07. September 2011, 00:00 Uhr

LesBiSchwulen-Tour in Forst findet wenig Beachtung

Veranstalter treffen auf eine Reihe von Vorbehalten und sehen sich noch weit von Integration entfernt

Forst Die „LesBiSchwule Tour“ zieht durch Brandenburg, um die Akzeptanz von Homosexuellen weiter voranzutreiben. Ein optimistisches Vorhaben, wie sich am Montag beim Start in Forst zeigte.

Das Tour-Team vor der Regenbogenfahne in Forst. Foto: Stewie Foto: Stewie
Die Stadt Forst bezeichnet sich als „Stadt der Rosen“. Für homosexuelle Bürger aber scheint es hier kaum rosige Aussichten zu geben. Das schätzt Christian Müller ein. „Forst ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit wir noch von Integration entfernt sind“, sagt der 32-jährige Sozialarbeiter aus langjähriger Erfahrung. Er bestätigt, dass der Gegenwind den gleichgeschlechtlichen Liebhabern in ländlichen Regionen kräftiger entgegenbläst als in toleranteren Metropolen.

Tour-Initiator Lars Bergmann (28) berichtet, dass im Vorfeld der Veranstaltung landesweit Drohgebärden eingingen. Dass es auch anders geht, hat er am Montag in Forst erlebt.

Als das Aufklärungsteam in der Cottbusser Straße Station macht, gibt eine ältere Dame zu Protokoll: „Das sind doch nette Leute. Die, die schlecht über Schwule und Lesben reden, sollten sich erst mal informieren.“ Bereitwillig zahlt sie eine kleine Spende und verstaut das Infomaterial eifrig in ihren Taschen.

Jener offene Umgang mit der Szene scheint mehr Ausnahme denn Regel zu sein. Viele Fußgänger gehen so schnell wie möglich am Infostand vorbei, lassen bestenfalls skeptische Blicke da.

„Ich akzeptiere Homosexuelle. Die können machen, was sie wollen“, sagt indes eine Passantin. Im nächsten Augenblick aber offenbart sie: „Würde sich mein Kind outen, wäre das für mich sehr schlimm.“ Die Frau meint es nicht böse, wie sie erklärend hinzufügt. Sie führt ihre streng katholische Erziehung ins Feld. Die habe sie gelehrt, „Homosexualität als eine Krankheit anzusehen“, fügt sie fast entschuldigend hinzu.

„Viele denken immer nur an die Sexualität“, wirft Kathrin Schultz ein, „dabei geht es doch in erster Linie um Liebe und Empfindungen für einen anderen Menschen – wie bei Heterosexuellen auch.“ Die 32-Jährige ist Geschäftsführerin der „Lambda“-Organisation, die die Tour entlang der Neiße mitinszeniert – und unbeirrt fortsetzt. Am Ende der Woche will sie im polnischen Stettin ankommen.
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Erstellt am: 07. September 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. September 2011, 11:43 Uhr
Autor: Steven Wiesner

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