Unter Dampf und im Regen – Weihnachten 2012
In Hohenleipisch dreht der Alte gut beschirmt seine Runde. Foto: vrs1

"1977, 14.30 Uhr: Eine Dampflok kommt schnaufend am Haltepunkt Prösen an. Der Weihnachtsmann steigt aus dem Zug und wird von Hunderten Prösenern herzlich auf dem überfüllten Bahnsteig begrüßt ... ", begann Organisator Ralf Engelmann am Heiligen Abend vor zahllosen Prösenern den traditionellen Empfang des Weihnachtsmannes im Zentrum der Röderlandgemeinde. Viele der heute Anwesenden sind damals Kinder gewesen. Der Alte mit Bart, Rute und Geschenkesack kam 35 Jahre später noch einmal mit seinen drei Helfern in einem von einer Dampflokomotive gezogenen Zug angefahren. Allerdings musste etwas improvisiert werden. Die Lösung: eine nachgebaute Spreewaldbahn, im Volksmund als "Spreewaldguste", aber auch als "Bimmelguste" oder "Tschuchte" bezeichnet. Bis heute gehört sie zu den bekanntesten Schmalspurbahnen Deutschlands. Die Spreewaldbahn war eine meterspurige Schmalspurbahn, die vom Betriebsmittelpunkt Straupitz die Strecken nach Lübben, Goyatz, Lieberose und Cottbus bediente, erklärte Ralf Engelmann. In Betrieb war sie im Personenverkehr von 1898 bis 1970 und in Restabschnitten im Güterverkehr noch bis 1983.

Eine Lokomotive und ein Wagen wurden in jüngerer Zeit von den leidenschaftlichen Eisenbahnfans des Vereins "IG Spreewaldbahn" auf einem Geräteträger RS 09 aus der Landwirtschaft als Fahrgestell und einen Anhänger aufgebaut. Dabei wurden sogar originale Teile einer Lokomotive, wie zum Beispiel die Lampen, das Läutewerk und die Beschriftungen verwendet. Mit dem Zug nimmt der Verein an Umzügen teil. Für den Prösener Weihnachtsmann-Lokführer Uwe Richter reichte also die Traktor- Fahrerlaubnis aus.

Nach Prösen sind die Fahrzeuge auf einem Tieflader und einem Abschleppfahrzeug der Firmen Hoch und Tiefbau Volker Grünberg und Autocenter Stefan Rose gekommen. Das alles unter höchster Geheimhaltung, denn wie in jedem Jahr sollen die Gefährte des Weihnachtsmannes die Top-Überraschung zum Fest sein.

Der Weihnachtsmann mit seinen Bahnbeamten-Weihnachtsmännern und den Geschenkesäcken kam gut an. "Einfach traumhaft und nahe am Original", schwärmte Steffen Schulz aus München. Er muss es wissen. Er hatte in Elsterwerda-Biehla gelernt und in der Region von 1985 bis 2001 bei der Bahn gearbeitet. Steffen Schulz ist dann nach München gezogen, wo er heute noch an einer der letzten manuell bedienten Schrankenanlage Deutschlands dreht.

Erinnerungen wurden auch bei Thomas Helemann wach. Der heute 40-Jährige war als Wichtel bei Vater Werner Helemann vor 35 Jahren dabei. Heute fährt Werner Helemann zusammen mit seinem Haflingermix Prinz neben Walter Pohling bis zum Abend die Geschenke zu den Prösener Kindern.

Mit viel Regen, aber auch mit interessanten Ausreden wie: "Für ein Gedicht sind meine Hände zu kalt" musste der Weihnachtsmann in Hohenleipisch zurechtkommen. Der kleinen Lilly Biebach in der Bahnhofstraße war im vergangenen Jahr ihr Name entfallen, was sich der Weihnachtsmann gemerkt hatte. Diesmal hatte Lily ihren Namen parat, dafür das einstudierte Gedicht und das Lied vergessen. Zoe` Schimmang in der Schillerstraße hatte es beim Anblick des Weihnachtsmannes sogar vollkommen die Sprache verschlagen. Dafür mussten Oma Ute und Opa Andreas persönlich mit einem Lied einspringen. Alternativ hatte Zoe` Schimmang selbst ein Geschenk für den Weihnachtsmann gebastelt. Geschenke gab es für alle Kinder trotzdem, ebenso wie bei den über 20 anderen Adressen, die der Weihnachtsmann der Lobenburger mit seinem Gefolge aus Engeln und Märchenfiguren und mehreren Regenschirmen ansteuerte.

Ein erstes Krippenspiel fand bereits am Sonntagvormittag am vierten Advent im Rahmen des Gottesdienstes mit Pfarrer Kersten Spantig in der kleinen Dorfkirche in Dreska statt. Gudrun Kießler hatte das Krippenspiel mit den Kindern aus Hohenleipisch und Gorden einstudiert. Die Aufführung in der vorgezogenen Christvesper in Dreska war eine Generalprobe für Gorden und Hohenleipisch.

Unter Dampf und im Regen – Weihnachten 2012
Frühes Krippenspiel in der Dorfkirche von Dreska. Foto: vrs1