27. Mai 2008, 00:00 Uhr

Polnischunterricht hat einen schweren Stand

Forst. Das Land Brandenburg grenzt an Polen. Dennoch hat sich Polnischunterricht an den staatlichen Schulen bislang kaum durchgesetzt. Martin Kujawa, Geschäftsführer der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (DPG) in Potsdam, sieht vor allem noch zu wenig Bereitschaft der Schulämter, Polnischlehrer zu genehmigen. Leichter haben es freie Träger. Die Evangelische Grundschule in Forst will ab kommenden Jahr ab der 3. Klasse Polnisch als Fremdsprache einführen. Das kündigt Geschäftsführer Daniel Böhm an. Seit April läuft dort bereits ein Schnupperkurs.

Die Tagung «Mehr Polnisch im Grundschulalter» am vergangenen Freitag an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) hielt selbst für Martin Kujawa von der veranstaltenden Deutsch-Polnischen Gesellschaft eine Überraschung bereit: «Wir hatten eigentlich gedacht, dass das Problem sei, die Eltern zu motivieren» , sagt Kujawa. «Das ist nicht mehr der Fall» , haben ihn rund 50 Leiter und Lehrer von Grundschulen und Kitas der brandenburgischen Grenzregion überzeugt. Dennoch hakt es bislang an der Einführung als Schulfach. So richtig sei der politische Wille nicht erkennbar, es flächendeckend aufzunehmen, sagt auch Böhm, der für die Evangelische Grundschule in Forst an der Tagung teilgenommen hat. Es fehle die Sicherheit, um solchen Unterricht zu finanzieren und zu planen. Der derzeitige Schnupperkurs, bei dem eine Deutschlehrerin vom Gymnasium in Brody – das entspricht der deutschen Grund- und Oberschule – zweimal pro Woche nach Eulo kommt, wird von der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) im Rahmen des Projekts Spotkanie (Begegnung) finanziert.

Modellprojekt schleppend angelaufen
Bei den staatlichen Schulen sieht es nach Angaben von Martin Kujawa noch eher mau aus. Obwohl das vom Landesbildungsministerium unterstützte Modellprojekt «Polnisch als Begegnungssprache» seit dem Schuljahr 2006/2007 läuft und für zunächst fünf Schulen konzipiert gewesen sei, habe das Schulamt bislang nur für die Grundschule Mitte in Frankfurt (Oder) einen Polnisch-Lehrer auf Honorarbasis genehmigt. Mit dem Projekt solle Polnisch als Bestandteil des Vormittags-Unterrichtes eingeführt werden, so der DPG-Geschäftsführer. «Bislang ist es nur als AG möglich.» Burkhard Jungkamp, Staatssekretär des Bildungsministeriums, habe angekündigt, das Modellprojekt als Starthilfe zum Status als 2. Fremdsprache auszubauen. «Wir werden ihn beim Wort nehmen» , so Kujawa. «Wir hoffen, dass sich etwas verändert und bei der Tagung die Notwendigkeit deutlich wurde, eine gesetzliche Regelung zu finden.» Dabei solle Polnisch nicht als Konkurrenz zu Englisch verstanden werden, betont er.

Finanzierungsbrücke wird gesucht
Ein Ergebnis aus den Arbeitsgruppen der Tagung sei gewesen, dass bis zu einer gesetzlichen Regelung alternative Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden müssten, so Kujawa. So sei auf die im Rahmen der Euro-Regionen mit jeweils 15 000 Euro finanzierten Projekte «Von Mensch zu Mensch» hingewiesen worden. «Eine andere Möglichkeit ist der europäische freiwilligen-Dienst» , schwebt Kujawa vor. Darüber könnten sich Freiwillige aus Polen zusammenfinden – das sehe er allerdings mehr in den Kindertagesstätten. Auch als Ideen-Austausch sei die Tagung wichtig gewesen: So gebe es an der freien Schule Angermünde ein Projekt, in dem die Kinder und ihre Eltern gemeinsam Polnisch lernen.
Die Einführung als Wahlpflichtfach für die 3. und 4. Klasse im kommenden Schuljahr zahlt die Evangelische Grundschule Forst aus eigener Tasche, sagt Daniel Böhm. Andere Schulen wollten weitermachen, könnten es sich aber nicht leisten. Der Wunsch der Eltern sei da, so Böhm. Englisch sei heute Standard, eine exotische Fremdsprache von Vorteil. «Aber wie geht es weiter auf den weiterführenden Schulen?» – spätestens da sei das Schulamt gefragt, ist er überzeugt.
Zum Thema Modell Begegnungssprache
Statt als Fach wird eine Sprache beim Lernmodell «Begegnungssprache» als Be standteil anderer Fächer aufgefasst, sagt DPG-Geschäftsführer Martin Kujawa. Es gehe darum, dass die Kinder in den 1. und 2. Klassen der Fremdsprache immer wieder «begegnen» , beispielsweise in zehnminütigen Mini-Einheiten. Bislang werden Kinder in 45-Minuten-Arbeitsgemeinschaften nach dem regulären Unterricht in die Sprache eingeführt. «Kinder lernen die Sprache aber eher spielerisch» , so Kujawa.
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Erstellt am: 27. Mai 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 27. Mai 2008, 08:57 Uhr
Autor: Von Frank Muscheid

Von Frank Muscheid

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