Erstmals in Finsterwalde: Mieter ziehen aus für neuen Aufzug im Treppenhaus
Finsterwalde
Fünfte Etage, ganz oben, links - dort wohnen Lisette (66) und Kurt Krause (73) in der Saarlandstraße 25. Und das schon von Anfang an, als der Wohnblock 1973 als einer der ersten im Finsterwalder Südkomplex errichtet wurde. Langsam fällt Krauses das Treppesteigen immer schwerer. Doch da kommt eine gute Nachricht vom Vermieter: Der Aufgang bekommt einen Fahrstuhl. Einen ganz besonderen sogar.
Mieter können eine Woche lang nicht in ihre Wohnung, weil weder Treppe noch Fahrstuhl hinführt. So sieht der entkernte Aufgang aus. Foto: pr Foto: pr
Die bisher nachträglich ein- oder angebauten Fahrstühle haben, so bequem sie sind, auch Nachteile. Entweder sie fahren nur bis zur halben Treppe und ein Rollstuhlfahrer schafft nicht die letzten Stufen bis zu seiner Wohnung. Oder die Aufzüge werden, weil 20 Zentimeter dicke Decken aufgesägt werden müssen, unter viel Lärm installiert, außerdem geht Wohnraum dabei verloren. Nicht so im Aufgang von Lisette und Kurt Krause. Hier, wie in den Eingängen 11, 17 und 21, will die Wohnungsgenossenschaft erstmals den Fahrstuhl im Treppenhaus einbauen. »Das haben wir uns im thüringischen Weida angesehen, wo die Mieter begeistert sind«, erklärt Gerhard Münchow, Vorsitzender der Wohnungsgenossenschaft. Wie der Einbau funktioniert, erläutert Ronny Mühlberg von der Chemnitzer Planungsfirma I.A.K. so: Das gesamte Treppenhaus werde mit der Fassade abmontiert, nur das Podest vor den Wohnungstüren bleibe. Dann würden neue durchgängige Treppen zu den Etagen eingebaut, dazu ein Podest, das zum Fahrstuhl führt, der außen angebaut wird. Damit könne ein Rollstuhlfahrer vom Eingang ohne eine Stufe bis in jede Wohnung und sogar bis in den Keller fahren. Während die Bauzeit pro Eingang 15 Wochen dauern werde, seien die Wohnungen davon eine Woche lang nicht passierbar - weil die Treppen nicht mehr und der Fahrstuhl noch nicht da seien. »Für diese Zeit müssen wir mit und für jeden einzelnen Mieter eine Bleibe finden«, sagt Münchow - sieht darin aber kein Problem.
Gerhard Münchow
Die Wohnungsgenossenschaft hat selbst zwölf Gästewohnungen. »Andere werden für die kurze Zeit lieber zu ihren Kindern oder zu Verwandten ziehen oder sie fahren in den Urlaub.« Frühestens im April 2011 soll Baustart sein. Der Vermieter hofft, den Fahrstuhleinbau in den vier Eingängen mit dem höchsten Fördersatz bezuschusst zu bekommen. Das sind immerhin 60 Prozent der Kosten und bis zu 15000 Euro pro Wohnung. »Wir bekommen das Geld nur, weil der Wohnblock sich noch in der Gebietskulisse für den Stadtumbau befindet, also ein Abriss ausgeschlossen ist«, so Münchow. Er hofft, den Leerstand, der sich bei der Wohnungsgenossenschaft in den letzten Jahren bei etwa zehn Prozent eingepegelt hat, mit den dann 140 Fahrstühlen in den insgesamt 2800 Wohnungen weiter stabilisieren zu können.
Lisette und Kurt Krause aus Finsterwalde freuen sich schon aufs Fahrstuhlfahren. Fotos:db
Lisette und Kurt Krause sind jedenfalls froh, dass sie ihre vertraute Umgebung auch im hohen Alter nicht verlassen müssen. »Wir haben hier Wurzeln geschlagen und verstehen uns gut in der Hausgemeinschaft. Die Wohnung ist im Winter warm und ab dem Frühjahr haben wir einen schönen Blick ins Grüne zur Schule rüber. Und der Weg bis zu unserem Gärtchen in der Pflaumenallee ist nicht weit.« In der Datsche wollen sie die eine Woche auch übernachten, wenn der Fahrstuhl ins Treppenhaus kommt.
Jüngste Kommentare
Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden