20. Dezember 2011, 00:00 Uhr

Tragbarer Lebensretter im Klinikum Elbe-Elster

Gerät kann Lungen- und Herzfunktionen ersetzen

Herzberg In der Intensivstation des Klinikums Elbe-Elster in Herzberg steht den Ärzten jetzt eine neuartige Herz-Lungen-Maschine zur Verfügug. 80 000 Euro hat das Klinikum investiert. Das Gerät ist auch im Rettungswagen und Hubschrauber einsetzbar.

Die neue Herz-Lungen-Maschine im Kleinformat zeigt Krankenschwester Petjana Schünke. Chefarzt Dr. Torsten Encke und Klinikum-Geschäftsführer Michael Neugebauer freuen sich über die Investition, die den Ärzten dabei helfen kann, Leben zu retten. Foto: Veit Rösler Foto: Veit Rösler
Noch immer schwer im Magen liegt Dr. Torsten Encke, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Herzberg des Elbe-Elster Klinikums, der Tod einer sehr jungen Patientin vor etwa einem Jahr. Alle Reanimationsbemühungen waren vergeblich. „Wir hatten es mit einer so massiven Lungenembolie zu tun, dass wir mit herkömmlicher Methode nichts mehr tun konnten“, erzählt der Intensivmediziner. Eine jetzt am Klinikum Elbe-Elster in Herzberg angeschaffte neuartige Herz-Lungen-Maschine soll in vergleichbaren Fällen die Überlebenschance eines Patienten deutlich erhöhen. Klinikum-Geschäftsführer Michael Neugebauer, Chefarzt Dr. Torsten Encke und Matthias Schön, Leiter Medizincontrolling am Klinikum, präsentierten jetzt die Neuanschaffung. Und das mit besonderem Stolz, weil ein solches Gerät in einem Haus der Herzberger Größenordnung mit seinen 170 Betten nirgendwo sonst im Land Brandenburg zu finden sei. Lediglich das Klinikum in Frankfurt (Oder), ein Haus der Schwerpunktversorung, verfüge bisher über ein solches Gerät.

Michael Neugebauer: „Die Idee ist vor etwa einem Jahr von Dr. Encke an mich herangetragen worden. Und wenn wir aus eigener Kraft investieren können, dann tun wir das – und zwar in die Medizin.“ Einigermaßen enttäuscht habe er das erste Mal auf das in Aktentaschengröße recht bescheiden aussehende Gerät geblickt, für das die Klinik aus eigenen Mitteln 80 000 Euro lockergemacht hatte. „Dafür hatte ich mir ehrlich gesagt etwas Spektakuläreres vorgestellt“, schmunzelt Neugebauer. Doch Dr. Encke konnte mit guten Argumenten überzeugen, dass die Investition richtig sei. „Das Gerät ist sehr gut geeignet, im Falle eines Versagens der Lunge oder wenn Lunge und Herz-Kreislauf-Funktionen gleichzeitig aussetzen, einzuspringen“, erklärt der Spezialist. „Und dies kann nicht nur bei seltenen Erkrankungen, sondern auch bei Volkskrankheiten wie schwerster Herzmuskelschwäche und Herzinfarkt zur Lebensrettung notwendig werden“, ergänzt er. Es sei in der Lage, diese Funktionen über einen Zeitraum von bis zu 30 Tagen zu übernehmen. Damit könne es entweder eine Genesung des Patienten im eigenen Hause oder eine Verlegung in eine Spezialklinik wie die Herzklinik in Coswig ermöglichen.

„Wir haben uns die möglichen Geräte genau angesehen und uns für das der Firma Maquet entschieden. Es ist so handlich, dass es sogar im Krankenwagen und im Hubschrauber eingesetzt werden kann“, erklärt Michael Neugebauer. Außerdem sei im Vorfeld mit der Klinik in Coswig, dem Rettungsdienst im Landkreis und dem Flugrettungsdienst gesprochen worden, um einen reibungslosen Einsatz des Gerätes vorzubereiten. Von Fachleuten des Herstellers begleitet, haben sich Ärzte und Schwestern der Anästhesie und Intensivmedizin auf den Einsatz vorbereitet. Im neuen Jahr werden Rettungssanitäter und Notärzte geschult. Zwar sei die Zahl der Anwendungsfälle mit etwa fünf im Jahr relativ gering, doch könne das Gerät in jedem Einzelfall Leben retten helfen. „Aus wirtschaftlicher Sicht kann man angesichts der Fallzahlen keine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmachen“, so Michael Neugebauer. Dennoch weiß er die Zustimmung der Krankenkassen hinter sich. Herzberg liege nun einmal auf dem flachen Land und relativ weit entfernt von Spezialkliniken. Und die demografische Entwicklung müsse man auch berücksichtigen, ergänzt Mathias Schön. Ralf Krauss von der Herstellerfirma ist überzeugt, dass das Klinikum Elbe-Elster nun mit dem kleinsten und leichtesten Lebenserhaltungssystem der Welt versorgt ist.

Für Dr. Torsten Encke ist es ein bedeutsamer Qualitätssprung in der Leistungsfähigkeit der Intensivmedizin am Klinikum.
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Erstellt am: 20. Dezember 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 20. Dezember 2011, 02:31 Uhr
Autor: Von Gabi Böttcher

Von Gabi Böttcher

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