04. Februar 2012, 00:00 Uhr

Machen, nicht quatschen – das ist ihr tägliches Motto

Was Sabine Töpfer-Schwab immer wieder antreibt, sich in ihrem Heimatort Theisa einzubringen

Theisa „Ich habe eine Macke für alte Sachen, sammle Kaffeekannen und fühle mich auf Trödelmärkten pudelwohl“, erklärt Sabine Töpfer-Schwab ohne große Umschweife. „Meine Affinität für alles Alte rührt bestimmt aus der Kindheit“, überlegt sie laut und erzählt: „Manchmal wünschte ich mir, es wäre in Theisa noch einmal so, wie ich es aus Kindertagen in Erinnerung habe.“

Sabine Töpfer-Schwab ist sehr aktiv im Theisaer Heimatverein. Foto: Mona Claus Foto: Mona Claus
Sie ist im Ort geboren und fühlt sich wohl in Theisa. Enkelsohn Hannes ist die sechste Generation auf dem Töpfer-Hof. Fast täglich führt sie ihr Weg seit 1999 weg vom Dorf in die Großstadt – nach Berlin. Der Arbeit wegen. Sabine Töpfer-Schwab ist Verkehrsingenieurin bei der Deutschen Bahn. Erlernt hat sie den Beruf eines Facharbeiters für Betriebs- und Verkehrsdienst, sie holte ihren Fahrdienstleiter nach, studierte dann in Gotha Verkehrsingenieurwesen und machte nebenbei ein Pädagogik-Fernstudium, um dann 13 Jahre als Lehrmeisterin zu arbeiten. Die Bewerbung hin zum Güterverkehr zur Deutschen Bahn führte die Theisaerin von Finsterwalde nach Cottbus und schließlich bis nach Berlin/Mitte. Das 40. Dienstjubiläum steht in diesem Jahr an.

Doch am schönsten ist es für die Theisaerin, wenn sie nach Hause kommt. Dort ist ihr Lebensmittelpunkt, wohnt ihre Familie, engagiert sie sich für den Heimatverein.

Was einigen im Dorf popelig, klein und unprofessionell vorkommt, ist für Sabine Töpfer-Schwab und ihre Mitstreiter dörflicher Gemeinsinn – lebens- und liebenswert. „Meine Großeltern haben vom Leben auf dem Land geschwärmt, viele Geschichten erzählt und mich neugierig gemacht“, erzählt sie.

Im Jahr 1996 war es. Da war sie dabei, als zu zehnt der Dorfclub gegründet wurde und die Theisaer begannen, sich um die Aufarbeitung ihrer Geschichte zu kümmern. „Als Verein gegründet haben wir uns schließlich zwei Jahre später“, erzählt sie. Zempern, Fastnacht, Osterfeuer, Renter werden eingeladen, Kirmestanz und Adventsbasteln sind mitlerweile zu einem festen Bestandteil des dörflichen Lebens geworden. Sabine Töpfer-Schwab hat es keineswegs allein organisiert. Das unterstreicht sie ständig beim Erzählen und weißt auf ihre fleißigen Mitstreiter verschiedenen Alters hin. Rückenstärkung bekomme sie ständig von ihrem Mann Jens. Jeder Einzelne im Verein hätte eine Würdigung verdient, erklärt Töpfer-Schwab, die den Vereinsvorsitz im vergangenen Jahr an Andrea Arndt abgegeben hat. Dennoch wurde gerade sie für ihr gesellschaftliches Engagement zum Neujahrsempfang geehrt. Weil sie „maßgeblich an der Gründung des heutigen Traditionsvereins beteiligt“ war, so steht es in der Begründung. Mit ihrem Enthusiasmus sei es ihr gelungen, nicht nur Vereinsmitglieder zu gewinnen und für ihre Sache zu begeistern. Sie fand Sponsoren für avisierte Ziele. So wurden der Glockenturm aus Anlass der 800-Jahrfeier eingeweiht, ein Zunftbaum aufgestellt, eine Museumswohnung im Gut eingerichtet und auch der große Festumzug zum Erntedankfest durchgeführt. „In aller Munde ist noch immer der Hexenball“, erzählt Sabine Töpfer-Schwab und lacht beim Erzählen. „Wir alten Huschkutten sind da um das Feuer getanzt, es wurde aus der Hand gelesen und die Glaskugel verriet so manches kleine Geheimnis in der Kulisse des Theisaer Gutes“, berichtet sie.

Das Gut ist die heimliche Liebe der Theisaerin. Gern hätte sie das Areal für den Verein, wegen der Mystik, der Historie und der Kulisse komplett gehabt. Momentan gestaltet sich eine Gesamtnutzung schwierig. Und dennoch: Etwas bewegen will Sabine Töpfer-Schwab weiterhin, denn da hält sie es mit Mario Barth: „Machen, nicht quatschen!“

 

Zum Thema:

Zum ThemaGesichter der Region ist eine neue Serie der RUNDSCHAU: Vorgestellt werden Menschen, die bewegen, die etwas zu erzählen haben oder die sich auf ganz besondere Weise immer wieder einbringen. Erzählt wird über Menschen, die besondere Erfahrungen sammelten oder an außergewöhnlichen Orten aktiv sind. Und berichtet wird vom Nachbarn mit Herz und der Nachbarin, die nicht nur an sich selbst denkt.
Extras zum Artikel
Artikel gehört zur Serie:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. März 2012, 09:49 Uhr
Autor: Von Mona Claus

Von Mona Claus

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren