04. Februar 2012, 00:00 Uhr

Finsterwalder Tierpfleger werden zu Wasserträgern

Wie Affe, Esel und Co. auf den Frost reagieren / Ausgehverbote und andere Speisepläne

Finsterwalde Wer jetzt die Waschbären im Tierpark sehen will, braucht Glück. Die sonst so munteren Gesellen halten Winterruhe, lassen sich nur alle paar Tage mal blicken. Die Nasenbären und die Affen können sich in ihre Behausung zurückziehen, wenn ihnen der Frost zu sehr ins Fell zwickt. Aras, Enten und die winzigen Weißbüscheläffchen haben sogar strenges Ausgehverbot.

Beate Möbius hat den beiden Weißhandgibbons Mufti und Wilma soeben eine Ration frischen Obst- und Gemüsesalat ins Haus gebracht. „Paprika, Gurke, Apfel, Birne, Banane und Melone – alles, was es jetzt so gibt, ist darin verarbeitet. Nur Saures mögen sie nicht“, weiß sie. Seit fünf Jahren gehört die gelernte Rinderzüchterin aus Massen zu den acht Mitarbeitern des Finsterwalder Tierparks. Die zweistelligen Frostgrade stellen nicht nur die Bewohner, sondern auch die Mitarbeiter vor ungewohnte Herausforderungen. Die Tierpfleger werden jetzt im wahrsten Sinne des Wortes zu Wasserträgern. „Die Wasserleitungen im Gelände sind abgestellt, damit sie nicht einfrieren. Wir tränken jetzt zwei- bis dreimal am Tag per Eimer“, erklärt Thomas Hecht, amtierender Leiter. Das bedeutet öfter weite Wege, denn große Mengen Wasser würden bei minus 15 Grad Celsius Lufttemperatur selbst im Stall zum Eisblock gefrieren.

Ganz unterschiedlich reagieren die Bewohner des Tierparks auf die Eiseskälte. Die Mantelpaviane verschränken die Arme vor dem Bauch, um dem Wind die Angriffsfläche zu nehmen. Den Uhus und Luchsen ist der Frost egal, auch das Damwild ignoriert den Stall. Die Esel, Zebrahengst Hermann und auch die beiden Dingos, die Veteranen im Tierpark, ziehen sich gern in ihre vier Wände zurück. Wer kann, hascht nach wärmenden Sonnenstrahlen. Die Weißbüscheläffchen haben Stubenarrest. Nur durch die Scheibe sieht man sie in ihrem 22 Grad molligen Häuschen.

„Das Füttern im Freien haben wir jetzt fast gänzlich abgestellt. In den beheizten Räumen läuft es normal. Weniger Arbeit macht es im Winter nicht, weil die Tiere mehr Energie für die Körperwärme brauchen“, erzählt Thomas Hecht. Die Eulen bekommen ihre Eintagsküken am Abend, die Luchse ihre Fleischration am Morgen. Das Damwild muss sich mit gequetschtem Hafer und Heu zufriedengeben.

Der bisher milde Winter hatte in den Gehegen und Volieren zuweilen schon Frühlingshoffnung geweckt. „Bei den Sittichen war das deutlich zu spüren“, hat Hecht beobachtet. Die Rufe des Zwergziegenbocks Mephisto – vorübergehend aus dem Herzberger Tierpark ausgeborgt, damit er die meckernden Zwergziegendamen in Finsterwalde beglückt – haben dagegen nichts mit Frühlingsgefühlen zu tun. Die Ziegen haben ihren eigenen Rhythmus.

Zum Thema:

Im Jahr 2011 wurden im Finsterwalder Tierpark 20 200 zahlende Besucher gezählt – etwa 3000 mehr als 2010. Dazu kommen noch die Jahreskarteninhaber und die Kinder unter vier Jahren, die freien Eintritt haben.Im Tierpark leben 220 Tiere in 45 Arten.2012 sind bauliche Veränderungen am Affenhaus geplant und weitere Arbeiten an der Bühne.Das Tierparkfest wird in diesem Jahr am 5. August gefeiert.
Die Pfauen sind ein Farbtupfer im tristen Wintergrau des Tierparks. Ob das gelegentliche Radschlagen den Frühling ankündigt?
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Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 06. Februar 2012, 09:43 Uhr
Autor: Von Heike Lehmann

Von Heike Lehmann

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