14. März 2010, 18:38 Uhr

Gefährliche Untiefen in der Forster Neiße

Forst Der Wassertourismus an der Neiße nimmt zu. Seit Jahren fordert etwa der Wassersportverein Forst eine Beräumung des Flusses von Kriegstrümmern, um die Befahrbarkeit des Flusses im Bereich Forst zu verbessern. Diese Maßnahmen werden auch in einer touristischen Machbarkeitsstudie gefordert. Das Problem: Technische ist das schwer zu meistern und eine Bergung von Trümmern ist teuer.

Schlauchboot auf der Neiße. Wassertouristen sollen nach Forst gelenkt werden. Foto: R-A/privat Foto: R-A/privat
Herbert Schulze vom Wassersportverein ärgert sich. Kriegstrümmer in den Brückenbereichen stellen seiner Ansicht nach „eine Gefährdung für Mensch und Material dar“. Er findet es Schade, dass gerade in diesem attraktiven Bereichen der Neiße Wassertourismus kaum möglich ist. Schulze ist sicher: „Durch diese Umstände wird die angestrebte Entwicklung des Wassertourismus gestört und behindert.“ Bereits im vergangenen Jahr wendete sich der Wassersportverein deshalb an das Landesumweltamt Brandenburg. Doch eine Antwort ließ nach Angaben des Vereines bis heute auf sich warten.

Munition macht es schwer

„Wir sind grundsätzlich dafür zuständig“, sagt Wolgang Genehr. Leiter der regionalstelle Süd des Landesumweltamtes. Doch der Weg zu einer hürdenfreien Befahrung der Neiße dürfte steinig ausfallen. Denn obwohl das Landesumweltamt das Thema auf dem Tisch hat gibt es laut Genehr im Zusammenhang mit der Beräumung zahlreiche Probleme. „Wir haben bereits viel am Gewässerbett gearbeitet“, sagt er. Allein die häufigen Funde von Munition aus dem Weltkrieg mache die Arbeiten kompliziert. Zudem gebe es immer wieder technische Probleme bei der Trümmer-Bergung, erklärt Genehr.



Ein Fiasko habe das Landesumweltamt zuletzt in Guben erlebt und dabei Hundertausende Euro in den Neißesand gesetzt. „Wir haben dort mit schweren Kränen versucht Trümmerteile zu heben“, erzählt der Mann vom Umweltamt. Etwa 400 000 Euro sei damals an eine Firma bezahlt worden. Doch die Trümmer hätten sich nicht einmal bewegt, erinnert sich Genehr. Seitdem sei das Landesumweltamt mit ähnlichen Vorhaben sehr vorsichtig. Zwar könne man das Problem der Wassersportvereine im Zusammenhang mit dem Wassertourismus verstehen, doch auch die Kosten für weitere Versuche seien kaum zu stemmen. „Das ist extrem teuer. Da würde ein ganzes Jahresbudget der Behörde für Südbrandenburg draufgehen“, heißt es vom Umweltamt.

Die Wassersportler finden das Schade. Obwohl nach Angaben von Petra Neumann von Touristinformation die Wildheit des Flusses an manchen Stellen auch ihren Reiz hat. Fest steht für sie in jedem Falle: „Der Wassertourismus ist im Kommen. Es gebe immer mehr Nachfragen von Touristen. Eine Machbarkeitsstudie zur Wassertouristischen Erschließung Brandenburgische Lausitzer Neiße setzt auf eine Beräumung. „Der Ausbauder Infrastruktur muss auf eine Verbesserung der Befahrbarkeit von der Landesgrenze Sachsen bis zur Mündung Ratzdorf abzielen“, heißt es in dem für den Landkreis angefertigten Gutachten. Insbesondere durch den gut entwickelten Radtourismus seien dann Synergie-Effekte zu erwarten. Forst mit seinen Angeboten am Rosengarten ist ein Schwerpunkt. Die Studie sieht Handlungsbedarf mit erster Priorität an den zerstörten Brücken der Rosenstadt.



Daraus wird offenbar kurzfristig nichts. Denn auch die Abstimmung mit den polnischen Nachbarn bezeichnet Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt als „sehr schwerfälligen Prozess.“ Die Deutsch-Polnische Grenzgewässerkommission müsse zu solchen Vorhaben beraten. Dann müsse alles zeitlich und finanziell eingetaktet werden. Aktivitäten dazu seien auf polnischer Seite allerdings nicht all zu groß, heißt es aus dem Amt.

Letztlich würde der Wassersportverein zur Not auch kleinere Brötchen backen. Ihr Vorschlag an das landesumweltamt: „Sollte die Entfernung der Kriegstrümmer in einem unverhältnismäßig hohen Aufwand stehen, wäre die Schaffung von Ein- und Ausstiegshilfen für das gefahrlose Umtragen der Boote sehr hilfreich.“


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Erstellt am: 14. März 2010, 18:38 Uhr
Geändert am: 15. März 2010, 09:21 Uhr
Autor: Von Jan Selmons

Von Jan Selmons

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