Nehesdorf Nach einem leckeren Schlachtefest in der Gaststätte Treffpunkt Süd, organisiert vom Verein Nehesdorfer Heimatstube, lud Wolfgang Jabin am Sonnabend zu einem Spaziergang ein. Zahlreiche Interessenten gingen der Frage nach: Wo ist der Nehesdorfer Born?
09.02.2010
Heiko Schäfer war mit Tochter Wiebke (3) und Lebensgefährtin Anja gekommen. „Ich bin Finsterwalder, hatte aber in Nehesdorf einen Garten und nun wohnen wir hier“, ließ er wissen. Volkmar Hensel (78) dagegen kehrte zu seinen Wurzeln zurück. „Ich bin 1931 hier in Nehesdorf bei Paschkes in der Waschküche als Sohn von Maler Martin und Emmi Hensel geboren. Aus dem Born habe ich als Junge öfter ein Eimerchen voll Wasser geschöpft und nach Hause getragen“, erinnerte er sich. Auch seine Schwester Gisela wurde hier geboren, bevor die Eltern dann ein Häuschen in der Massener Lindenstraße bezogen.
Gerda Raunick wohnt im Nehesdorfer Ausbau. Sie kam 1947 aus Schlesien hierher, da bereits Verwandte vor Ort Fuß gefasst hatten. „Ich bin schon immer bei den LR-Wandertouren dabei und natürlich auch, wenn Wolfgang Jabin einlädt.
Ich höre gern, wenn er erzählt, wie sie als Kinder an der Hintermühle spielten, Fische klauten und zum Tollen Graben immer Gänsegraben sagten“, erzählt sie. „Hier wurde früher, als es noch keine Wasserleitung gab, also bis 1947, das Trink- und Waschwasser geholt, wenn der Gänsegraben verschmutzt war.“ Am Gang, der von der Hauptstraße bis zum Born führt, war früher eine kleine Brücke, bei der man die besten Fangmöglichkeiten für Krebse und Stichlinge hatte. Am Born gab es zwei Öffnungen und diejenigen, die ständig hier Wasser holen mussten, hatten auch einen Schlüssel für das Wasserhäuschen. Bis 1947 gab es verschiedene Schöpfstellen, bei Richters, bei der Dorfmühle, bei der Hintermühle und am Born. Erhard Richter erinnerte sich, wie er mit Tragejoch und zwei Eimern daran Wasser holen ging. Andere kamen mit Handwagen und Fässern darauf, wusste Roswitha Frontzek, verheiratete Mieth, die in der Kegelhalle von Knöfels geboren worden war, zu berichten.
Mit viel Heiterkeit nahmen die etwa 45 Wanderfreunde die Geschichten vom Osterwasser und dem verbrühten Hintern auf. Das Osterwasser soll schön machen, wenn man Regeln einhält. Doch er kenne Damen, so Wolfgang Jabin, die Eimerweise Wasser nach Hause schleppten und bei denen es nicht gewirkt habe. Zu einer Zeit, als es noch die Wasserplumpe, Plumsklo und Pinkelrinne gab, soll sich in einer Nehesdorfer Kneipe folgendes zugetragen haben: „Bei jedem Wetter musste man die Gaststube verlassen, um seine Notdurft zu verrichten. Doch für die Wirtin oder die Kellnerin stand neben der Küche ein Eimer für die Abfälle, der auch für das kleine Geschäft genutzt wurde. Rock hoch… Aber eines Abends stand an dieser Stelle im dunklen Flur ein anderer großer Topf mit heißen Bockwürsten. Als die Kellnerin nun hinein pieseln wollte, hockte sie sich auf das heiße Gefäß und verbrühte sich den Hintern. Vom Schmerz ganz benommen hat sie erst mal ein paar Schnäpse bekommen“, erzählte Wolfgang Jabin.
Inzwischen war Sandra Lehmann-Tschofen, die Vereinsvorsitzende, zum Born gekommen und schenkte als Überraschung Glühwein aus. Die Wanderfreunde erfuhren, dass der Verein vor hat, das alte Wasserhäuschen, das mal am Born stand, wieder zu errichten. Von Mario Sanders
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