09. Februar 2012, 00:00 Uhr

Elbe-Elster-Städte setzen auf Luther

Städteverbund in Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 in Jüterbog gegründet

Jüterbog Auch die Elbe-Elster-Region will sich in die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum 2017 einbringen und davon profitieren. Am gestrigen Mittwoch ist dazu in Jüterbog ein Städteverbund ins Leben gerufen worden. Zum Auftakt wurden Mühlberg und Jüterbog mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet.

Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) übergab die blaue Plakette an Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel und deren Jüterboger Amtskollegen Arne Raue (beide parteilos). Die Elbestadt ging mit der Schlacht bei Mühlberg im April 1547, in deren Folge der Schmalkaldische Bund den Truppen des Kaisers Karl V. unterlag, in die Geschichte ein. Die Schlacht wurde zum Schlüsselereignis der Reformation. Davon ausgehend wird das Mühlberger Stadtmuseum in diesem und nächstem Jahr zum Reformationsmuseum umgebaut und mit diesem Schwerpunkt auch inhaltlich ausgerichtet.

Mühlberg reiht sich ebenso wie Jüterbog in eine Reihe von 22 wichtigen Stätten der Reformation in ganz Deutschland ein. Weitere Träger dieser Würdigung sind zum Beispiel Worms, Augsburg, die Wartburg bei Eisenach und das Augustinerkloster in Erfurt. 2006 war von EU-Mitgliedsstaaten eine Initiative ins Leben gerufen worden, wonach Kulturerbestätten ausgezeichnet werden sollen, die die europäische Einigung sowie die Geschichte der EU symbolisieren. Deutschland ist seit 2011 mit den „Stätten der Reformation“ und den „Stätten des Eisernen Vorhangs“ an diesem Projekt beteiligt.

„Reformation hat Konjunktur“, sagte Kulturministerin Sabine Kunst bei der Verleihung und verwies auf die Chance, die historische Bedeutung der Reformation als gesellschaftliches, kulturelles und religiöses Ereignis in der Region, in Deutschland, in Europa und darüber hinaus zu würdigen sowie internationale Aufmerksamkeit zu wecken. Brandenburg wolle sich dabei selbstbewusst einbringen.

Einen wichtigen Beitrag wird der „Städteverbund Reformationsjubiläum“ leisten, der am Dienstag in Jüterbog ins Leben gerufen wurde. Dieser Verbund geht auf eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg zurück und vereint die Städte Jüterbog, Treuenbrietzen, Mühlberg, Herzberg, Uebigau-Wahrenbrück, Doberlug-Kirchhain und Bad Liebenwerda. Als Partner haben Vertreter der Lutherstadt Wittenberg, von der mit dem Thesenanschlag Martin Luthers 1517 die Reformation in Deutschland ausging, und aus Torgau ihre Zusammenarbeit und Kooperation zugesagt.

Dass die Elbe-Elster-Region hier so stark vertreten ist, ist darauf zurückzuführen, dass sie zu Zeiten der Reformation zu Sachsen gehörte. Dort seien die Veränderungen viel schneller vorangeschritten als im Norden des heutigen Brandenburgs, so Frank Göse von der Universität Potsdam. Er beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Reformationsgeschehnisse zur Zeit Martin Luthers. Das neue Netzwerk will Aktivitäten bündeln und touristisch vermarkten.

Die Mitglieder stellten erste Ideen vor, wie sie sich in das Reformationsjubiläum und die bis 2017 laufende Lutherdekade einbringen wollen. So arbeitet Herzberg zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Universität Halle an einer wissenschaftlichen Publikation zur strategischen Rolle der Stadt in der Reformation. Es soll Theateraufführungen geben, ein Stadt- und Kirchenarchiv aufgebaut und Schulprojekte veranstaltet werden. Uebigau-Wahrenbrück will auf die Themen „Bildung und Schule“ sowie die in Wahrenbrück geborenen Komponistenbrüder Graun setzen. Bürgermeister Andreas Claus (parteilos) regte außerdem an, dass künftig ebenfalls die Stadt Falkenberg in das Netzwerk aufgenommen wird. Mühlberg will sich mit dem künftigen Reformationsmuseum einbringen und hofft auf das erst kürzlich eröffneten Ökumenischen Haus der Begegnung und Stille im Kloster Marienstern als weiteres Zugpferd für Stadt und Region. Bad Liebenwerda besuchte Martin Luther nachweislich 1519 und 1544. Diese historischen Stätten seien ein guter Anknüpfungspunkt für Stadtführungen zum Thema Reformation, so der stellvertretende Bürgermeister Gerd Engelmann. Er wünscht sich eine Anbindung der Kurstadt und des Kreises an den bereits bestehenden Lutherweg. Anknüpfungspunkte dürften sich durch die Elbe-Elster-Kirchenstraße bieten. Nicht zuletzt bringt sich Doberlug-Kirchhain als Austragungsort der ersten brandenburgischen Landesausstellung „Preußen-Sachsen. Sachsen-Preußen. Bilder einer Nachbarschaft“ 2014 ein. Alle Mitglieder erhoffen sich von der Zusammenarbeit im Netzwerk viele Synergieeffekte.
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Erstellt am: 09. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 14. Februar 2012, 16:24 Uhr
Autor: Von Antje Posern

Von Antje Posern

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