber nicht immer weh tun“, sagt Schneider.
Besagtes Credo stammt aus der Philosophie japanischer Kampfkünste, bei deren Aussprache eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen noch heute ins Stottern gerät. Schon ein kleiner Exkurs in die Welt von Aikido, Jujutsu & Co. aber genügt, um zu erkennen, dass sich dahinter eine Menge Tiefgang verbirgt. So enthalten diese Kriegskunsttechniken im Grunde alle Elemente der alltäglichen Selbstverteidigung und setzen dabei auf eine defensive, friedfertige Grundeinstellung.
Daniel Schneider betreibt seit seiner Kindheit Kampfsport und unterrichtet heute ehrenamtlich. Sein Trainingsprogramm basiert auf einem systematischen Aufbau, was unter Trainingsexperten als „Methodische Reihe“ bezeichnet wird. Von Schritt zu Schritt, von Griff zu Griff, von Hebel zu Hebel. Zunächst sieht es so aus, als würden die Probanden im SFZ einen Tanz einstudieren. Jede Bewegung wird dabei penibel einstudiert, damit am Ende ein flüssiger Ablauf entstehen kann. „Das Wichtigste ist die Aufnahme des Gegners“, erklärt der Aikido-Lehrer. Er zeigt den Lehrlingen, wie sie Fausthiebe mit gekonnten Abwehrtechniken entschärfen können. Denn: „Technik geht über Kraft“, so Schneider. Die Idee des Aikido lautet, deeskalierend zu wirken und einen Angreifer mit bedachten Aktionen Schachmatt zu setzen, ohne ihn zu verletzen – wenngleich er sich im ersten Moment vielleicht darum verdient gemacht hat. Der Clou dabei: Man nutzt nicht die eigene Kraft, sondern die Masse des Gegners. Deshalb ist Aikido gerade für schwächere Menschen zur Verteidigung geeignet. Sinngemäß ins Deutsche übersetzt, bedeutete der Begriff so viel wie: „Der Weg der Harmonie im Zusammenspiel mit Energie.“ Aikido, die Kunst der Vernunft.
Darunter fällt auch die sogenannte Fallschule, die den Schülern beibringen soll, das Zu-Boden-Gehen und Wiederaufrichten in einer zusammenhängenden Aktion verschmelzen zu lassen. Dies könne auch prophylaktisch wirken, „wenn man mal vom Fahrrad fällt und sich abrollen muss“, erklärt Schneider.
Unter den Teilnehmern in der Jugendeinrichtung tummelt sich auch Stephan Klausch, der in Forst als Karatetrainer fungiert. Auf die Frage, worin sich Aikido und Karate unterscheiden, antwortet er: „Karate ist härter und geradliniger. Wir bieten dem Gegner nicht die Möglichkeit, es immer wieder zu versuchen. Und beim Aikido gibt es keine Gürtel und Wettkämpfe.“ Von der mentalen Herangehensweise jedoch seien sich die beiden Kampftypen recht ähnlich. Weil sie Werte wie Bescheidenheit, Disziplin und Respekt vermitteln, sind sie für Klausch sogar zu einer Art Lebenseinstellung geworden. Durch diese Kunsttechniken werde man wesentlich ruhiger und konzentrierter. „Es bringt ja nichts, wütend in den Kampf zu gehen“, so Klausch.
Schon Morihei Ueshiba, der Urvater des Aikido, philosophierte einst: „Das Geheimnis von Aikido liegt nicht darin, wie Du Deine Füße bewegst, sondern wie Du Deinen Geist bewegst. Ich unterrichte Euch keine Kampfkunsttechnik, ich unterrichte Euch Gewaltlosgkeit.“ Eine Weisheit, die bei Zeiten hoffentlich auch die vier Halbstarken erreichen wird.
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Erstellt am: 03. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 03. Februar 2012, 10:06 Uhr
Autor: Von Steven Wiesner

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