22. Februar 2012, 00:00 Uhr

Glasmuseum für Friedrichshain

Einwohner wollen an einstige Tradition im Ort erinnern / Große Materialsammlung

Friedrichshain Während die Computerfirma Apple mit einem Apfel-Symbol wirbt, steht die Erdbeere für das Unternehmen „Weck“, das vor reichlich 100 Jahren weltweit das Konservieren von Obst, Gemüse und Fleisch revolutionierte. Einst wurden unter anderem die Gläser mit der Erdbeere auch in Friedrichshain hergestellt. An die Glasherstellung des Ortes, der einst eine der beiden Wiegen der Glasindustrie war und in vier Jahren auf sein 250. Gründungsjubiläum zurückblicken kann, wollen eine Handvoll traditionsbewusster Einwohner nun mit einem Glasmuseum erinnern.

Die Friedrichshainer Freizeithistoriker erheben ihr Glas auf ihre tolle Idee. Foto: Angela Hanschke/aha1 Foto: Angela Hanschke/aha1
„Friedrichshain wurde nicht nach dem preußischen König Friedrich II. benannt“, räumt der stellvertretende Ortsvorsteher Andreas-Paul Mekelburg mit einem populären Irrtum auf. „Sondern verdankt seinen Namen dem sächsischen König Friedrich August I“.

Dicht gefolgt von Friedrichsthal im ehemaligen Kreis Senftenberg belegt es in der Rangliste der Niederlausitzer Glashüttengründungen die Nummer 1. Der sächsische Kommerzienrat Michael Helbig, dessen Grabmal in der Sankt Marienkirche Groß Kölzig an den „Vater der einheimischen Glasindustrie“ erinnert, gründete im Jahre 1766 – in der Umbruchsituation nach Ende des siebenjährigen Krieges – inmitten der damals menschenleeren Reuthener Heide die Glashütte, die spätere Keimzelle des Ortes Friedrichshain.

Umbrüche musste Friedrichshain auch in jüngster Vergangenheit verkraften. 1905 wurde die Glashütte zur Aktiengesellschaft umgewandelt. Drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie volkseigener Betrieb und im Wendejahr 1990 erfolgte die Stilllegung. Neun Jahre später wurde der letzte Schornstein auf dem Gelände gesprengt.

Knapp 750 Einwohner zählt Friedrichshain derzeit. Im Jahre 1965 waren es fast doppelt so viele. Die meisten bestritten damals ihren Lebensunterhalt mit der Glasherstellung.

Inzwischen steht auch die gesamte Gemeindevertretung von Felixsee hinter der Einrichtung eines kleinen Glasmuseums. „Das Konzept unserer Arbeitsgruppe hat alle überzeugt“, betonte Karin Lehmann. Es soll jedoch keine Heimatstube im herkömmlichen Sinn entstehen. Zwei Räume im Bürger-, Vereins- und Gemeindezentrum wollen die neun Freizeithistoriker ausschließlich mit den Glaserzeugnissen füllen, die im Laufe der Jahrhunderte in Friedrichshain produziert wurden. Viele Überraschungen seien im geschichtsträchtigen Untergrund des Ortes verborgen, hat Beate Mekelburg erfahren. „In unmittelbarer Nähe der alten Glashütte kommen bereits in geringer Tiefe bei Schachtarbeiten Glasfragmente und ganze Stücke zum Vorschein“, berichtete die Friedrichshainerin, die sich im Amt Döbern-Land zur Gästeführerin ausbilden ließ.

Gemeinsam mit Wilfried Merkel, Susanne Schutzka, Karin und Wolfgang Lehmann, Bärbel Schöbel und Marc Mekelburg sichtete sie den kleinen gläsernen Fundus. Dabei kann die Gruppe auch auf Aufzeichnungen zurückgreifen, die in den 1990er Jahren durch Mitarbeiter des einstigen Instituts für Sozialforschung und Betriebspädagogik Bagenz zusammengestellt wurden.

„Ein großer, teilweise noch unveröffentlichter Schatz ist jedoch die Materialsammlung, die unser vor vier Jahren verstorbener Ortschronist und Autor des Buches ,Friedrichshain – Heimatkundliche Impressionen einer ehemaligen Industriegemeinde' hinterlassen hat. Seine Frau, Beate Müller, hat uns bei einem Gespräch bereits signalisiert, dass wir auf seine Manuskripte zurückgreifen können“, berichtete Andreas-Paul Mekelburg.

Gesucht werden jedoch noch Erzeugnisse, die der Ausstellung leihweise oder als Schenkung überlassen werden. Herzlich willkommen sind aber auch Einwohner, die die Gruppe der Freizeithistoriker noch verstärken wollen.
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Erstellt am: 22. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 22. Februar 2012, 09:25 Uhr
Autor: aha1

aha1

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