12. November 2011, 00:00 Uhr

Der falsche Hammer im Finsterwalder Sowjetstern

Finsterwalde saniert nach und nach sowjetische Soldaten- und Kriegsgefangenengräber

Finsterwalde Mehr als halbes Jahrhundert ist es niemandem aufgefallen: Der Hammer im Sowjetstern mit Hammer und Sichel war falsch herum montiert. Jetzt ist der Fehler bei der Sanierung des sowjetischen Ehrenfriedhofs am Finsterwalder Wasserturm korrigiert worden. Die marode gewordene Gedenkstätte, auf der 74 Soldaten der Roten Armee begraben sind und die auch in Zukunft an den Zweiten Weltkrieg erinnern soll, wird nach und nach originalgetreu saniert.

Der rote Sowjetstern leuchtet wieder kräftig auf dem Friedhof am Finsterwalder Wasserturm. Fotos: Dieter Babbe
Während die gemauerten Säulen nur frisch ausgefugt werden mussten, war der verrostete eiserne Zaun nur mit frischer Farbe nicht mehr zu retten. Sämtliche 39 Felder und die beiden zweiflügligen Tore mit den Zierstäben sind originalgetreu nachgebaut worden. „Dazu mussten wir extra spezielles Werkzeug anfertigen“, berichtet Hans-Ullrich Richter von der Massener Firma Metallbau Gebrüder Richter. Das Metall ist feuerverzinkt und pulverbeschichtet worden – und zäunt für weitere Jahrzehnte den Friedhof ein, versichert der Firmenchef. Auch die beiden roten Sterne am Haupteingang sind völlig erneuert – und dabei korrigiert worden. „Die zu erhalten, darauf legen die Russen besonderen Wert“, sagt Roland Breitkreutz, Leiter vom städtischen Wirtschaftshof. „Unter dem Roten Stern haben die Soldaten gekämpft und ihr Leben gelassen“, erklärte ein Botschaftssekretär der russischen Botschaft, als er vor fünf Jahren letztmalig die sowjetischen Friedhöfe in Finsterwalde in Augenschein nahm.

Damals war noch der Obelisk vor einem anderen sowjetischen Massengrab auf dem städtischen Friedhof in einem erbärmlichen Zustand. Stahlseile mussten hier schon die lockeren Granitplatten zusammenhalten, damit sie nicht abfallen und zur Gefahr werden. Die Stele ist kürzlich erst auseinandergebaut, gereinigt und wieder fest zusammengefügt worden. Auch die Schrift, die an die 230 sowjetischen Kriegsgefangenen erinnert, die während des Krieges als Zwangsarbeiter in den Rüstungsbetrieben der Stadt und Region arbeiten mussten, dabei zu Tode kamen und hier begraben wurden, ist wieder frisch nachgezeichnet worden. Das Denkmal an diesem Massengrab war nach dem Krieg von der KPD-Ortsgruppe Finsterwalde angelegt worden – ein Grund dafür, weshalb die Stadt nach der Wende zunächst eine Verantwortung für den Erhalt abgelehnt hatte. „Egal wie man dazu steht, das Denkmal muss erhalten bleiben. Es waren Menschen, die hier durch Gewalt zu Tode kamen“, sagt Roland Breitkreutz.

Die Stele auf dem sowjetischen Friedhof am Wasserturm, die ebenfalls so baufällig war, dass Kranzniederlegungen aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich waren, wurde bereits im Jahre 2007 aus den alten Teilen neu zusammengefügt und so gesichert. Mit der Erneuerung des Zaunes ist der historische Zustand des Denkmals allerdings noch nicht wieder völlig hergestellt. Die Grabplatten sind in einem schlechten Zustand, die Schrift ist kaum noch zu lesen, etliche Platten sind kaputt oder fehlen gar. „Auch dafür müssen und werden wir noch eine Lösung finden“, hofft der Leiter des Wirtschaftshofes. Zunächst wird noch in diesem Jahr die frühere Ligusterhecke wieder nachgepflanzt, die einst den Friedhof am Wasserturm umsäumt hat.

Zum Thema:

Kranzniederlegungen zum VolkstrauertagTröbitz: Gedenkveranstaltung für die Opfer der beiden Weltkriege, Sonntag, 11 Uhr, Kriegerdenkmal Herzberg: Kranzniederlegung für die Opfer beider Weltkriege, Sonntag, 11 Uhr, Denkmal Germania am Markt Wehrhain: Einweihung einer Gedenktafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, Sonntag, 10 Uhr Schönewalde: Kranzniederlegung zum Volkstrauertag, Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltktrieges, Friedhof, Sonntag, 10 Uhr Neuburxdorf: Kranzniederlegung auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Neuburxdorf, Samstag, 10.30 Uhr; 11.15 Uhr an der Gedenkstätte für die Opfer des NKWD-Speziallagers Schönewalde: Kranzniederlegung im Stadtpark Elsterwerda, Sonntag, 9 Uhr
Auf dem Finsterwalder Friedhof, wo 230 sowjetische Kriegsgefangene ruhen, ist der wacklige Obelisk erneuert worden.
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Erstellt am: 12. November 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 12. November 2011, 12:55 Uhr
Autor: Von Dieter Babbe

Von Dieter Babbe

Jüngste Kommentare (1)

ZERSCHLAGEN?

von peterpavlik

Kann das jemand erklären, warum auf dem Gedenkstein für die 230 erschlagenen, gequälten, verhungerten sowjetischen Kriegsgefangenen "ZERSCHLAGEN" steht?

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