19. Mai 2010, 00:00 Uhr

Studie für Hundertwasser-Bau in Finsterwalde ist da

Chancen und Risiken eines Stadthallen-Hotel-Ensembles in Finsterwalde vorgestellt

Finsterwalde Jetzt hat Finsterwalde die Chance, erstmals auf der Welt mitten in einer Stadt ein einzigartiges Ensemble aus Sängerstadthalle und Hotel im Hundertwasser-Stil entstehen zu lassen. Die Studie ist vorgelegt worden.

So wie das Hotel in Bad Blumau könnte auch das Hundertwasserhotel in Finsterwalde aussehen.
Eingefädelt hat alles noch Bürgermeister a. D. Johannes Wohmann (FDP). Er hatte wenige Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit den Stadtverordneten einen Beschluss abgerungen, wonach eine Machbarkeitsstudie angefertigt werden und belegen soll, dass ein solcher Prestigebau der Sängerstadt einen ganz besonderen Schub in ihrer Entwicklung geben würde. Jetzt liegt das 35 000 Euro teure Dokument vor. In dieser Woche stellte es Elmar Kunz von der beauftragten Wiesbadener Beratungsfirma ghh consult GmbH den Stadtverordneten und ausgewählten Vertretern der Öffentlichkeit vor.

Kunz, ausgewiesener Beratungsspezialist für Hotelbauten, belegte mit den Ergebnissen einer Umfrage unter 100 Unternehmen der Stadt und der Region, an der sich 27 Firmen beteiligten, dass ein gutes Mittelklassehotel mit Drei-Sterne-Standard gewünscht werde. Bemängelt wurde, dass hiesige Hotels keine räumlichen Möglichkeiten für Seminare und Tagungen hätten. Auch habe Finsterwalde mit seiner zentralen Lage zwischen Berlin, Dresden und Leipzig sowie in Spreewaldnähe durchaus das Potenzial, noch mehr Touristen anzulocken - als Sängerstadt insbesondere die Chöre aus ganz Deutschland. Allerdings müsse dieses Potenzial erst geweckt werden, es sei völlig unterentwickelt. Grund: »Die Stadt ist in Deutschland noch zu wenig bekannt.«

Bei der Machbarkeit des Projektes unterschied Elmar Kunz zwischen dem Hotel und der Sängerstadthalle. Während er das Hotel mit etwa 90 Zimmern - um hier Busladungen, Geschäftsreisende und Touristen gleichzeitig unterzubringen - mit einem Investitionsaufwand von 8,3 Millionen Euro für realisierbar hält, macht er bei der Stadthalle deutliche Abstriche. Hier schluckten die meisten Teilnehmer der Runde schon, als die Kosten von 16 Millionen Euro genannt wurden - deutlich mehr als bisher von Wohmann behauptet. Kunz rechnete an Zahlen über angenommene Veranstaltungen und Besucher vor, dass eine solche Halle auch nach zehn Jahren noch ein dickes Minus von 800 000 Euro einfahren würde. Zudem begeisterten sich private Investoren für ein solches Vorhaben wohl kaum, was bedeute, das Haus fiele voll der Stadtkasse zur Last.

Planer Kunz erwähnte aber auch: Ein solcher einmaliger Hundertwasserbau würde Finsterwalde schlagartig ins Licht der nationalen und internationalen Öffentlichkeit rücken. Davon profitierten nicht nur die mehr als 100 Beschäftigten, sondern auch Handel, Gastronomie, Kultur der Stadt, im Übrigen auch die hiesigen kleinen Hotels. Diese befürchten noch eine ernste Konkurrenz und lehnen das Projekt ab. 800 000 Euro sei die Summe, die die Stadt jährlich für ihre Sportstätten ausgebe, ohne den Effekt zu erzielen, den der Hundertwasserbau haben könnte, hielt Wohmann zu den Kosten entgegen.

Auch die städtische Wirtschaft steht hinter dem Alt-Bürgermeister. Unternehmen würden viel Geld in der Stadt investieren, sagte Kjellberg-Stiftungsvorsitzender Norbert Pietsch. Ein Hundertwasserbau würde Finsterwalde in der Welt bekannt machen - und die Firmen auch.
Am Altenpflegeheim ist Platz für ein neues Ensemble. Archiv: Seidel
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Erstellt am: 19. Mai 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 19. Mai 2010, 09:43 Uhr
Autor: Von Dieter Babbe

Von Dieter Babbe

Jüngste Kommentare (1)

Hundertwasser lohnt sich!

von Amatrixxx

Ich wohne seit langem in der Nähe von Magdeburg. Als dort das Hundertwasser-Haus gebaut wurde, war die Erregung darüber sehr groß. Jetzt nach vielen Jahren ist der Stolz der Magdeburge über "Ihr" Hundertwasser-Haus unermesslich. Es hat das Stadtbild um vieles bereichert und ist ein echter Anziehungspunkt für viele hunderte Menschen täglich. Ich selbst habe schon mehrmals an Führungen teilgenommen.
Das völlich privat finanzierte Haus hat sich schon nach den ersten Jahren von allein getragen und bringt seinen Anteilseignern nun gute Gewinne ein. Es befinden sich ein Hotel, mehrere Wohnungen, Physiotherapiepraxis, ein Cafè und viele kleine Geschäfte in diesem Bau.
Ob wie in Finsterwalde angedacht eine extravagante Stadthalle dazu Sinn gibt, das will ich mal bezweifeln. Allein die Auslastung einer Halle im angedachten Kostenrahmen wird die Größe von Finsterwalde nicht hergeben. Größenwahn wie bei der Schwimmhalle wird auf Dauer eben zu teuer.

Fazit: Hundertwasser-Hotel ja / Stadthalle nein

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