Schweres Unwetter deckt Dächer ab, beschädigt Häuser und Autos und knickt Bäume
Video - Mühlberg
Diesen Pfingstmontag werden die Mühlberger nicht vergessen: Peitschender Regen und Sturm ziehen plötzlich auf. Dann nur noch ein Krachen: Dachziegel fliegen durch die Luft, Bäume brechen, was am Boden nicht fest verankert ist, fliegt durch die Luft. Mühlberg wird von einem schweren Unwetter, vermutlich eine Windhose, heimgesucht. Das Ganze dauert nur etwa fünf bis sieben Minuten. Genug, um eine Stadt erheblich zu verwüsten.
Entwurzelte Bäume und zerfetzte Dächer prägen das Mühlberger Stadtbild Foto: Frank Claus
Anwohner beobachten kurz nach 15 Uhr, wie sich in der Luft so etwas wie ein Kreisel über der Elbe bildet. Und dann in Richtung Stadt marschiert. Mühlberg ist von tiefdunklen Wolken umgeben, nur über der Stadt selbst scheint es einige Momente heller. Zwischen Burxdorf und Mühlberg-Weinberge peitscht der Regen so stark, dass sich die Felder blitzschnell in Seen verwandeln. Um 15.18 Uhr geht der erste Hilferuf in der Cottbuser Leitstelle ein. Wenig später donnern Streifenwagen in die Elbestadt. Die Feuerwehren aus Mühlberg und Brottewitz müssen sich in der Liebenwerdaer Straße erst einmal eine Schneise mit ihren Kettensägen freischneiden, um überhaupt ins Stadtinnere vordringen zu können. Noch immer peitscht der Regen. Schnell sind die Kameraden bis auf die Haut durchnässt. „Das Wasser läuft in die Stiefel“, sagt Ulrich Hilbrecht aus Brottewitz.
Dieser Dachstuhl wurde komplett abgerissen Foto: Frank Claus
Die Einwohner haben sich in ihren Häusern versteckt. Immer noch krachen Bäume auf Häuser, hört man Dachziegel auf den Boden knallen. Unterdessen lässt der Sturm nach. Schnell verbreitet es sich wie ein Lauffeuer. Der obere Teil des Kirchturms der Klosterkirche ist abgebrochen. Die Spitze ist nach unten geknallt und hat sich tief in den Mutterboden gebohrt. Die Kirche ist verschlossen, doch deutlich ist zu hören, wie das Wasser ins Innere patscht. Gegenüber können es Dr. Peter Stenger von der Löwenapotheke und seine Ehefrau nicht fassen. Die gut 150 Jahre alte, stämmige Eiche auf dem Hinterhof ist umgestürzt und auf das Haus des Nachbarn geknallt. Werner Preußker versucht das Nötigste, stellt Eimer und Schüsseln auf, um das eindringende Wasser aufzufangen. Der Anbau seines Hauses, das er jetzt mit Mitteln der Denkmalpflege sanieren wollte, ist zerstört.
Es hat aufgehört zu regnen. Die Einwohner treten erst einmal auf die Mitte der Straßen, um den Schaden zu begutachten. Direkt an den Häusern ist es gefährlich. Überall hängen Dachziegel, wenn vorhanden, in den Schneefanggittern.
Die Feuerwehr kämpft verzweifelt gegen entwurzelte Bäume Foto: Frank Claus
Es ist kein Durchkommen durch die Stadt. Wolfgang Zöller bietet der RUNDSCHAU sein Fahrrad an. Schnell geht es zur Elbebrücke. Gut 100 Sturmfenster hat es dort aus den Fassungen gerissen. Am Schlossteich sind wie überall in der Stadt selbst dicke Eichen umgebrochen. An der Kita hat es ein Gerüst ausgehoben, bei der Feuerwehr ein Teil des Daches abgedeckt. Fast jedes Haus, selbst neu eingedeckte, haben etwas abbekommen. Am schlimmsten scheint es die Wohnblocks in Richtung Altenau erwischt zu haben. An einer Giebelseite stehen nur noch die Sparren. In der Liebenwerdaer Straße hat der Sturm eine Wand samt Dach heruntergerissen, sodass die Küchenstühle und der Schrank gespenstisch im Freien stehen. Überall sind Autos zerbeult und Scheiben gesplittert. Inzwischen fliegt ein Hubschrauber der Polizei, um Luftbildaufnahmen zu fertigen. Gegen 17 Uhr: Die Sonne strahlt, als wäre nichts gewesen. Um über den Schaden Bilanz zu ziehen, wird es noch einige Tage benötigen.
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