Filialschulen als Rettung?
Amtsausschuss soll am heutigen Donnerstag Döberns neue Schullandschaft beschließen
Mit Filialschulen soll der Amtsausschuss die von der Schließung bedrohten Grundschulen in Döbern-Land in letzter Minute zu retten. Am heutigen Donnerstag sollen die Amtsausschussmitglieder dazu in einer Sondersitzung einen Beschluss fassen. Nur worüber entscheiden sie eigentlich?
Das Problem: Der demografische Wandel schlägt in Döbern auf die Grundschulen durch. Laut vorläufiger Anmeldezahlen stehen für das kommende Schuljahr in Döbern 34 Erstklässler bereit, in Groß Schacksdorf 14 und in Wadelsdorf sieben. Zwar läuft die Anmeldefrist noch bis 28. Februar, doch die überwiegende Mehrheit der Eltern hat sich bereits entschieden. Abzuwarten bleibt, wie viele Kinder an der evangelischen Grundschule in Groß Kölzig angenommen werden. Geplant ist, nicht mehr als 22 oder 23 Kinder aufzunehmen. Aus dem Amtsgebiet liegen derzeit 22 Anmeldungen vor.
Die Folgen: Das Staatliche Schulamt hat die Amtsverwaltung bereits informiert, dass angesichts der derzeitigen Anmeldezahlen weder in Groß Schacksdorf noch in Wadelsdorf eine Klassenbildung genehmigt wird. In Schacksdorf ist die Lage besonders prekär, wie Mike Lenke, Fachbereichsleiter für die Schulen im Amtsbereich, erläutert. Da dort bereits in den Vorjahren der Frequenzwert unterschritten wurde, drohe eine rasche Schließung der Schule. Das Schulamt hat die Leiter der betroffenen Grundschulen zum Gespräch geladen. „Es brennt lichterloh“, fasst Amtsdirektor Günter Quander (parteilos) die Lage zusammen.
Die Konsequenzen: Sollte das Schulamt die Klassenbildung tatsächlich nicht genehmigen, würden die Schüler auf andere Schulen aufgeteilt. „Ob sie dann nach Döbern kommen oder nach Forst oder Spremberg, wissen wir nicht“, warnt Lenke. Die Döberner Grundschule könne notfalls eine zusätzliche Klasse aufnehmen. Das wäre angesichts des baulichen Zustands aber nur eine Notlösung. Für die Oberschule wäre ein Abzug der Schüler Richtung Forst und Spremberg fatal. „Das wäre der Tod für die Oberschule“, bringt es der ehemalige Oberschulleiter Andreas Steiger drastisch auf den Punkt.
Die Lösung: Als letzen Ausweg will der Amtsausschuss ein Filialschulenkonzept umsetzen. Die Anregung stammt aus dem Kreis-Bildungsausschuss. Bisher hatte der Bildungsbeirat des Amtes lediglich über eine Zentralisierung diskutiert, für die aber ein Neubau in Döbern nötig wäre.
Die offenen Fragen: Alle drei Grundschulen im Amt müssten dafür geschlossen und gleichzeitig eine neue Grundschule gegründet werden. Deren Zentrale steht in Döbern. Schacksdorf und Wadelsdorf werden als Filialen weitergeführt. „Eine Schule, eine Schulleitung, zwei Außenstellen“, fasst Lenke das Konzept zusammen. Das Schulamt würde anhand der Schülerzahlen die Lehrer für die Schule zuteilen. Die Schulleitung müsste dann überlegen, wie sie mit diesem Personal an allen drei Standorten Unterricht absichert. „Ob das Schulamt die höheren Fahrtkosten trägt, ist fraglich“, so Lenke. Denn nicht die Kinder sollen pendeln, sondern die Lehrer. „Es gibt verschiedene Varianten“, gibt Quander zu bedenken. So ganz genau weiß noch niemand, wie das Konzept einer Filialschule für Döbern-Land aussehen soll. Eine vergleichbare Lösung gibt es in der Region bisher nicht, Alternativen aber auch nicht. „Das ist der Kompromiss, um die beiden Schulstandorte zu erhalten“, sagt der Amtsausschussvorsitzende Egbert S. Piosik. Die Sondersitzung im Feuerwehrgerätehaus beginnt um 19 Uhr.
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 09. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 13. Februar 2012, 15:53 Uhr
Autor: Eine Analyse von Bodo Baumert

Jüngste Kommentare (2)
Gibt es Erfahrungen mit dieser Schulform?
von katzcilla
Arbeiten schon Schulen nach diesem Modell? Ich kann mir nicht vorstellen wie, gerade bestimmte Fachlehrer , zwischen den Stunden die einzelnen Schulstandorte wechseln und trotzdem noch für die Schüler ansprechbar sein sollen. Außerdem sind die sieben Wadeldorfer Erstklässler irgendwann in der Situation eine weiterführende Schule besuchen zu müssen. Man kann sich den Schock vorstellen, wenn sie dann plötzlich in einer Klasse mit 30 Schülern sitzen. Klassen mit 10-15 Schülern mögen zwar schön sein, sind aber völlig realitätsfremd.
wiedermal
von nine1011
etwas alternativlos!! „Ob das Schulamt die höheren Fahrtkosten trägt, ist fraglich“, so Lenke. Ja wo leben wir denn?? Der Herr Lenke rechnet seine Dienstfahrten bestimmt immer fein säuberlich ab,oder!? Wenn 15 Kinder in Groß Schacksdorf angemeldet werden, was dann Herr Lenke? Ihr seit einfach unfähig!! Vielleich gibt es ja für einige Entscheidungsträger im Schulamt eine Alternative!?