Karin Schönfeld vom Cottbuser Tierschutzverein besucht den Kater Benjamin im Seniorenheim. Foto: René Wappler
Wissenschaftler sind sich einig: Haustiere können frischen Schwung in den Alltag von Senioren bringen. Katzen mindern demnach Stress, sie wecken Kontaktfreude, sie lindern Ängste – und beugen Herzinfarkten vor.

Dieses Studienergebnis der Universität von Minnesota macht sich nun auch das Cottbuser Seniorenheim Johann Hinrich Wichern zueigen. Am Donnerstag der vergangenen Woche sind zwei neue Mitbewohner eingezogen, die Kater Bodo und Benjamin, die das Leben der Rentner gehörig aufmischen. Lebhaft springen sie von einem Zimmer zum nächsten, rollen sich zwischendurch für einen kurzen Schlaf auf dem Schoß einer älteren Dame ein und schauen dann wieder neugierig hinter Schränke und Türen.

Mit Tier bei den Großeltern

Die Cottbuserin Karina Storm hat das Projekt mit dem Namen „Tiere für Senioren“ angeregt. „Regelmäßig habe ich meine Großeltern mit meiner Katze im Heim besucht“, erklärt sie. „Dabei bemerkte ich, wie das Tier die beiden aufmunterte – und so kam ich auf den Gedanken, man könne grundsätzlich Katzen in Seniorenheimen integrieren.“

Der Chef des Wichern-Heims, Ulrich Wank, schwärmt von der Idee. „Tiere sind Freunde, Spielgefährten und Gesprächspartner zugleich“, sagt er. So erklärt sich nach seinen Worten auch das Phänomen der Dame, die viele Monate schwieg und dann plötzlich auftaute, als Kater Bodo und Benjamin ihre neue Heimat erkundeten.

Auch die 95-jährige Marie Mittag genießt das Schnurren des schwarzen Katers Bodo, der es sich auf ihrer Decke gemütlich gemacht hat. Sanft streicht sie ihm übers Fell. Sie besaß selbst mal eine Katze, die aber im vergangenen Jahr verstorben ist.

Bodo und Benjamin stammen aus dem Cottbuser Tierheim. Dessen Mitarbeiterin Annett Goschin-Klauck berichtet: „Wir haben für den Umzug ins Seniorenheim extra zwei Tiere ausgesucht, die den Kontakt zum Menschen lieben – und von der Idee sind wir überaus begeistert.“ Derzeit leben im Tierheim 150 Katzen, 35 Hunde und 20 Kleintiere.

Krisenfester Markt

Nicht nur im Seniorenheim gewinnen Haustiere die Herzen der Bewohner. Schon die Ansiedlung der großen Filiale des Fachmarkts Fressnapf am Nordring zeigt: Bei der Heimtierhaltung handelt es sich um ein Geschäft, das dauerhaftes und krisensicheres Wachstum verspricht. Jahr für Jahr steigt der Umsatz der Heimtier-Fertignahrung bundesweit um zwei bis vier Prozent. In 16,5 Prozent der deutschen Haushalte leben Katzen, wie der Industrieverband Heimtierbedarf feststellt. 13,3 Prozent der Haushalte beherbergen Hunde. Und mit 29 Prozent bilden Menschen ab 60 Jahren einen dominierenden Anteil an der Zahl von Familien mit Heimtieren.

Da dieser Markt also einen Aufschwung erlebt, liegt es nahe, dass sich die Idee der Haustiere für Seniorenheime künftig nicht nur auf das Cottbuser Wichern-Haus beschränkt. So sagt Astrid Berner, die zu den Betreuern des Projekts „Tiere für Senioren“ zählt: „Wir hoffen auf positive Reaktionen über die Stadtgrenzen hinaus – vielleicht interessieren sich ja auch andere Seniorenheime für diese Idee.“ Schließlich gäben die Katzen den Bewohnern vor allem Wärme, Nähe und Abwechslung. „Indem sie die Menschen zum Lachen bringen, schaffen sie sogar etwas, was dem Pflegepersonal oft nicht gelingt“, erklärt Astrid Berner. Hilfe erhält das Projekt von 30 Cottbuser Unternehmern, die sich zur 850-Jahr-Feier der Stadt unter dem Motto „Cottbuser Krebse“ zusammengeschlossen hatten: Sie erwarben Skulpturen mit dem Cottbuser Wappentier und unterstützten das Projekt „Kinder gegen Drogen“. Nun widmen sie sich den „Tieren für Senioren“ und sorgen dafür, dass für die Heime in der Anfangsphase keine Kosten entstehen. Einer der Unternehmer ist der Chef vom Sorat-Hotel am Schlosskirchplatz, Frank Ulrich. „Meine Oma wohnt ebenfalls in einem Cottbuser Seniorenheim. Um so schöner finde ich es, wenn die Aktion ein begeistertes Echo findet.“ Auch in anderen Heimen der Lausitz erfreuen Vierbeiner die Senioren: So erfreut eine Katze namens Maja seit September 2010 die Bewohner des DRK-Wohnparks in Großräschen.