Mit 6 in Mathe zur Kopfrechen-WM
Während andere Jugendliche jedes Wochenende auf Party gehen oder sich um ihre Liebschaften kümmern, sitzt Robin Wersig zu Hause vor dem Computer und hat nur eins im Kopf: Zahlen. Jede freie Minute nutzt der Massener, um zwischen den Jahrhunderten zu springen und die Wochentage für bestimmte Daten zu bestimmen. Für diese Gedankenleistung hat der 25-Jährige im Juli den 3. Platz bei der Weltmeisterschaft im Kopfrechnen belegt.
Robin Wersig kann zu allen Daten vom 16. bis zum 21. Jahrhundert die Wochentage im Kopf bestimmen. Dieses Kalenderrechnen ist eine Aufgabe bei der Kopfrechen-Weltmeisterschaft in Leipzig gewesen, an der er im Juli teilgenommen hat. Der Massener versucht zu erklären, was der Trick dahinter ist und erzählt etwas von einer «einfachen Formel» und von 6000 Zahlenkombinationen aus einem ewigen Kalender, den er drei Monate vor der Meisterschaft begonnen habe auswendig zu lernen und dadurch Zeit sparen konnte.
Die Weltmeisterschaften in Leipzig haben sich wie folgt abgespielt: 28 Teilnehmer aus der ganzen Welt, unter anderem Inder, Spanier, Engländer und Peruaner, saßen gespannt in einem Raum und bekamen die Arbeitsblätter vor sich mit der Schrift nach unten hingelegt, so dass die Aufgaben noch nicht zu sehen waren. Erst nachdem die Aufpasser den Satz: «Neurons: On the ready, go!» gesagt haben – auf Deutsch könnte das als «Neuronen fertig los» – übersetzt werden, ging es los. 55 zufällig ausgewählte Daten aus dem Zeitraum 01.01.1600 bis 31.12.2100 standen auf dem Zettel. Eine Minute hatten die Teilnehmer Zeit, dahinter zu schreiben, ob es sich nun um einen Montag, Mittwoch oder anderen Wochentag handelt. Wersig schaffte auf Anhieb 33 und landet damit auf Platz 3 gemeinsam mit Fernseh-Star Rüdiger Gamm, der bereits in vielen TV-Shows mit seinen Kopfrechenkünsten begeisterte.
Die nächste Herausforderung, der sich Robin Wersig in Leipzig stellte, war Addition. Die Aufgabenstellung kommt einem Zungenbrecher gleich: Zehnmal müssen zehn zehnstellige Zahlen untereinander miteinander addiert werden. Wie sollte es auch anders sein, hatte der Massener und seine Mitstreiter für die zehn Berechnungen auch zehn Minuten Zeit. Der 25-Jährige schafft fünf Aufgaben, davon drei richtige.
Dass Robin Wersig ein Naturtalent im Rechnen ist, lässt sich nicht gerade behaupten. Denn auf dem Zeugnis der 11. Klasse des Gymnasiums steht in Mathe eine glatte 6. Deshalb musste er im Jahr 2000 auch vorerst die Schule abbrechen. Das sei ein wenig selbst verschuldet gewesen, muss er zugeben. Wenig Motivation gepaart mit Orientierungslosigkeit, wo es im Leben hingehen soll, seien die Gründe für die schlechten schulischen Leistungen gewesen, erzählt er. Doch beim Fachabitur drei Jahre später am Oberstufenzentrum Finsterwalde sahen die Ergebnisse dann schon viel besser aus. Dort hatte Wersig in Mathe plötzlich die Note 1.
Die Faszination für Kopfrechnen entstand aber im Privatleben des Robin Wersig. Und da sieht das Programm des Masseners äußerst vielfältig aus. Vor allem Zaubertricks und Denkaufgaben faszinieren den 25-Jährigen. Dazu fährt er noch Einrad, spielt ein wenig Gitarre und jongliert – alles Dinge, die irgendwie mit Konzentration, Kopfarbeit und Körperbeherrschung zu tun haben. Vor sieben Jahren ist ihm dann in einem Fachgeschäft für Zaubereibedarf ein Handbuch eines Magiers in die Hand geraten, in dem das Kalenderrechnen erklärt steht. Anfangs habe ihn die nötige Denkarbeit noch überfordert, sagt Robin Wersig. Doch irgendwann habe es ihn so sehr gewurmt, dass er nicht genügend Willenskraft an den Tag legt, woraufhin er das neue Aufgabengebiet intensiv ergründete.
Was ihn antreibt? Es habe schon etwas damit zu tun, etwas zu beherrschen, was nicht jeder kann, gibt Wersig zu. Dafür arbeitet er auch hart, sitzt oft auch am Wochenende vor dem Computer und versucht ständig, seine Lösungszeiten zu verbessern. «Wenn ich merke, ich brauche anstatt fünf nur noch 4,92 Minuten für eine Aufgabe, ist das ein großer Erfolg.»
Gegenwärtig möchte der Massener seine Multiplikationsfähigkeiten steigern, um auch in dieser Kategorie im nächsten Jahr bei der Weltmeisterschaft dabei sein zu können. Ein Freund hat ihm dafür ein Computer-Programm geschrieben, mit dem Wersig momentan in das Training einsteigt. Seine Kumpels schauen ihn oft schief an und wundern sich, wie er mit solchen Freizeitbeschäftigungen zufrieden sein kann anstatt auf Partys zu gehen. Auf der anderen Seite wundert sich Robin Wersig dann, was seine Kumpels antreibt, jedes Wochenende die gleichen Partys zu besuchen. Und noch viel verwunderter ist er immer, wenn sich Frauen und Männer mit Beziehungsproblemen herumplagen und trotzdem nichts richtig ändern würden. «Das ist für mich nicht logisch» , erzählt der junge Herr.
Kinder seien da viel einfacher, die sagen ehrlich was sie fühlen und handeln danach, sagt Robin Wersig. Mit Kindern wolle er auch in Zukunft arbeiten, erzählt der frisch gebackene Erzieher, der seine Ausbildung am Oberstufenzentrum im Juli als Jahrgangsbester beendet hat und nun auf Antworten zu seinen Bewerbungen wartet. Am liebsten will Robin Wersig in der Region bleiben und in einem Schulhort arbeiten. Dort möchte er neben den normalen Aufgaben den Schülern gern seine Kopfrechenkünste weitergeben. Er könne sich außerdem vorstellen, zusätzlich Kurse an Schulen anzubieten, um die Faszination an Zahlen auch anderen zu vermitteln.
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Erstellt am: 11. August 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 11. August 2008, 13:05 Uhr
Autor: Von Christian Mathea

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