Dreharbeiten in Sonnewalde: Jessica Ahlwarth interviewt André Vorwerk. Foto: Pötzsch/top1 Foto: Pötzsch/top1
Man mag es kaum glauben, doch auf Nachfrage äußerten die meisten Jugendlichen, alle im Alter zwischen 14 und 16 Jahren, dass es ihr erster Kontakt mit dem bäuerlichen Leben ist. Vorurteile gab es im Vorfeld jede Menge. »Das ist doch voll langweilig hier...«, »die haben doch kein Internet und kein Handy...«, »die laufen doch den ganzen Tag mit Gummistiefeln über den Hof...« - so oder so ähnlich waren die Gedanken der Jugendlichen vor Antritt der Fahrt, wie Projektleiter Michael Lange sagte. »Super! Klasse! Voll geil!«, so die Statements von Jessica, Eileen, Aileen und Dunja am Ende des Tages. Das Projekt an sich geriet fast in den Hintergrund, bei all den Erlebnissen und vielen Eindrücken, die die Jugendlichen am Samstag hatten.

Eingefädelt hatte den Besuch Katja Krieger von der Firma Agricon, einem Unternehmen, welches Landwirtschaftsbetriebe mit neuester Technik ausrüstet. Auf dem Programm standen ein Besuch in der Milchviehanlage der Genossenschaft, ein Rundgang auf dem Technikstützpunkt in Zeckerin, der Reitplatz und ein Besuch auf dem Feld, bei dem die Jugendlichen auch mal einen richtig großen Traktor fahren durften. Die jungen Leute erfuhren, wieviel Arbeit es macht, 1000 Rinder und 800 Schafe zu versorgen sowie 2300 Hektar Land zu bewirtschaften. Sie erlebten einmal live, wie das alles produziert wird, was täglich auf ihrem Tisch landet. Das hinterließ dann einen nachdrücklichen Eindruck.

Thomas Jülke, Chef der Sonnewalder Agrargenossenschaft, war sofort bereit, als der Projektgedanke an ihn herangetragen wurde. »Wir sind immer bestrebt, dass Bild der Landwirtschaft, welches besonders unter Jugendlichen ziemlich diffus ist, gerade zu rücken und Vorurteile abzubauen. Viele Menschen wissen gar nicht, wie Landwirtschaft heute funktioniert und wie verantwortungsbewusst wir mit der Natur und dem uns anvertrauten Vieh umgehen. Und viele Menschen wissen auch nicht, wie anspruchsvoll heute ein Beruf in der Landwirtschaft ist.«

Zumindest die »Kids aus Tempelhof« wissen es jetzt. Geschickt eingefädelt wurde auch der Kontakt mit Jugendlichen vom Lande und die Berliner Jugendlichen konnten es fast nicht glauben, als ihnen erzählt wurde, wie schön und spannend das Leben auf dem Land sei und »dass ich es mir gar nicht vorstellen könnte, immer in der Stadt zu leben«, wie ihnen unter anderem André Vorwerk versicherte. Und sie staunten, als sie merkten, dass die Jugendlichen auf dem Lande eigentlich genauso »ticken« wie sie, genauso tagtäglich Handy und Internet benutzen und eigentlich die gleichen Sorgen und Freuden haben, wie Teenager überall.