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Forst

Forster Wohnungsgenossenschaft verabschiedet sich vom Stadtumbau

Forst. Die Forster Wohnungsgenossenschaft (FWO) liegt mit der Stadtverwaltung und dem kommunalen Konkurrenten, der Wohnungsbaugesellschaft (FWG), über Kreuz: Die Genossenschaft hat die Zusammenarbeit in Sachen Stadtumbau aufgekündigt. Die FWO sieht bei der aktuellen Diskussion über Abriss-Pläne ihre Interessen nicht gewahrt. Stadt und FWG reagieren auf die heftige Kritik mit Zurückhaltung und hoffen auf einen Neuanfang, wenn es zum 1. Dezember einen Chefwechsel an der Spitze der FWO gibt.

19.11.2004
Deutlicher kann man es nicht ausdrücken: Die Forster Wohnungsgenossenschaft «wird an Beratungen und Werkstätten zum Stadtumbau nicht mehr teilnehmen und auch keine Daten mehr liefern» , schrieb FWO-Vorstand Friedbert Winkler (60) in einem Brief an den Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Dietmar Tischer (52, CDU). Kopien gingen an die Fraktionschefs und an Bürgermeister Gerhard Reinfeld (60, CDU).

Große Verunsicherungen
Auslöser für dieses Schreiben waren nach gestrigen Angaben von Friedbert Winkler öffentliche Äußerungen «des Bürgermeisters und des Baudezernenten Jürgen Goldschmidt, wonach alle FWO-Wohnungen am Markt abgerissen werden müssen» . Diese Aussagen hätten zu großen Verunsicherungen bei den FWO-Mitgliedern geführt. Sie äußerten sich besorgt über etwaige Entwicklungen.

Kein Abriss ohne Entschädigung
Von einem Abriss der FWO-Wohnungen am Markt könne aber keine Rede sein, so der FWO-Chef. Dafür gebe es auch keinerlei planerische Grundlage. «Bei einem gegenwärtigen Leerstand von 30 Prozent und mit Blick auf die geflossenen Sanierungsmittel ist es illusorisch, an Abriss zu denken» , so Friedbert Winkler. Dies wäre nur im Rahmen eines «förmlichen Sanierungsverfahrens» möglich. Dies würde dann jedoch Entschädigungszahlungen an die FWO umfassen.
«Wir sind ein Unternehmen, kein Sozialamt» , unterstrich Winkler gestern gegenüber der RUNDSCHAU die Position der Genossenschaft. «Wir sind unseren Mitgliedern verpflichtet.» Die FWO werde nicht an Projekten teilnehmen, «die einen entschädigungslosen Abriss zur Folge haben» .
Zurzeit würde «nur mit Illusionen gearbeitet» , wenn es um die Zukunft des Gebietes rund um die Kirche geht. Was bis heute fehle, sei ein «abgestimmtes, realistisches und finanziell umsetzbares Konzept, das im öffentlichen Disput diskutiert wird» , sagte Winkler weiter. Im Brief an die Stadtverordneten meinte der FWO-Chef: «Wir wollen nicht die Statistenrolle in der phantastischen Oper ,Die wundersame Zentrumsentwicklung von Forst’ spielen.»
Die FWO wünsche sich durchaus eine Zusammenarbeit mit Stadt und Wohnungsbaugesellschaft, schlägt Friedbert Winkler für die Zukunft auch versöhnliche Töne an. «Aber nicht so wie es jetzt läuft. Das wäre zum Schaden der Genossenschaft.»
Ähnlich sieht es Dietmar Averdiek. Er ist nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft, sondern zugleich SPD-Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung: «Wenn über Stadtumbau gesprochen wird, dann muss man mit uns gemeinsam reden. So ist es in den Arbeitskreisen aber nicht erfolgt.» Ein Abriss sanierter Wohnungen mache aus heutiger Sicht keinen Sinn. «Es ist kein Druck vorhanden, da es keine Alternativen gibt.» Der Aufsichtsrat werde sich demnächst mit dem Thema und dem Brief beschäftigen.
Auf die Zukunft hofft Vize-Bürgermeister und Baudezernent Jürgen Goldschmidt. Er will sich die Ver stimmung im Rathaus nicht anmerken lassen: «Wir sind weiter an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der FWO interessiert und werden alles dafür tun, den städtebaulichen Vertrag einzuhalten.» Über den Brief werde er mit dem neuen FWO-Vorstand Günter Fuderholz sprechen, so Goldschmidt. Der 57-jährige Berliner tritt am 1. Dezember die Nachfolge von Friedbert Winkler an.
FWG-Geschäftsführer Uwe Engelmann (44) will auf RUNDSCHAU-Anfrage ebenfalls keinen Kommentar zum Rückzug der Genossenschaft aus dem Stadtumbau abgeben. Auch er setzt auf den Neuen in der FWO: «Wir hoffen, gemeinsam mit dem Nachfolger die Ansichten, die Herr Winkler vertritt, korrigieren zu können.»

Mit dem Neuen auf einer Linie
Vielleicht setzen Goldschmidt und Engelmann da aber aufs falsche Pferd: «Das Vorgehen ist mit Günter Fuderholz abgestimmt. Die Linie ist hart, aber konziliant» , so der scheidende FWO-Vorstand Friedbert Winkler.
Hintergrund Forster Wohnungsgenossenschaft
Die Forster Wohnungsgenossenschaft (FWO) hat nach eigenen Angaben 1667 Wohnungen im Bestand und zählt zurzeit gut 1000 Mitglieder. Rund um den Markt verfügt die FWO über etwa 150 belegte Wohnungen. Von der Debatte unmittelbar betroffen sind somit laut Vorstand Friedbert Winkler etwa 300 Menschen.

Von Tilo Winkler
 
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