Wölfe
Ein Jäger hat mit einer Fotofalle ein seltenes Foto geschossen: zwei Wölfe im Morgengrauen. Foto: PRIVAT
"Immer wieder erzählen Jäger, aber auch Waldbesitzer davon, sie hätten einen Wolf gesehen. Ich wollte es genau wissen, ob es in unserem Revier tatsächlich welche gibt", sagt Reinhard Bock. Bisher gab es lediglich Vermutungen – und Spuren. "In unserem Revier haben wir vier Verbisse festgestellt – Rehe, die durch einen Kehlenbiss getötet wurden. Wir sind uns sicher: Das kann nur der Wolf gewesen sein." Jetzt kann Reinhard Bock erstmals den Beweis vorlegen: Isegrim hat sich unsere Wälder erobert.

Fünf Fotofallen hat der "Herzblutjäger", wie er sich selbst nennt, im Revier aufgestellt – meist an den sogenannten Kirrplätzen, wo Jäger Nahrung als Lockfutter verstreuen. Einer dieser Plätze befindet sich nur 500 Meter von Breitenau entfernt. Hier hat die Fotofalle am 22. Januar um 8.27 Uhr zugeschnappt. Das Bild zeigt zwei Wölfe in nächster Nähe – "vermutlich handelt es sich um einen Rüden und um eine Fähe, also um Männchen und Weibchen", hätten auch seine Jagdgenossen bestätigt.

Zwei Wölfe bei Breitenau fotografiert
Reinhard Bock an der Fotofalle. Foto: Dieter Babbe
Reinhard Bock hat nichts gegen die Wölfe. "Wir können es ohnehin nicht verhindern, dass sie wieder zu uns kommen." Allerdings gehört er zu jenen, die das Raubtier nicht bedingungslos akzeptieren wollen. "Von bekannten Jägern in Polen und Kasachstan weiß ich, dass Wölfe auch Probleme machen können, wenn sie zu große Schäden bei Nutztieren anrichten." Sein Foto beweise, dass die Wölfe unseren Dörfern und damit auch den Menschen sehr nahe kommen. "Problemwölfe sollten auch geschossen werden dürfen", meint Reinhard Bock – wohl wissend, dass das in Brandenburg verboten ist. Der 61-Jährige war zeit seines Lebens Spediteur – bereits zu DDR-Zeiten ist er durch Osteuropa, nach der Wende mit dem Lkw kreuz und quer durch Deutschland gefahren. Im Jahre 2004 hat er seinen Jagdschein gemacht – um, wenn er sich beruflich zur Ruhe setzt, seiner Leidenschaft nachgehen zu können. "Schon als Kind bin ich mit meinem Onkel zur Jagd gegangen – und habe Feuer gefangen." Längst kennt der gebürtige Breitenauer, der im vorigen Jahr seine Firma aufgegeben hat, jede Ecke im mehr als 1400 Hektar großen Revier, das er sich mit drei anderen Pächtern teilt. Täglich ist er hier unterwegs – am Tage, nachts, beobachtet das Wild. Doch Reinhard Bock sieht sich auch als Heger. 13 Waschbären, elf Marderhunde und sieben Füchse hat er mit seinen Mitjägern im Jagd-Jahr, das bis März geht, bereits geschossen – Tiere, die überhandnehmen und Schaden insbesondere in der heimischen Vogelwelt anrichten. Durch den Abschuss von insgesamt 79 Wildschweinen werden die Wildschäden auf den Äckern in Grenzen gehalten. Ein kapitaler Hirsch war bisher sein bestes Stück.

Die Wölfe sind bereits unter uns. Das kann auch Stefan Lindner von der Unteren Jagdbehörde beim Landkreis bestätigen. "Wölfe und ihre Spuren, wie Rissen am Wild, sind in der Annaburger und in der Rochauer Heide von Jägern schon mehrfach gesehen worden." Dass es sich bei den fotografierten Wölfen von Breitenau um einen Rüden und eine Fähe handelt, könne man wegen der unterschiedlichen Größe nur vermuten – es könnten auch vom Rudel verdrängte Tiere unterschiedlichen Alters sein. Die Aufnahme sei auf jeden Fall bisher einmalig für unsere Region. Für Stefan Lindner steht fest: "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich in der Babbener Heide und damit im Landkreis ein Rudel Wölfe ansiedelt."

Übrigens: In dieser Woche haben Reinhard Bock und Wolfgang Bernau, ein Jäger, der ihn oft begleitet, erneut einen Wolf gesichtet: mitten in der Nacht, nur 100 Meter von Breitenau und unweit der dortigen Milchviehanlage entfernt.